Psychologie

Psychotherapie wirkt besser, wenn Beziehung zum Therapeuten stimmt

12. August 2020, 10:05 Uhr
[Gestellte Aufnahme] Ein Psychotherapeut, sitzend, therapiert in seiner Praxis eine Klientin, die auf einer Tagesbett liegt. (Archivbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Ob eine psychotherapeutische Behandlung erfolgreich ist, hängt nicht nur von der Krankheit oder des therapeutischen Ansatzes ab, sondern auch von der Beziehung zwischen dem Patienten und Therapeuten. Ist sie vertrauensvoll, fördert das den Therapieerfolg.

Eine Taskforce der American Psychological Association (APA) aus 17 Ländern untersuchte knapp 400 Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Therapiebeziehung und Behandlungserfolg befassen. «Psychische Störungen werden dann besonders erfolgreich behandelt, wenn Therapeuten und Patienten innerhalb einer vertrauensvollen Beziehung zielgerichtet zusammenarbeiten», liess sich Christoph Flückiger, Professor an der UZH und Leiter der Studienauswertungen, in einer Mitteilung der Universität von Mittwoch zitieren.

Frühe Phase der Therapie entscheidend

Wie die Forschenden beobachteten, galt dies unabhängig davon, welche Methoden der Therapeut wählte, in welchem Land die Therapie stattfand oder welche Charakteristika der Patient aufwies. Um den Erfolg einer Behandlung zudem zu steigern, ist es sinnvoll, dass Therapeut und Patient sich gemeinsam überlegen, auf welche Ziele sie wie und in welchem Zeithorizont hinarbeiten wollen.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass gerade die frühe Phase der Therapie entscheidend ist. «In dieser frühen Phase stehen Symptomschwere und Arbeitsallianz in einem positiven wechselseitigen Verhältnis zueinander, was häufig zu einer Aufwärtsspirale führt», sagte Flückiger. Konkret bedeutet das, dass eine vertrauensvolle Beziehung hilft, die Symptome zu reduzieren, was umgekehrt wiederum die therapeutische Beziehung stärkt.

Andere Faktoren schmälern Bedeutung der Beziehung nicht

Wie die UZH ausführte, vermuten viele Wissenschaftler, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut und Patient eine Begleiterscheinung von anderen Faktoren seien. Dazu zählen beispielsweise frühere Behandlungserfahrungen, Symptomstärke, die therapeutische Ausrichtung oder auch die Fortschritte während eines Therapieprozesses. Doch wie die Task Force nun zeigen konnte, schmälern diese Faktoren die Bedeutung der Beziehung für den Therapieerfolg nicht.

In der Schweiz ist gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Laufe eines Jahres bis zu einem Drittel der Bevölkerung von einer psychischen Krankheit betroffen. Damit gehören psychische Krankheiten zu den am meisten verbreiteten Erkrankungen überhaupt. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO zählen psychische Erkrankungen denn auch zu den grössten und am meisten stigmatisierten Herausforderungen moderner Gesellschaften.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. August 2020 10:05
aktualisiert: 12. August 2020 10:05