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Prozess

Kurde soll für Angriff auf Türken in Bern ins Gefängnis

8. März 2021, 16:21 Uhr
Für einen Angriff auf Türken am Rand einer Kundgebung 2015 in Bern soll ein junger Kurde eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten erhalten. Das hat am Montag am Prozess gegen den Mann in Bern der Staatsanwalt beantragt.
Polizisten halten am 12. September 2015 auf der Berner Kirchenfeldbrücke kurdische Demonstranten und Sympathisanten in Schach.
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Zwölf der 36 Monate seien unbedingt auszusprechen, forderte der Ankläger, die restlichen 24 bedingt mit einer Probefrist von zwei Jahren. Zu verurteilen sei der 28-jährige Angeklagte wegen versuchter schwerer Körperverletzung, wegen Angriffs und wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

Das Regionalgericht Bern-Mittelland will das Urteil am Mittwoch bekanntgeben.

Es geht um einen Vorfall am Rand einer bewilligten Kundgebung von türkischen Nationalisten gegen «jegliche Art von Terrorismus» im September 2015. Der junge Kurde aus Süddeutschland beteiligte sich an der unbewilligten Gegendemonstration von Kurden und Schweizer Sympathisanten.

Als zwei Autos mit Türken am Rand dieser beiden Demos vom Berner Kirchenfeldquartier hinab zur Aare fuhren, gerieten sie in einen Pulk von Kurden. Offenbar nach einer ersten verbalen Auseinandersetzung griffen mehrere Kurden die Türken an. Der angeklagte Kurde beteiligte sich daran, wie er vor Gericht zugab.

Er versetzte einem Autofahrer Schläge mit einem Holzstück und gab auch zu, auf die Heckscheibe des anderen Autos eingeschlagen zu haben. Sein Anwalt sah aber nur den Straftatbestand des sogenannten Angriffs für erfüllt. Deswegen sei sein Mandant zu einer «angemessenen bedingten Geldstrafe» zu verurteilen.

Der Staatsanwalt sagte hingegen, es sei reines Glück, dass der am Boden liegende, von den Kurden attackierte Autofahrer keine schwereren Verletzungen davon getragen habe. Der junge Kurde sei auf Videos klar identifizierbar und habe «äusserst rücksichtslos» gehandelt.

Dramatische Szenen

Dieser Vorfall auf der Berner Schwellenmattstrasse sorgte für landesweites Aufsehen, weil einer der angegriffenen Autofahrer später wendete und kurz danach bewusst in mehrere Kurden gefahren sein soll. Diese dramatischen Szenen wurden mit Mobiltelefonen festgehalten und waren danach in zahlreichen Medien zu sehen.

Der junge Kurde gehörte zu jenen, die erfasst wurden. Er erlitt einen Schädel- und einen Schulterblattbruch mit leichten Blutungen unter der Hirnhaut. Er lag zwei Tage im Spital.

Der Automobilist, der sich nach dem Angriff der Kurden ins Auto retten konnte und danach wendete, erlitt drei Rissquetschwunden am Kopf, dazu weitere Verletzungen. Er trat am Montag am Prozess als Privatkläger auf und sagte, für ihn seien das die schlimmsten Momente seines Lebens gewesen.

Dieser Mann wartet noch auf seinen Prozess. Vor Kurzem hätte er stattfinden sollen, doch wurde er verschoben.

Im September 2015 tobte in Südostanatolien, in der Region der Stadt Cizre, ein heftiger Konflikt zwischen der türkischen Armee und Kurden. Über Cizre, welche als Hochburg der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gilt, wurde mehrere Tage lang eine Ausgangssperre verhängt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. März 2021 16:25
aktualisiert: 8. März 2021 16:21