Medien unter Druck

«Stellenabbau gefährdet publizistische Leistung» – und sogar die Demokratie

24.11.2023, 06:32 Uhr
· Online seit 24.11.2023, 06:31 Uhr
Bei den Schweizer Medien ist Sparen angesagt. Die beiden privaten Medienunternehmen Tamedia und CH Media streichen Stellen und auch die SRG steht mit der Halbierungsinitiative unter Druck. Ein Medienwissenschaftler beobachtet die Situation besorgt.
Céline Stieger
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Die Schweizer Medien müssen sparen – und zwar massiv. Die Medienhäuser Tamedia und CH Media haben in den letzten Wochen bekannt gegeben, dass sie Stellen streichen werden. Bei beiden heisst es, dass die schwache Umsatzentwicklung der Grund für die Sparmassnahmen sei.

Doch nicht nur die Privaten, auch die Öffentlichen stehen unter Druck. Am Montag hat der Bundesrat die Gegenmassnahme zur Halbierungs-Initiative präsentiert. Neu soll die Serafe-Abgabe bei 300 Franken statt 335 Franken liegen. Der SRG droht damit bis 2027 ein Abbau von rund 900 Stellen.

Was Journalismus leisten soll und kosten darf

«Die publizistische Leistung wird durch den Stellenabbau leiden», sagt Manuel Puppis, Medienwissenschaftler an der Universität Fribourg. Das sei besonders schwerwiegend, weil unsere Demokratie auf eine funktionierende Medienlandschaft angewiesen sei. «Medien sind nicht nur Wirtschaftsunternehmen», so Puppis. «In unserer Gesellschaft haben Medien verschiedene Funktionen so beispielsweise die Informations-, Meinungsbildungs- und Kontrollfunktion.»

Weil die Schweizer Medien mit einem massiven Rückgang der Werbeeinnahmen und einer tiefen Zahlungsbereitschaft im Onlinebereich konfrontiert sind, brauche es andere Finanzierungsquellen – so beispielsweise Medienförderung. Doch «in der Medienförderung erleben wir in der Schweiz immer wieder Rückschläge», sagt Puppis. Das zeigte sich zuletzt mit der Ablehnung des Massnahmenpakets zugunsten der Medien im Jahr 2022.

Zukunft der Medienförderung

«Wir müssen über die Zukunft von Medienförderung diskutieren», so der Medienwissenschaftler. Er fordert eine Medienförderung, die unabhängig von der Gattung funktioniert. Also ganz egal, ob im Print-, Rundfunk- oder Onlinebereich. Zudem brauche es eine Debatte darüber, was der Service Public in unserer Gesellschaft leisten soll. «Zuerst müssen die Leistungen eines Service Public festgelegt werden und erst dann kann über den Preis diskutiert werden.» Die Debatte rund um die TV-Gebühren wird, seiner Meinung nach, zurzeit verkehrt herum geführt.

«Die Gebühren in der Schweiz sind nicht so hoch, wie immer gesagt wird», sagt Puppis. Dadurch, dass die Schweiz ein Land mit hoher Kaufkraft, mit sehr wenigen Einwohnerinnen und Einwohnern und mehreren Landessprachen ist, sei der Betrag im Vergleich zu anderen Ländern nicht besonders hoch.

Klar ist, Medienstrukturen entstehen nicht natürlich, sondern werden durch die Medienpolitik aktiv gestaltet. Die Entscheidung, was Journalismus in unserer Demokratie leisten soll und kosten darf, ist schlussendlich eine politische.

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veröffentlicht: 24. November 2023 06:31
aktualisiert: 24. November 2023 06:32
Quelle: FM1Today

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