Zu wenig Chemikalien

Schweizer Luftqualität könnte sich bald verschlechtern

5. Juni 2022, 09:59 Uhr
Der Schweizer Verband für Abfallverwertung warnt vor Zuständen wie in Neapel. Dies ist eine Auswirkung aus dem Krieg in der Ukraine sowie der steigenden Energiepreise.
Durch den Mangel an Chemikalien könnten Kehrichtverbrennungsanlagen bald mehr schlechte Luft ausstossen. (Symbolbild)
© Keystone/GAETAN BALLY

Wegen den hohen Energiepreisen und der Invasion Russlands in der Ukraine mangelt es aktuell an speziellen Chemikalien in der Schweiz. Diese werden für die Reinigung der Luft in Kehrichtverbrennungsanlagen oder Zementwerken verwendet, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Betriebsmittel verteuern sich

«Wir sind sehr besorgt», sagt Robin Quartier, Direktor des Schweizerischen Verbands der Betreiber von Abfallverwertungsanlagen gegenüber der «SonntagsZeitung». Die Betriebsmittel seien extrem teuer geworden. Es könne rasch zu Lieferengpässen kommen, da die Reserven nicht riesig und rasch aufgebraucht seien.

In den Kehrichtverbrennungsanlagen werden etwa Ammoniaklösungen für die Rauchgasreinigung eingesetzt. Dessen Herstellung brauche viel Erdgas. In anderen Ländern wie Italien musste die Produktion teilweise bereits vorübergehend eingestellt werden.

Schlechtere Luft oder mehr Abfall

«Ein Lieferstopp von russischem Erdgas würde die Situation stark verschlimmern. Wir befürchten, dass dann nicht mehr genug Ammoniak produziert wird», sagt Quartier. Wenn die Anlagen ohne Ammoniaklösungen betrieben würden, käme es zu Überschreitungen der Grenzwerte bei den Stickoxid-Emissionen.

Die Umweltbelastung würde also steigen. Alternativ könnte der Betrieb eingestellt werden. «Dann türmen sich aber die Abfallberge, und das Risiko unkontrollierter Abfallbrände steigt», so Quartier.

(lol)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 5. Juni 2022 09:54
aktualisiert: 5. Juni 2022 09:59
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