Jeder Tag zählt

Taskforce-Epidemiologe Tanner: «Der Impfstoff kommt frühestens nächsten Sommer»

24. Oktober 2020, 07:35 Uhr
Für den Epidemiologen Marcel Tanner (rechts) gilt derzeit im Gegensatz zu alten Zeiten: Abstand halten und keine Hände schütteln. (Archivbild)
© KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes, Marcel Tanner, hat vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz gewarnt. Es zähle nun jeder Tag, sagte er dem «Blick» vom Samstag. Auch in den «Zeitungen der CH-Media» äusserte er sich.

«Wie die Massnahmen greifen, sehen wir ja erst nach zwei Wochen», erklärte Tanner gegenüber dem «Blick» weiter. Die Schweiz müsse die Kontakte rasch beschränken und die Menschen müssten sich weiterhin rigoros an die Grundmassnahmen halten, forderte er. So seien Händewaschen, Abstand halten und das Tragen von Masken eben unerlässlich. «Nach dem Lockdown waren wir damit erfolgreich», betonte er.

Es nütze nichts, neue Richtlinien aufzutürmen, sagte Tanner gegenüber «CH-Media». «Wir haben die drei Vorschriften Hygiene, Distanz und Masken.» Setzten wir noch fünf weitere Massnahmen drauf, «sagen die meisten Menschen, jetzt reicht's». Aber er sagt auch unmissverständlich: «Der Impfstoff kommt frühestens nächsten Sommer – striktere Massnahmen sind nötig.»

Menschenansammlungen meiden

Auch Tanner wolle keinen zweiten Lockdown. «Wir wollen nicht, dass die Menschen sich zurückziehen müssen und vereinsamen. Wir wollen, dass die Wirtschaft weiter funktioniert und die Kinder zur Schule gehen», hob er gegenüber dem «Blick» zudem hervor. Aber dafür müsse die Schweiz nunmehr weitere Taten folgen lassen. So sieht Tanner insbesondere die Durchführung von Grossveranstaltungen kritisch.

«Es liegt uns allen fern, Angst zu verbreiten. Wir sagen, wie die Lage ist und mit welchen Massnahmen wir einen schweizweiten Lockdown verhindern können», führte der 67-Jährige im «Blick» weiter aus.

Den rasanten Anstieg bei den Coronavirus-Fällen in der Schweiz erklärt der Experte damit, dass mit dem kalten Wetter die Verlagerung in die Innenräume gekommen sei. «Und dann sind wir über den Sommer halt nachlässiger geworden mit den Grundmassnahmen», kritisierte er. Dies zeige sich etwa daran, dass es viele Infektionen in Familien und durch private Feste gegeben habe.

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. Oktober 2020 05:55
aktualisiert: 24. Oktober 2020 07:35