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Algorithmen

Nidwaldnerin weiss, wie das Internet unseren Alltag steuert

Chantal Herger, 17. März 2021, 10:32 Uhr
Die gebürtige Nidwaldnerin Noemi Festic doktoriert zum Thema Algorithmen an der Universität Zürich. Sie untersucht, wie Internetnutzer ihr (digitales) Leben steuern und wie sie mit Algorithmen umgehen. Sie erklärt, wo uns Algorithmen im Alltag begegnen und wie sie sich auf unser Leben auswirken.
Noemi Festic
© zVg

Was ist das Thema deiner Forschung?
Noemi Festic: Im Rahmen meiner Doktorarbeit an der Universität Zürich beschäftige ich mich damit, wie das Internet in einer digitalen Welt genutzt wird und welche Auswirkungen diese Nutzung auf Individuen und die Gesellschaft hat. Dabei interessiert mich beispielsweise, wie sich digitaler Überkonsum auf das persönliche Wohlbefinden auswirkt oder welche Bedeutung Internetdienste, die auf Algorithmen basieren, für den Alltag in der Schweiz haben.

Was ist ein Algorithmus? Wie funktioniert ein Algorithmus?

Im Grunde sind Algorithmen exakt definierte Vorgehensweisen, um ein Problem zu lösen. Sie haben in ihrer ursprünglichen Bedeutung nichts mit dem Internet zu tun. Man könnte ein Kochrezept als Algorithmus bezeichnen: Auf Basis eines Inputs, also meiner Zutaten wie Mehl, Zucker und Butter, möchte ich zu einem Output, einem Kuchen, gelangen. Das Rezept zeigt mir den Weg dahin und funktioniert im Prinzip wie ein Algorithmus.

Noemi Festic ist in Nidwalden aufgewachsen und hat am Kollegium St. Fidelis in Stans die Matura abgeschlossen. Danach begann sie ihr Studium in Kommunikationswissenschaften an der Universität Zürich. Seit August 2017 ist Noemi Festic wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Medienwandel & Innovation, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) an der Universität Zürich. Diesen Sommer wird sie voraussichtlich ihren Doktortitel erhalten. Sie wohnt in Luzern.

© zVg

Was haben Algorithmen mit der Internetnutzung zu tun?

Algorithmen sind heute integraler Bestandteil weitverbreiteter Internetdienste. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es heute praktisch keine Internetdienste mehr gibt, die nicht in irgendeiner Form auf Algorithmen zurückgreifen. Algorithmen machen verschiedene Funktionen wie Suchen, automatisierte Empfehlungen oder personalisierte Werbung erst möglich. Für alltägliche Internetnutzer*innen werden Algorithmen vor allem dann greifbar, wenn sie erkennen, dass Inhalte in irgendeiner Form personalisiert erscheinen. Das kann unter anderem auf Basis persönlicher Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Standort, oder aber aufgrund von vergangenem Internetnutzungsverhalten geschehen. Der selbe Prozess ist dafür verantwortlich, dass uns beispielsweise auf Instagram Werbung für Produkte angezeigt wird, die wir in der Vergangenheit auf einem Online-Shop angesehen haben.

Welche Auswirkungen haben Algorithmen auf unseren Alltag?

Im Zuge der digitalen Transformation haben Algorithmen beinahe alle Lebensbereiche durchdrungen. Auf Nachrichtenseiten schlagen sie uns interessante Artikel vor, Online-Shops ordnen ihre Suchergebnisse auf Basis verschiedener Daten über uns an und Fitnesstracker berechnen die für uns angebrachte Regenerationszeit nach einer Joggingrunde. Algorithmen steuern unser Leben mit, indem sie beeinflussen, wie wir die Welt sehen.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben?

Da gibt es sehr viele. Man kann den Prozess algorithmischer Selektion beispielsweise anhand einer einfachen Google-Suche erklären: Wenn ich nach einem Begriff suche, dann verwendet Google nicht nur diesen Suchbegriff, sondern auch eine Kombination der über mich verfügbaren Informationen (vergangenes Online-Verhalten, persönliche Merkmale wie Alter oder Geschlecht, usw.) um die Suchergebnisliste zusammenzustellen. Ein komplexes System von Algorithmen wählt auf Basis dieser Informationen aus allen verfügbaren Inhalten die für mich wohl relevantesten Ergebnisse aus und ordnet sie in einer auf mich zugeschnittenen Reihenfolge an.

*Das Interview wurde schriftlich geführt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. März 2021 07:34
aktualisiert: 17. März 2021 10:32