Jurafrage

Projurassier feiern das Ja von Moutier zum Kantonswechsel

28. März 2021, 20:53 Uhr
In Moutier wird gefeiert.
© KEYSTONE/Anthony Anex
Moutier BE will eine jurassische Stadt werden. Mit fast 55 Prozent Ja-Stimmen haben sich die Stimmberechtigten unerwartet deutlich für den Kantonswechsel entschieden.

Tausende Projurassier feierten das Ergebnis am frühen Abend auf dem Bahnhofplatz von Moutier. Die Menschen lagen sich in den Armen, Knallpetarden wurden gezündet. Corona-Regeln wie die Maskenpflicht und das Abstandhalten wurden nur von einer Minderheit beachtet, wie Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort feststellten.

Für den Bund ist wie für die Kantone Bern und Jura klar, dass der jahrhundertealte Jurakonflikt nun beigelegt werden kann. Die Lösung der Jurafrage gehe als Beispiel für gelebte Demokratie in die Geschichte des Bundesstaates ein, erklärte Justizministerin Karin Keller-Sutter.

Auch die Berner Regierung betonte, dass die Jurafrage mit der Abstimmung vom Sonntag aus ihrer Sicht abgeschlossen ist. Die jurassische Regierung geht ihrerseits davon aus, dass der Kantonswechsel per 1. Januar 2026 vollzogen werden kann.

Das Ergebnis der historischen Abstimmung wurde punkt 18.00 Uhr verkündet: 2114 Stimmberechtigte hatten Ja zum Kantonswechsel gesagt, 1740 Nein.

Den Ausschlag gaben also 374 Stimmen, fast dreimal mehr als beim ersten Urnengang vom Juni 2017. Dieser war wegen Unregelmässigkeiten für ungültig erklärt worden, weshalb es an diesem Sonntag zur Wiederholung der Abstimmung kam.

Der Bund spielte diesmal eine noch wichtigere Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Urnengangs. Seine Wahlbeobachter stellten keine Unregelmässigkeiten fest.

Ob das Abstimmungsresultat diesmal Bestand haben wird, ist offen. Bis zuletzt gab es eine Polemik um das Stimmregister, nachdem bereits 2017 Vorwürfe zu Abstimmungstourismus laut geworden waren.

Rechtskräftig ist das Ergebnis jedenfalls noch nicht. Sollte es so weit kommen, werden die Kantone Bern und Jura die praktischen Einzelheiten des Kantonswechsels in einem Konkordat aushandeln. Danach sind zuerst die Stimmberechtigten beider Kantone am Zug, abschliessend dann die Bundesversammlung.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. März 2021 19:35
aktualisiert: 28. März 2021 20:53