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Jugend fordert Nach-Corona-Strategie

«Nur die Grosskinder der Parlamentarier sind in meinem Alter»

30. April 2021, 06:38 Uhr
Eine breite Allianz der Kinder- und Jugendorganisationen der Schweiz fordert in einem Appell dringend Perspektiven für die junge Generation in und nach der Corona-Pandemie. Kinder und Jugendliche sind demnach erwiesenermassen psychisch stark belastet, haben Zukunftsangst und wurden bisher ungenügend in die Debatte einbezogen.
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Quelle: PilatusToday

Die Zeit sei gekommen, die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ernst zunehmen, ihre Solidarität zu würdigen und ihnen für die Zeit nach der Pandemie echte Perspektiven zu bieten, schreibt die Allianz am Donnerstag in einem Communiqué.

Der jüngste Lockerungsschritt des Bundesrats nimmt nach Darstellung der Allianz kaum Rücksicht auf die Jungen. Im Drei-Phasen-Modell fehlt dieser Aspekt ganz. Die Kinder- und Jugendverbände verlangen deshalb, dass Junge in den Vernehmlassungen angehört und in die Entscheidungen miteinbezogen werden.

Eine Nach-Corona-Strategie soll alle Lebensbereiche wie Schule, Freizeit und Familie sowie alle Generationen umfassen. Sie muss die Folgen der Pandemie von Chancengleichheit, Armut und psychische Gesundheit abfedern.

«Schauen wir uns doch den Altersdurchschnitt im Parlament an»

Kim Rast, Präsidentin der Jungfreisinnigen Luzern, unterstützt das Anliegen. Es sei unverständlich, dass sich junge Menschen am meisten für die Gesundheit der Älteren einschränken mussten, aber beim Thema Impfung hinten anstehen müssen. «Diejenigen, die über die Massnahmen entscheiden, sind nicht in unserem Alter und können nicht mit uns mitfühlen.»

Guido Graf nimmt Polit-Kolleg*innen in die Pflicht

Der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf ist davon überzeugt, nahe genug am Puls der Jugend zu sein. «Vor allem in meinem Bereich, Soziales und Sport, sind wir immer im Austausch mit jungen Leuten. Man kann hier nie genug machen und ich erwarte hier eine Offenheit aus der Politik.»

Für Kim Rast lautet das Zauberwort «Repräsentation». Junge Menschen seien zu wenig in der Politik vertreten, so Rast. «Schauen wir uns das Parlament und den dortigen Altersdurchschnitt an. Deren Grosskinder sind vielleicht in meinem Alter, aber nicht die Töchter und Söhne der Politiker*innen.»

Psychiatrische Angebote rasch ausbauen

Die öffentliche Hand müsse psychosoziale sowie kinder- und jugendpsychiatrische Angebote rasch ausbauen. Strukturen für den Übertritt von der Schule in die Berufsbildung oder in weiterführende Schulen sowie Lösungen für Jugendliche ohne eine solche Anschlusslösung seien zu verstärken.

Die junge Generation hat gemäss dem dringlichen Appell nun ebenfalls Solidarität zugute. Im Hinblick auf ein Covid-19-Zertifikat oder allfälligen Privilegien für Geimpfte dürften junge Menschen nicht diskriminiert werden.

Der Appell entstand auf Initiative des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz (DOJ), der Stiftung Pro Juventute Schweiz, der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV), Unicef Schweiz und Liechtenstein und der IG Sport Schweiz. Angeschlossen sind etwa Pro Familia Schweiz, Kinderschutz Schweiz, Pfadibewegung Schweiz, Jungwacht Blauring und weitere Organisationen.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. April 2021 05:45
aktualisiert: 30. April 2021 06:38