Wanderhype hält an

«The Alpinists»: Die Influencer der Alpen

Stefanie Rohner, 16. Juni 2020, 07:47 Uhr
Goldenes Licht, das auf den Berg trifft, oder die mystische, neblige Stimmung in der alpinen Welt: Dank «The Alpinists» können auch solche, die im Tal bleiben, die Schönheit der Berge miterleben.

Massive Bergwände, das sanfte Abendlicht, dass die Landschaft erstrahlen lässt und mittendrin die jungen Fotografen des Kollektivs «The Alpinists»: Begonnen hat alles 2015, als einige der Freunde begonnen haben, in einem Whatsapp-Chat Fotos zu teilen, nachdem sie auf Wanderungen waren.

«Wir alle hatten dieselben Leidenschaften: Fotografie, Berge und das Wandern. Aus dem Gruppenchat entstand der Instagram-Account des Kollektivs. Damit wollten wir junge Menschen inspirieren, in die Natur zu gehen und die schöne Bergwelt der Schweiz zu geniessen», sagt Fabio Zingg, Mitglied des Kollektivs.

«Wanderhype nimmt zu»

Auf Instagram findet die Arbeit der Fotografen Anklang. Auf der offiziellen Page haben sie rund 117'000 Follower, rechnet man die einzelnen Accounts der elf Männer dazu, kommt man fast auf eine Million.

«Das Interesse der Leute ist da, ich habe den Eindruck, dass der Wanderhype immer mehr zunimmt. Gerade nach dem Lockdown merkt man, dass es die Leute nach draussen zieht», sagt der 20-jährige Landschaftsfotograf.

Fabio hat sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht, zwei andere aus dem Kollektiv arbeiten ebenfalls selbstständig, andere sind noch im Studium.

«Sie sehen den Ort durch unsere Augen»

Das Kollektiv nimmt manchmal neue Mitglieder auf, allerdings keine Laien. «Wenn wir jemanden aufnehmen, achten wir darauf, dass derjenige Talent hat und zu uns passt», sagt Fabio.

Man ergänze sich gut. So ist der eine stark im Bereich Video, ein anderer im Design. «Wir wollen alles abdecken, damit wir ein Gesamtpaket bieten können», sagt der Fotograf.

Nicht nur für Instagram muss das Bild perfekt sein, das Kollektiv hat auch Aufträge von grösseren und kleineren Kunden. «Wir brauchen zudem genügend Fotos, damit wir pro Tag ein bis zwei Bilder auf den Account laden können. Derzeit laden wir oft Serien hoch, um das Erlebnis mit mehreren Eindrücken zeigen zu können. Das kommt gut an und die Leute sehen den Ort durch unsere Augen», sagt Zingg.

Social-Media-Projekte für den Traffic

Das Kollektiv habe Visionen und somit eine starke Wirkung gegen aussen. «Macht man etwas mit Passion und pflegt man das Netzwerk, kommen auch die Aufträge», sagt Fabio.

Einer der grössten Kunden ist Volvo Schweiz, aber auch Schweiz Tourismus bucht die Fotografen regelmässig. «Für die Kunden setzen wir oft Social-Media-Projekte und Videos um. Die Fotos landen dann auch auf der Website, auf Social Media und deren Magazin», sagt Fabio.

«Es ist immer ein spezielles Gefühl»

Arbeitet das Kollektiv auf Auftrag, gibt es Deadlines. Das Wetter in den Bergen kann sich aber schnell mal ändern. Das kann die beste Planung durcheinander bringen. «Wir versuchen dann, Alternativen zu finden. Entweder wird die Abgabe verschoben oder wir suchen uns eine Location im Tal. Die Sicherheit geht vor», sagt Fabio.

Trotz Aufträgen, bei denen der Fokus auf dem Produkt liegt, kommt für die leidenschaftlichen Berggänger auch das Abenteuer nicht zu kurz. «Auch wenn wir wegen eines Auftrags in den Bergen übernachten, ist es immer ein spezielles Gefühl. Die meisten von uns gehen sowieso regelmässig raus, um abzuschalten», sagt Fabio.

«Wir können sensibilisieren»

Nebst eindrücklichen Fotos nutzt das Kollektiv den Instagram-Account auch, um auf gewisse Thematiken hinzuweisen. «Wichtig ist, der Natur mit Respekt zu begegnen, das wollen wir weitergeben. Nur weil wir Influencer sind, heisst das nicht, dass wir nur Produkte bewerben müssen. Wir können das nutzen, um in verschiedenen Aspekten zu sensibilisieren», sagt Fabio.

Immer wieder weisen sie darauf hin, dass Abfall in den Bergen liegen bleibt und dass man diesen wieder mit ins Tal nehmen soll. Das Campieren in den Bergen sei viel beliebter als vor ein paar Jahren und man weise die Leute darauf hin, die Regeln zu beachten.

Auf Gletscherschmelze hingewiesen

Nicht nur Littering ist ein Thema, es gab zudem ein Insta-Meet im Rahmen des Projekts «Save our glaciers». Am Morteratschgletscher habe man einen Event organisiert, an dem es um die Gletscherschmelze an eben diesem sowie gesamtschweizerisch ging. Eingeladen waren 20 Influencer und 20 Leute, die eine Teilnahme gewonnen hatten.

«Das kam gut an und wir hatten weitere solche Events geplant, nun mussten wir aufgrund des Coronavirus alles absagen. Im September beginnen wir dann mit dem Projekt, möglichst grün mit Zug, Velo und zu Fuss durch die Schweiz zu reisen und das zu dokumentieren», sagt Fabio.

«Schöner, im Team zu arbeiten»

Aufgrund der Coronakrise hat das Kollektiv Aufträge verloren. Finanziell sei das aber tragbar gewesen, auch für die Selbstständigen. «Wir haben es auch genossen, einen Gang herunterzuschalten. Es war gut, Zeit zu haben, um neue Ideen für das Kollektiv zu finden und darüber nachzudeken, was wir erreichen wollen», sagt der Fotograf.

Eines ist klar: Das Kollektiv wünscht sich in Zukunft einen gemeinsamen Arbeitsplatz, einen Co-Workingspace. «Es ist viel schöner, im Team zu arbeiten, da gerade der Austausch für uns sehr wichtig ist», sagt Fabio. Bis es soweit ist, arbeiten die elf Fotografen von ihren jeweiligen Büros aus. Das Zuhause des Kollektivs aber ist und bleibt der Berg.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. Juni 2020 17:56
aktualisiert: 16. Juni 2020 07:47