Nachtleben

Partygäste pilgern nach Zürich: «Das Bedürfnis nach Feiern ist da»

17. Juli 2020, 13:53 Uhr
In Zürich sind immer noch 300 Personen in Clubs zugelassen. Andere Kantone sind restriktiver. (Symbolbild)
© Keystone
Weil viele Kantone nur noch 100 Leute in Clubs lassen, weichen Partygänger nun nach Zürich aus. Dort fürchtet man sich nicht vor dem drohenden Partytourismus – dafür aber vor illegalen Partys.

Nachtschwärmer haben es derzeit schwer. Vor allem diejenigen aus den Kantonen Tessin, Luzern, Solothurn, Aargau, Wallis, Basel-Land, Basel-Stadt und Zug. Denn dort sind in Clubs und Bars nur noch 100 statt 300 Gäste zugelassen. Diese Restriktionen schränken zwar die Auswahl der Partys ein, doch der Drang zum Feiern bleibt.

So dürfte es die Partygänger jetzt nach Zürich ziehen. Dort sind nach wie vor 300 Leute zugelassen. Der Kanton Zürich setzt stattdessen auf ein intensives Contact-Tracing: In Clubs kommt nur, wer ein personalisiertes Ticket besitzt und seine Kontaktdaten hinterlässt. Und daran wird sich vorläufig auch nichts ändern: «Im Moment müssen wir keine weiteren Massnahmen ergreifen», teilt Regierungssprecher Andreas Melchior auf Anfrage mit.

Die Bar und Club Kommission Zürich unterstützt dieses Vorgehen: «Es geht ja nicht mehr primär darum, Ansteckungen zu verhindern, sondern sie zu identifizieren und Kettenreaktionen zu unterbrechen», sagt Sprecher Alexander Bücheli. «Zu Ansteckungen wird es immer kommen. In Clubs wie auch in Einkaufszentren.» Der Vorteil eines Clubs sei aber, dass das Contact-Tracing dort gewährleistet sei. «Wir müssen schliesslich ein besseres Verständnis davon erhalten, wie Veranstaltung auch mit dem Coronavirus möglich sein können», sagt Bücheli. «Das Nachtleben einzudämmen kann deshalb nicht der richtige Weg sein.»

«Restriktionen der Regierung fördern illegale Partys»

Vor Partytourismus hat Bücheli keine Angst: «Zürich hat schon immer Leute aus anderen Kantonen angezogen.» Und er mahnt auch: «Man soll jetzt nicht überrascht sein, wenn die Leute den Partys nachreisen. Das Bedürfnis nach Feiern ist da.» Darin sieht auch Mr. Nightlife Alex Flach ein Problem: «Mit solchen Restriktionen fördert die Regierung illegale Partys. Das ist viel gefährlicher, weil es dort kein Contact-Tracing gibt.»

Für ihn sind die Massnahmen der Kantone «unverständlich und willkürlich». Vor allem weil sie vorbeugend seien. Seit den Lockerungen habe es bestimmt Tausende von Partys und dabei nur eine Handvoll Ansteckungen gegeben, sagt Flach. «Die Entscheide der Kantone gehen deshalb auf keine nennenswerte Ereignisse zurück. Sondern man handelt in der Angst, dass etwas geschehen könnte.» Dass dadurch das Nachtleben bestraft werde, sei nicht gerechtfertigt.

Flach geht zudem davon aus, dass Partygänger den Restriktionen einfach ausweichen. «Junge Leute sind mobil. Vor allem Gäste aus benachbarten Kantonen werden jetzt vermehrt nach Zürich kommen.» Klar belegen könne man das nicht. Schliesslich würden die Kontaktangaben vertraulich behandelt. Aber: «Ich war vergangenes Wochenende im Ausgang. Und da habe ich viel weniger Stammgäste gesehen als sonst», sagt Flach.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 17. Juli 2020 13:53
aktualisiert: 17. Juli 2020 13:53