Suchtexperten alarmiert

Minderjährige vor Online-Games mit Suchtpotential zu wenig geschützt

9. März 2022, 10:01 Uhr
Die Pandemie hat die Nutzung digitaler Technologien begünstigt. Dazu gehören etwa auch soziale Medien. «Der Handel im Internet erinnert mitunter an eine Westernwelt, wo alles möglich scheint und wo der Arm des Staates oft nicht hinreicht», heisst es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht.
Online-Games haben Suchtpotenzial: Minderjährige sollen nun besser geschützt werden.
© Getty Images

Gerade für Minderjährige böten sich diverse Möglichkeiten, um im Internet an Produkte mit Suchtpotenzial zu gelangen oder ihnen wird gezielte Werbung angezeigt. Zwar ist das Internet kein rechtsfreier Raum, doch der Vollzug der in der Schweiz geltenden Gesetze harzt.

Müssen über Regeln diskutieren

Durch die Pandemie sei die Nutzung digitaler Technologien gestiegen. Gleichzeitig sei der Markt der legalen und illegalen Produkte mit Suchtpotenzial hart umkämpft. Die Anbieter nutzten den digitalen Raum, um ihre Kundschaft ganz gezielt zu erreichen.

«Wir müssen über Regeln diskutieren und dürfen das Feld nicht einseitig den Anbietern überlassen», heisst es im Bericht Suchtpanorama 2022 weiter. Sucht Schweiz appelliert an alle gesellschaftlichen Akteure, der Werbeoffensive im Internet mehr sachliche Informationen und kritische Fragen entgegenzusetzen.

Digitale Technologien ermöglichten immer neue und potenziell suchtgefährdende Produkte zu entwickeln, wie die Branche der Video- oder Online-Geldspiele verdeutliche. Gemäss Umfragen spielt jede achte Person in der Schweiz mehrmals am Tag Videospiele. Die Grenze zwischen Video- und Geldspielen sei heute fliessend, weil auch Games zum Geldausgeben aufforderten. Um die Risiken zu vermindern, brauche es viel Sensibilisierung und gezielte Regulierung. Dringend gefordert wird deshalb etwa ein verbesserter Spielerschutz. Video- und Geldspiele müssten klar voneinander abgegrenzt werden.

Alkohol und Beruhigungsmittel

Ein grösseres Problem als die Spiel- scheint aber die Alkoholsucht zu sein. So wurde rund die Hälfte aller Menschen, die im Jahr 2020 in professionelle Suchthilfeeinrichtungen eintraten, hauptsächlich wegen Alkoholkonsums behandelt, heisst es im Bericht weiter. Sorgen bereitet Fachleuten, dass mit der Migros ein weiterer grosser Akteur Alkohol verkaufen will. Handlungsbedarf bestehe weiter beim Jugendschutz und der Sensibilisierung für die Risiken.

Stabil bleibt indes die Raucherquote: Die ist im letzten Jahrzehnt nicht mehr gesunken. Die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf den Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten seien unklar. Hingegen scheint sich die Corona-Pandemie auf den Konsum von potenziell abhängig machenden Schlaf- und Beruhigungsmitteln auszuwirken. Als Grund sehen die Fachleute die zunehmende psychische Belastung.

Höherer Kokainkonsum

Gemäss dem Suchtpanorama-Bericht gibt es auch Hinweise, dass mehr Menschen Kokain konsumieren und damit Probleme haben. Der Reinheitsgrad von Kokain in der Schweiz habe sich bei durchschnittlich 80 Prozent eingependelt. Allerdings erhalten die Konsumierenden nun mehr Stoff für ihr Geld: Für das gleiche Geld erhalten sie  50 bis 100 Prozent mehr psychoaktive Substanz als noch vor zehn Jahren. Kokain stelle heute den zweitgrössten Drogenmarkt der Schweiz dar.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. März 2022 05:45
aktualisiert: 9. März 2022 10:01
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