Corona macht politisch

Nachwuchs für die Jungparteien

22. Februar 2021, 16:58 Uhr
Was mit der Klimabewegung anfing, nimmt während der Corona-Krise seinen Lauf. Jugendliche zieht es immer häufiger Richtung Politik. (Symbolbild)
© Keystone
Jugendliche und junge Erwachsene haben mit den vom Bund verhängten Massnahmen zu kämpfen. Um sich auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen, hat es Hunderte in die Reihen der Jungparteien getrieben.

Corona macht die Jugend politisch aktiver. Wie «20 Minuten» berichtet, verzeichnen Jungparteien von links bis rechts seit der Pandemie einen Mitglieder Zuwachs.

«Es treten auch Leute ein, die zuvor wenig Sympathien für die SVP hatten»

Die Junge SVP sei seit Corona deutlich gewachsen, bestätigt Präsident David Trachsel gegenüber «20 Minuten». Die Mitgliederzahlen würden in drei Viertel der Kantone zunehmen, während sie beim Rest konstant blieben. Das starke Wachstum erklärt er sich damit, dass die Junge SVP am entschiedensten das Ende des Lockdowns fordert. Die Jugend werde durch die Massnahmen der Regierung pauschal mitgestraft und ihrer Zukunft beraubt, sagt Trachsel.

Auch Matthias Müller von den Jungfreisinnigen Schweiz spricht von Zukunftsraub: «Die Jugend ist eine der grössten Verliererinnen. Ihre Anliegen werden ignoriert. Deshalb setzen wir uns für Lockerungen und Perspektiven ein. Das wird gesehen und gehört.» Seit Beginn der Pandemie ist seine Partei um 200 Mitglieder auf 4'200 gewachsen.

Linke Parteien bekommen ebenfalls Neuzugänge

Auch die linken Jungparteien konnten Mitglieder gewinnen. Gemäss «20 Minuten» freuen sich die Jungen Grünen seit März 2020 über 671 Neumitglieder und zählen momentan 4'007 Mitglieder.

Um zehn Prozent seien auch die Mitgliederzahlen der Jungsozialisten gewachsen. Sie kämen jetzt auf insgesamt 4'200 Mitglieder. Vor allem Lernende und Fachangestellte Gesundheit seien eingetreten, sagt die Präsidentin der Jungsozialisten Ronja Jansen.

«Politik ist nicht mehr so uncool wie zuvor»

Das sagt Martina Mousson vom Forschungsinstitut gfs.bern gegenüber «20 Minuten». Bereits vor der Pandemie, sogar vor der Klimabewegung, habe eine Politisierung der Jugend eingesetzt. «Mit der Klimabewegung gewann das linke Spektrum, nun könnte während Corona eine Gegenbewegung entstehen: Die SVP äussert sich sehr klar und präsentiert den Jungen auch gleich die Verantwortlichen, die für den aktuellen Frust sorgen». so Mousson.

Einen weiteren Grund nennt Jugendforscher Luca Bertossa: «Die Tatsache, dass die Coronavirus-Krise Freunde, Beruf und Freizeit stark tangiert und zu Einschränkungen oder Lebensplanänderungen mit vielleicht langfristigen Konsequenzen führt, kann als ein weiterer, zentraler Ansporn für den politischen Einstieg einiger angesehen werden.»

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. Februar 2021 16:58
aktualisiert: 22. Februar 2021 16:58