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Wegen Corona

Kondome werden knapp – Entwicklungsländer am stärksten betroffen

11. Juli 2020, 16:42 Uhr
Aufgrund der Coronakrise liegen die Produktionsstätten von Kondomen und hormonbasierten Verhütungsmittel im Ausland lahm. Weltweit drohen deshalb Millionen ungewollter Schwangerschaften.
Vor allem Entwicklungsländer sind von den Lieferengpässen von Kondomen betroffen. (Symbolbild)
© iStock

«Die Lieferketten für Kondome sind unterbrochen», sagt der Geschäftsführer der Stiftung Weltbevölkerung, Jan Kreutzberg, gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Doch nicht nur Kondome, auch andere Verhütungsmittel seien in vielen Regionen knapp, was vor allem Frauen in Entwicklungsländern treffe.

Probleme in männerdominierten Gesellschaften

Die Knappheit an Verhütungsmitteln ist eine indirekte Folge der Corona-Pandemie. Weltweit könnte es somit zu Millionen ungewollter Schwangerschaften kommen. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen sei die Beschaffung von Verhütungsmittel vor allem in männerdominierten Gesellschaften für die Frauen schwierig. Es sei für sie kaum noch möglich, unbemerkt zu einer Apotheke zu gelangen, sagt Kreutzberg: «Weil viele Männer gegen Familienplanung sind, müssen die Frauen oft heimlich verhüten.»

Bis zu drei Millionen ungewollte Schwangerschaften

Aufgrund der Corona-Massnahmen könnten in diesem Jahr 9,5 Millionen Frauen den Zugang zu Verhütungsmittel verlieren. Dies geht aus Berechnungen der britischen Hilfsorganisation Marie Stopes International hervor. Somit könnte es bis zu drei Millionen ungewollte Schwangerschaften und bis zu 2,7 Millionen unsichere Abtreibungen geben.

Engpässe bei Pille und Präservativ

In Malaysia und Thailand sind derzeit aufgrund der Coronakrise zahlreiche Fabriken geschlossen. Dort wird die Mehrzahl der Kondome hergestellt, welche von der Hilfsorganisation verteilt werden. Auch bei hormonbasierten Verhütungsmitteln gebe es gleiche Lieferschwierigkeiten.

Entwarnung für die Schweiz

In der Schweiz muss man sich zur Zeit keine Sorgen machen, dass die Verhütungsmittel knapp werden. Kondome sowie hormonbasierte Verhütungsmittel seien genügend vorhanden und es seien auch keine Lieferengpässe absehbar, bestätigt Monika Fehr, Präsidentin des Bündner Apothekerverbands gegenüber PilatusToday.

Dies bestätigt auch die Doetsch Grether AG, welche die Kondome der Marke Ceylor herstellt: «Wir erleben glücklicherweise zurzeit keine Lieferengpässe, auch nicht in den nächsten Wochen und Monaten. Wir sind im ständigen und engen Kontakt mit unserem Lieferanten aus Japan.» Die Fabrikschliessungen in Malaysia und Thailand hätten keine Auswirkungen auf den Schweizer Markt.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Juli 2020 10:04
aktualisiert: 11. Juli 2020 16:42