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Passwort123!

Sicherheit im Internet: Geld ist nicht dein einziges Vermögen

Caspar van de Ven, 3. Mai 2021, 06:24 Uhr
Arbeiten, Einkaufen und Einzahlen: Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung auch in der Schweiz stark beschleunigt. Für Hacker ist die Pandemie eine Blütezeit. Wie man sich schützt und was zu beachten ist, die nationale Aktionswoche klärt auf.
Nationale Aktionswoche sensibilisiert für mehr Sicherheit im digitalen Raum.
© www.pixabay.com

Situationen wie diese dürften den meisten bekannt sein:

«Bitte geben Sie nun Ihr Passwort ein. Sie müssen mindestens 8 Zeichen verwenden.» 

Passwort123

«Das Passwort ist nicht sicher. Bitte verwenden Sie Sonderzeichen.»

Passwort123!

«Ihr Passwort wurde erfolgreich gespeichert.»

Ob für E-Mail, Zalando, E-Banking, die eigene Webseite oder was auch immer: Passwörter sind die Hausschlüssel des Internets. Und weil die meisten von uns etliche Ferienhäuser haben, ist der Schlüsselbund gross. Doch gerade jetzt ist es wichtig, dass man seine Türen gut verschliesst. Auch in der Schweiz häufen sich die Meldungen von ungewollten Besuchern.

Starke Zunahme von Cyberangriffen

Die Digitalisierung wurde durch Corona weltweit und somit auch in der Schweiz beschleunigt. Viele arbeiten von zu Hause aus. Immer mehr brauchen das Internet um einzukaufen, nutzen digitale Angebote und bezahlen Rechnungen via E-Banking. Ganz zur Freude von Hackern. Meldungen zu Cybervorfällen haben entsprechend sowohl bei der Polizei als auch bei der Meldestelle des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit (NCSC) zugenommen und sich auf einem hohen Niveau stabilisiert.

Zunahme Anzahl Meldungen Cyberangriffe beim NCSC, 2012-2020.
© NCSC

Nationale Aktionswoche Cybersicherheit

Eine vom 3. bis 7. Mai 2021 dauernde nationale Aktionswoche soll Aufmerksamkeit für das Thema Cybersicherheit schaffen. Die Aktionswoche wird unter anderem von der Schweizerischen Kriminalprävention in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit und der Hochschule Luzern lanciert.

Die Aktionswoche setzt jeden Tag ein anderes Thema in den Fokus, im Zentrum der Kampagne steht die Webseite s-u-p-e-r.ch. Das Programm der nationalen Aktionswoche ist wie folgt aufgeteilt:

  • S wie Sichern – Montag (Sichern Sie Ihre Daten regelmässig)
  • U wie Updaten - Dienstag (Aktualisieren Sie Ihre Programme)
  • P wie Prüfen - Mittwoch (Prüfen Sie Ihre Virenschutzprogramme)
  • E wie Einloggen - Donnerstag (Nutzen Sie nur starke Passwörter)
  • R wie Reduzieren - Freitag (Reduzieren Sie Betrugsrisiken im Netz)

Die nationale Aktionswoche zum Thema «Sicherheit im digitalen Raum» vom 3. bis 7. Mai 2021. 

© Schweizerische Kriminalprävention

Sicheres Verhalten im Internet

Im Schnitt ereignen sich in der Schweiz rund 25‘000 Malware-Angriffe pro Monat. Fast ein Viertel aller Schweizer Internetnutzerinnen und -nutzer wurden bereits Opfer eines Viren- oder Malware-Angriffs und dennoch verzichtet knapp ein Viertel auf einen Virenschutz.

Zahlen die aufhorchen lassen, findet Olivier Hirschi, Dozent und Leiter der Plattform «eBanking – aber sicher!» der Hochschule Luzern. Im Rahmen der Aktionswoche gibt Hirschi am 6. Mai, dem Welt-Passwort-Tag, Auskunft über das Erstellen und Verwalten von sicheren Passwörtern.

Herr Hirschi, ich habe sozusagen ein Standard Passwort, das ich fast überall brauche – teilweise leicht verändert. Mache ich es Angreifern damit sehr einfach?

Ja. Und leider machen es viele so. Es ist eine gefährliche Bequemlichkeit und keine gute Idee. Grundsätzlich sollte man für jeden Dienst ein eigenes Passwort verwenden. Sonst besteht die Gefahr, dass jemand mit dem einen Passwort Zugriff auf alles erhält. 

Ich kann mir niemals alle meine Passwörter merken und sie aufzuschreiben ist ja auch keine gute Idee.

Eine Möglichkeit ist ein sogenannter Passwort-Manager. Das sind Programme für Computer oder Smartphones, mit welchen Passwörter verschlüsselt gespeichert werden können. Man muss sich dann nur noch das eine Passwort des Managers merken, um an alle anderen zu gelangen.  

Und was ist, wenn jemand mein General-Passwort knackt?

Das ist die Krux an der Sache. Knackt jemand dieses Passwort, hat er oder sie Zugriff auf alle anderen. Aber ein gewisses Risiko besteht auch im Sicherheitsbereich immer. Das «Füfi unds Weggli» gibt es leider nicht. Das Passwort für den Tresor sollte also entsprechend stark sein (mind. 12 Zeichen lang, aus Ziffern, Gross- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen bestehend).  

Dutzende Passwörter, spezielle Programm um sie zu verschlüsseln... Brauche ich sowas überhaupt? Ich bin weder reich noch habe ich Geheimnisse, die ich verstecken will. Bei all dem Aufwand frage ich mich, was man mir überhaupt stehlen will. 

Auch diese Frage stellen mir viele. Man sollte nicht vergessen, das Vermögen nicht nur aus materiellen Wertgegenständen oder Geld auf dem Konto besteht. Ein gutes Beispiel sind digitale Fotos. Sei es aus dem Urlaub, von der neugeborenen Tochter oder das letzte Bild mit dem Grossvater. Solche Aufnahmen haben einen immensen Wert und man will sie nicht verlieren. Es gibt Malware-Programme, die den Zugriff auf solche Bilder verhindern. Man wird aufgefordert ein Lösegeld zu zahlen, um wieder Zugriff auf seine Daten zu erhalten. 

Zum Schluss Herr Hirschi, welche drei Tipps für mehr Sicherheit im Internet geben Sie all jenen, die derzeit im Homeoffice arbeiten?

1. Geräte, Software und Applikationen stehts auf dem neusten Stand halten. Mit zeitnahen Updates werden gefährliche Sicherheitslücken geschlossen.

2. Daten müssen gesichert werden. Mit regelmässigen Backups lassen sich Datenverluste verhindern. 

3. Da im Homeoffice oft mehrere Personen Zugriff auf den gleichen Computer haben, gilt die sogenannte clean desk policy: Am Ende des Tages alle Programme schliessen und geschäftliche Dokumente auf dem Schreibtisch wegräumen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. Mai 2021 06:02
aktualisiert: 3. Mai 2021 06:24