Hochschule Luzern

Neue Studie zeigt: «Viele überschätzen ihr Wissen über die Altersvorsorge»

8. September 2022, 11:36 Uhr
Wie finanziere ich das Leben, wenn ich pensioniert bin? Habe ich genügend Geld auf dem Konto? Das Thema Altersvorsorge ist vor allem für Jüngere noch weit entfernt oder aber sie überschätzen ihr Wissen, zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern. Es sei dringend nötig, das Thema verständlicher zu vermitteln.
Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich zwar Gedanken zur Vorsorge, ziehen aber oft falsche Schlüsse. (Symbolbild)
© Getty Images
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Wie viel Geld hast du bereits für deine Altersvorsorge auf der Seite und reicht das, um so zu leben, wie du es jetzt tust?

Wenn es um die Altersvorsorge geht, sind viele Schweizerinnen und Schweizer pessimistisch, zeigt eine repräsentative Umfrage der Hochschule Luzern, die im Juni mit 1200 Menschen durchgeführt wurde. Drei von fünf Befragte glauben nicht, dass das Geld aus AHV und 2. Säule reicht, um im Alter den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Dabei sind es vor allem Frauen, die in Bezug auf die Altervorsorge schwarz sehen.

Viele wollen eine Auszeit oder Weiterbildung machen

Dies beisse sich mit den Vorstellungen und Träumen vieler Jüngeren. Diese wollen immer flexibler sein, sowohl bei der Arbeit als auch im Privaten. «Sie wollen selbstbestimmter leben, mehr Auszeiten, Elternzeit oder Zeit für Weiterbildungen. Dafür muss aber auch in die Altersvorsorge investiert werden. Sonst gibt es Rentenkürzungen», sagt Yvonne Seiler Zimmermann, Studienleiterin und Dozentin an der Hochschule Luzern.

Viele Befragte sind pessimistisch was die zukünftige wirtschaftliche Lage angeht.

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Was aber tun die Befragten, um diese Zukunftspläne mit der Altersvorsorge zu vereinbaren? «Die Umfrage zeigt, dass über 80 Prozent eine berufliche Auszeit mit einem zusätzlichen Vorsorgekonto finanzieren würden», sagt Seiler Zimmermann. Die Menschen wären also bereit, bei der Altersvorsorge Eigenverantwortung zu übernehmen.

«Das Problem ist die Unkenntnis über die Wissenslücke»

Das Problem sei aber, dass viele Befragte ihr Wissen falsch einschätzen: «Das Hauptproblem ist nicht das fehlende Wissen an und für sich, sondern die Unkenntnis der eigenen Wissenslücken.» Yvonne Seiler Zimmermann nennt ein Beispiel: «Wir haben die Teilnehmenden gefragt, wer in der Schweiz in die 3. Säule einzahlen darf. Nur 35 Prozent haben gewusst, dass eine Person beispielsweise bei einem Erwerbsunterbruch nicht mehr in die Säule 3a einzahlen kann.»

Die Befragten hätten auch die Auswahlmöglichkeit «Ich weiss nicht» gehabt. Diese sei aber nur selten verwendet worden. «Viele Menschen überschätzen ihre Vorsorgekenntnisse, das zeigt die hohe Falschantwort-Quote bei der Umfrage», sagt die Studienautorin. «Es ist tragisch, dass die Menschen aufgrund von Falschwissen dann falsche Entscheidungen treffen.»

Die meisten Befragten haben sich schon Gedanken zum Thema Vorsorge gemacht.

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«Es braucht verständliche Erklärungen»

Das Interesse an einer guten Beratung sei grundsätzlich vorhanden. So wünschen sich 30 Prozent eine gute Beratung zu den möglichen Anlagestrategien. Ein Viertel der Befragten möchte aus einer Auswahl von Alternativen auswählen können.

Wie kann das Thema bei den Menschen somit präsenter gemacht werden? Seiler Zimmermann sieht da einerseits die Medien in der Verantwortung. Diese sollen vermehrt über dieses Thema aufklären, aber auch der Arbeitgeber. «Es braucht von Seiten der Arbeitgeber und der Kassen verständliche Erklärungen.» Dazu gehöre beispielsweise auch, dass die Pensionskasse ihre Ausweise einfach aufbaut. «Dadurch soll das Wissen besser vermittelt werden.»

(abl)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 9. September 2022 08:03
aktualisiert: 9. September 2022 08:03