Mangelnde Routine

Mehr als 270 vermeidbare Tote in Schweizer Spitälern

11. März 2022, 19:58 Uhr
In Schweizer Spitälern werden Patienten oftmals von Ärzten behandelt, denen die notwendige Routine für ein optimales Behandlungsergebnis fehlt. Dies führt zu mehr als 270 Todesfällen, die verhindert werden könnten. Das zeigt eine Studie.
Mit mehr Routine der Ärzte bei gewissen Eingriffen könnten Menschenleben gerettet werden. (Symbolbild)
© Keystone

In der Studie wird für zehn Operationen nachgewiesen, wie oft eine medizinische Behandlung in Schweizer Spitälern mindestens durchgeführt werden muss, um ein optimales Behandlungsresultat zu erhalten.

Routine zahle sich bei medizinischen Eingriffen aus, schreibt der Versicherer und Auftraggeber der Studie, Groupe Mutuel, in einer Mitteilung. Geübte Ärztinnen und Ärzte sowie ihre Teams würden vor allem bei komplexen Eingriffen bessere Behandlungsergebnisse erzielen.

Nur wenige Spitäler erfüllen die Mindestfallzahlen

Bloss ein geringer Teil der Spitäler erreiche die von der vorliegenden Studie berechneten Mindestfallzahlen. Es seien vor allem Regional- und Bezirksspitäler, welche die nicht genügend Operationen durchführen, um Routine zu erhalten. «Das Problem ist grösser als bisher angenommen wurde», sagt Studienautor Daniel Zahnd. «Aufgrund der gefundenen Zusammenhänge und dem grossen Unterschied zu den in der Spitalplanung vorgegebenen Mindestfallzahlen wäre es wünschenswert, die strukturellen Reformen im Spitalbereich voranzutreiben», so Zahnd weiter.

Forderung nach Strukturreformen

Die Studie hat den Zusammenhang zwischen Arzt-Routine und Sterberisiko der Patienten bei 25 Krankheitsgruppen untersucht. Bei zehn Eingriffen stellte sie einen signifikanten Zusammenhang von Fallzahl und Sterblichkeit fest. Bei diesen zehn Eingriffen sollen sich gemäss Studie jedes Jahr über 270 Todesfälle verhindern lassen, wenn die hergeleiteten höheren Mindestfallzahlen gelten würden.

Eines von vielen Kriterien

Mindestfallzahlen hätten ihre Berechtigung, aber sie hätten auch ihre Grenzen, hielt H+ Die Spitäler der Schweiz auf Anfrage gegenüber der Nachrichtenagentur SDA fest. Der Dachverband kann die in der Studie enthaltene Zahl von 270 vermeidbaren Patienten nicht beurteilen. Er begrüsst aber den wissenschaftlichen Beitrag zur Thematik, da die Literatur zu diesem Thema bisher «eher dünn» sei.

Neben den Mindestfallzahlen seien auch andere Aspekte relevant, entgegnet der Verband weiter. Etwa das Einhalten von Richtlinien und Standardnormen, die Erfahrung der Behandlungsteams und die Organisationsstrukturen eines Spitals. Mindestfallzahlen sollten nicht das einzige Kriterium darstellen.

«Die Umsetzung von empirisch ermittelten Schwellenwerten ist nicht in allen Fällen möglich und sinnvoll», so H+ weiter. Denn: «Die Mindestfallzahlen würden nur noch von einer Handvoll Spitälern erreicht und wären mit einer grossen Umwälzung der Patientenströme verbunden.»

(sda / red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. März 2022 19:58
aktualisiert: 11. März 2022 19:58
Anzeige