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1. Mai

SGB am Tag der Arbeit: Zeit für die soziale Wende ist da

1. Mai 2021, 11:53 Uhr
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat am Tag der Arbeit ein düsteres Bild der Arbeitnehmenden gezeichnet. Wegen der Coronavirus-Pandemie seien Ungleichheiten verstärkt worden. Deshalb sei es Zeit für eine soziale Wende.
An einer Kundgebung zum Tag der Arbeit demonstriert ein Mann mit einer farbenprächtigen Corona-Gesichtsmaske der Gewerkschaft Unia im Zentrum von Zürich.
© KEYSTONE/Alexandra Wey

SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard sagte am Samstag in einer online übertragenen Rede zum Tag der Arbeit, die Corona-Pandemie sei eine unglaubliche Krise. Mehr als eine halbe Million Familien sei von der Arbeitslosenversicherung abhängig. Viele Menschen seien in der Kurzarbeit. Doch 20 Prozent weniger Lohn über Monate sei schwierig für viele Familien und stelle diese vor Probleme.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga und ihr SP-Bundesratskollege Alain Berset forderten zum 1. Mai Solidarität. Die Arbeitsbedingungen seien wegen der Pandemie in Berufen mit niedrigen Löhnen schlechter geworden. Alain Berset sagte in seiner Twitter-Ansprache vom Samstag, die Corona-Krise habe eines mit anderen Krisen gemeinsam: «Die Schwächsten leiden am meisten».

Ungleichheiten würden weiter zunehmen, Jobs mit tiefen Löhnen seien besonders gefährdet. Vor allem treffe diese Krise die Frauen, sagte Berset. Deshalb sei jetzt und auch nach der Pandemie Solidarität gefragt.

Sommaruga hatte anlässlich des Tages der Arbeit bereits am Freitag Verkäuferinnen in Lausanne besucht. Bei ihrer Visite im Detailhandel forderte sie Lohngleichheit und Flexibilität, nicht nur von den Arbeitnehmenden sondern auch von den Arbeitgebern.

Tieflöhne betroffen

Laut Unia-Präsidentin Vania Alleva hat sich die Situation in den Tieflohn-Branchen wegen der Corona-Krise verschärft. Flexible Arbeitszeiten, Kleinstpensen und Arbeit auf Abruf würden überhand nehmen, deshalb werde der Kampf für «anständige Löhne und sichere Arbeitsbedingungen wird umso wichtiger», sagte Alleva an der SGB-Veranstaltung.

Die Gewerkschaft Unia forderte in einer Mitteilung «soziale Gerechtigkeit», denn besonders hart sei die Lage für Arbeitnehmende mit einem Einkommen unter 4000 Franken. Der Lohnersatzes solle für Löhne bis 5000 Franken netto auf 100 Prozent aufgestockt werden. Für geschlossene Betriebe soll es einen Mieterlass geben. Zudem forderte die Unia mehr verbindliche Branchen-Gesamtarbeitsverträge.

Anders als vor einem Jahr findet der Tag der Arbeit dieses Mal nicht nur im Internet statt. Schweizweit sind am Samstag rund 40 verschiedene Anlässe geplant. Vor einem Jahr hatte es wegen des Coronavirus erstmals in der Geschichte der organisierten Schweizer Arbeiterschaft und damit seit 130 Jahren zum Tag der Arbeit am 1. Mai keine Kundgebungen gegeben.

https://www.mai2021.ch/de/

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. Mai 2021 12:34
aktualisiert: 1. Mai 2021 11:53