Reduzierter Postversand

Nur noch zweimal pro Woche Post

4. August 2020, 17:10 Uhr
Die Post soll in Zukunft nur noch zweimal pro Woche ausgetragen werden.
© Keystone / Christian Beutler
Es werden immer weniger Briefe verschickt. Darum schlägt die Avenir Suisse jetzt vor, die Grundversorgung zu reduzieren. Gegen einen Aufschlag sollen die Kunden dringendes weiterhin rasch erhalten.

Der Pöstler soll nicht mehr jeden Tag vorbeikommen. Samuel Rutz, Ökonom bei Avenir Suisse fordert in «Le Matin Dimanche», dass die Post nur noch zwei- bis dreimal pro Woche zugestellt wird.

Grund für die Forderung ist die seit Jahren sinkende Briefmenge. 2019 wurden 4,8 Prozent weniger adressierte Briefe aufgegeben als noch im Vorjahr. Der Rückgang ist für die Post ein finanzielles Problem. Der Betriebsertrag sinkt seit Jahren. «Auch deshalb erweitert die Post ihr ergänzendes Geschäft laufend mit neuen und innovativen Angeboten, um die Zustellung besser auszulasten», schrieb die Post im Januar.

Zusatzkosten für Sonderzustellungen

Dringende Zustellungen, die am nächsten Tag beim Empfänger ankommen sollen, kämen beim Vorschlag von Avenir Suisse zu kurz. «Ich könnte mir vorstellen, dass man solche wirklich wichtigen Briefe mit einer Sonderzustellung nach Hause bringen könnte. Dies würde allenfalls etwas mehr kosten», so Samuel Rutz von Avenir Suisse.

Auch technische Lösungen werden in Betracht gezogen. Empfänger könnten über SMS oder Mail darüber informiert werden, ob ein dringender Brief angekommen ist. Ob man diesen direkt abholt oder wartet, könne man dann selber entscheiden.

Von politischer Seite findet der Vorschlag wenig Unterstützung.

© Keystone / Gaetan Bally

Politisch kaum Chancen

Die Post sagt zum Vorschlag: «Das steht aktuell nicht zur Diskussion, die Post hält sich an das Gesetz», so Sprecherin Nathalie Dérobert Fellay. Durch das Postgesetz ist die Post dazu verpflichtet, an mindestens fünf Wochentagen Briefe, Pakete, Zeitungen und Zeitschriften zuzustellen. Jedoch sei die Post jederzeit offen, mit Politik und der Bevölkerung eine breite Debatte über einen modernen Service public zu führen.

Diese Diskussion hat für Politiker der nationalrätlichen Kommission derzeit kaum Chancen. «Wir haben in den letzten Jahren dafür gekämpft, dass der Service public nicht weiter abgebaut wird», sagt etwa Kurt Fluri von der FDP. Die Post habe einen klar definierten Auftrag. Ein solcher Dienstleistungsabbau sei nicht mehrheitsfähig, so Fluri.

Eine Kürzung der Dienstleistungen rund um die Briefpost würde den Rückgang der Briefmenge noch beschleunigen. «Die Abwärtsspirale wäre nicht aufzuhalten», sagt Fluri.

Für Martin Candinas (CVP) ist klar: «Das darf nicht kommen.» Vor allem ländliche Gebiete würde eine Verminderung der Zustellhäufigkeit treffen. «Machen wir uns nichts vor. Solche Massnahmen würden immer dort zuerst eingeführt, wo der Service public am teuersten ist. Für die ländlichen Gebiete wäre dies ein Schlag ins Gesicht», so Candinas.

(mda)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. August 2020 16:27
aktualisiert: 4. August 2020 17:10