Digitalisierung

Mehrheit der Schweizer will staatliche Dienstleistungen online beanspruchen

28. Dezember 2020, 06:34 Uhr
Staatliche Dienstleistungen über private Internet-Identität: Nur eine Minderheit hat Bedenken wegen dem Datenschutz. (Symbolbild)
© Keystone
Eine Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz will, dass öffentliche Dienstleistungen verstärkt digitalisiert werden. Dies zeigt eine im Vorfeld der Abstimmung über die E-ID veröffentlichte Umfrage.

In gut zwei Monaten stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Einführung einer staatlich zertifizierten, aber ausschliesslich durch private Firmen ausgegebenen elektronischen Identität ab. Gegen diese E-ID haben Internetaktivisten das Referendum ergriffen. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Beraterfirma Deloitte stösst die Möglichkeit einer offiziellen elektronischen Identifizierung in der Schweizer Bevölkerung jedoch auf grosses Interesse.

Gemäss der repräsentativen Umfrage, für die im Mai 1'500 Personen befragt wurden, ist die grosse Mehrheit der Bevölkerung bereit für eine weitgehende Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen. So wünschen sich 80 Prozent, den Daten- und Informationsverkehr mit den Behörden komplett elektronisch durchzuführen. Konkret möchten 81 Prozent die Autobahnvignette in elektronischer Form beziehen, 80 Prozent Bussen kontaktlos begleichen können und 78 Prozent fänden es gut, wenn in der Schweiz digital per E-Voting abgestimmt werden könnte.

Mehrheit will nicht bezahlen, Minderheit fürchtet um Datenschutz

Etwas zurückhaltender sind Schweizer, wenn es um die Steuererklärung geht: Lediglich 62 Prozent können sich laut Deloitte-Umfrage vorstellen, dass der Staat ihre Daten selbst sammelt und sie Ende Jahr nur noch Korrekturen vornehmen müssten.

Obwohl der Wunsch nach einheitlichen digitalen Dienstleistungen gross ist, bleibt die Zahlungsbereitschaft klein: Die Ablehnung dagegen, für Dienste wie digitale Signaturen, den Online-Bezug von Autobahnvignetten oder elektronische Abstimmungen zu bezahlen, schwanke zwischen 70 und 80 Prozent, heisst es in einer Mitteilung zur Umfrage.

Gegner fürchten Datenmissbrauch durch Konzerne

Bei der Minderheit, die der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen kritisch gegenüber steht, überwiegen laut Studie Befürchtungen wegen mangelnder Datensicherheit. Deloitte sieht darin ein Argument für die vom Bund angestrebte Ausstellung staatlich anerkannter E-Identitäten durch Privatfirmen. Das Gesetz beinhalte nämlich «eine strenge Kontrolle bei der Zertifizierung der Technikanbieter sowie einen erweiterten Datenschutz», wird Reto Savoia zitiert. Wichtig sei nun, dass «Bedenken ernst genommen und Chancen und Risiken offen diskutiert werden», so der Deloitte Schweiz-CEO. Seiner Meinung nach ist die E-ID «ein Schlüsselelement der gesamten Schweizer Wirtschaft.»

Internetaktivisten der Digitalen Gesellschaft haben mit Unterstützung der Parteien SP, Grüne und Piraten das Referendum ergriffen. Unterstützung erhalten sie dabei von der Gewerkschaft VPOD und Organisationen wie Internet Society Switzerland, dem Verein Public Beta, Grundrechte.ch oder Seniorenorganisationen. Sie wehren sich gegen die Einführung einer E-ID in der geplanten Form, weil sie Datenmissbrauch durch Grosskonzerne befürchten. Unterstützt werden sie im Abstimmungskampf nun unter anderem von der Waadtländer Kantonsregierung und Politikern aus dem links-liberalen Spektrum. Die Volksabstimmung findet am 7. März statt. (wap/sat)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 28. Dezember 2020 06:34
aktualisiert: 28. Dezember 2020 06:34