Ehe für alle

Kommt jetzt die komplette Gleichstellung für Homosexuelle?

Irene Müller, 3. Juni 2020, 10:04 Uhr
Auch bei homosexuellen Paaren ist der Kinderwunsch weit verbreitet. Doch diesem wird mit der aktuellen Gesetzeslage in der Schweiz zusätzlich Steine in den Weg gelegt.
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Die Sommersession des eidgenössischen Parlaments hat begonnen. In den nächsten drei Wochen stehen wichtige Debatten an. Unter anderem zur Proximity-Tracing-App, zum CO2-Gesetz – und zur Ehe für alle. Der grosse Streitpunkt ist der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin.

Kinder ja oder nein? Während sich im 21. Jahrhundert viele heterosexuelle Pärchen fragen, ob sie überhaupt Kinder wollen, beschäftigt lesbische und schwule Paare noch immer die Frage: «Dürfen wir, oder dürfen wir nicht?»

Die Antwort lautet nein. Zurzeit können Homosexuelle in der Schweiz weder heiraten noch von der Fortpflanzungsmedizin Gebrauch machen.

Heute wird der Nationalrat darüber diskutieren, ob das Gesetz diesbezüglich angepasst werden soll. Die Öffnung der Ehe sollte dabei nur noch Formsache sein.

In den dunkel eingefärbten Ländern ist die Heirat zwischen homosexuellen Pärchen bereits erlaubt. Hellblau bedeutet, dass eine Form von eingetragener Partnerschaft möglich ist.

In den vergangenen Jahren hat ein grosses Umdenken in der Gesellschaft stattgefunden, das auch vor der CVP nicht Halt gemacht hat. So spricht sich mittlerweile eine Mehrheit der christlichen Mittepartei für die «Ehe für alle» aus.

Von den Grossparteien stellt sich nur noch die SVP quer, obwohl laut einer Umfrage von Pink Cross, dem Schweizer Dachverband der schwulen und bi Männer* in der Schweiz, sogar ihre Wählerschaft das Anliegen befürwortet.

Zugang zur Fortpflanzungsmedizin wird die schwierigere Geburt

Die grosse Frage lautet jedoch: Wird auch die Fortpflanzungsmedizin legal? Bei diesem Thema sind die Fronten verhärteter.

Für die Linken und Freisinnigen ist der Fall klar: Sie wollen die komplette gesetzliche Gleichstellung von Homosexuellen lieber heute als morgen. Viele Bürgerliche stellen sich jedoch weiterhin auf die Hinterbeine.

Der Luzerner Geschäftsleiter von Pink Cross Schweiz, Roman Heggli, glaubt aber, dass eine knappe Mehrheit möglich wäre. «Es sieht gut aus!», meint er nach einigen Gesprächen mit Parlamentariern.

Roman Heggli glaubt, dass die Zeit für die komplette Gleichstellung Homosexueller in der Schweiz gekommen ist.

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Dass sich der Kinderwunsch für schwule Paare auch im besten Fall nicht vereinfachen wird, da die Leihmutterschaft weiterhin verboten bleibt, stört ihn nicht. «Es geht uns nicht um ein Recht auf Kinder, denn das gibt es nicht.» Er kämpft mit seiner Organisation lediglich für die Gleichstellung vor dem Gesetz.

Gesetz hinkt Praxis hinterher

Während die Politiker seit Jahren hin und her diskutieren, haben sich viele homosexuelle Paare ihren Kinderwunsch bereits erfüllt – dies auf oft beschwerlichen oder sehr teuren Wegen. Sprich: per «Do-it-yourself» oder per Kurztrip ins Ausland.

Wenn es dann tatsächlich klappt mit dem Familienglück, steht den Eltern ein weiter bürokratischer Weg bis zur juristischen Anerkennung bevor. Eines ist klar: Die «Ehe für alle» würde diesen für alle Beteiligten erleichtern.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. Juni 2020 06:00
aktualisiert: 3. Juni 2020 10:04