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Fussball-EM

Trikothändler im Dauerstress: «Wir haben über 100 Bestellungen pro Tag»

Vanessa Kobelt, 4. Juni 2021, 08:49 Uhr
Je näher die Fussball-Europameisterschaft kommt, desto besser läuft das Geschäft von Alessandro Barnetta. Der Schweizer Trikothändler verschickt Fussballleibchen in die ganze Welt und steht vor einer intensiven Zeit.

Es läuft rund in der Lagerhalle des Trikothändlers «sportglobe gmbh» in Rorschach SG. Am Laufmeter werden Fussballleibchen bedruckt und abgepackt – sehr zur Freude des Geschäftsführers Alessandro Barnetta. «So kurz vor der Europameisterschaft ist hier richtig viel los», sagt der 40-Jährige zufrieden. «Normalerweise haben wir auf natitrikot.ch jeden Tag fünf bis zehn Nati-Trikot-Bestellung. Momentan sind es über 100.» Je näher die EM rückt, desto mehr Leibchen werden ausgeliefert. Er selbst trägt schon jetzt das rote Trikot der Schweizer Nationalmannschaft.

Der Peak steht noch bevor

Die Vorfreude auf die EM mache nur einen Teil der Geschäfte aus – der Peak stehe noch bevor, weiss Barnetta. «Vor Beginn hört man immer einige Leute sagen, sie seien nicht in EM-Stimmung. Das ändert sich schlagartig, wenn die ersten Spiele durch sind. Dann wollen plötzlich viele doch noch ein Trikot und das spüren wir am Umsatz.» Auch die Corona-Pandemie, die dem Trikothandel in letzter Zeit zu schaffen machte, werde daran nichts ändern. «Ausser der EM findet ja sonst nichts statt. Das könnte für uns ein Vorteil sein.»

Der Fussballprofi und der Geschäftsmann

Die Idee, Fussballtrikots zu verkaufen, hatte der studierte Maschineningenieur dank seines berühmten Bruders Tranquillo Barnetta, dem ehemaligen Fussballnationalspieler. «Immer wieder wurden meine Familie und ich gefragt, ob wir ein Trikot von Tranquillo organisieren könnten. Weil dies auch für uns mit Aufwand und Kosten verbunden war, hatte ich den Einfall, einen Shop zu gründen. Natürlich half es, dass der Name Barnetta schon bekannt war.» Nun liegt die Gründung schon acht Jahre zurück und Barnetta gehört landesweit zu den Grössten im Trikotgeschäft. Er bietet neben Trikots auch eine grosse Auswahl von originalen Schriftzügen und Nummern an. Das Business bereitet dem St. Galler immer noch grosse Freude. «Es ist richtig toll, wenn man nach einem Tag Arbeit vor einem Berg von Paketen steht und weiss, dass viele Menschen an den Trikots Freude haben werden.»

Gute Performance zeigt Wirkung

Oft stehe er aber auch vor grossen Herausforderungen – zum Beispiel wenn es darum geht, bei einer Europameisterschaft Trends vorauszusagen. «Wir bestellen die Leibchen zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht einmal klar ist, welche Teams eigentlich qualifiziert sind. Somit müssen wir ein Risiko eingehen.» Die Firma versuche ausserdem abzuwägen, welche Mannschaft oder welcher Spieler gut performen könnte. Dies beeinflusse nämlich das Kaufverhalten. «Bei den Portugal-Trikots brauchen wir zum Beispiel viele mit der Nummer sieben, weil Ronaldo mit dieser Nummer spielt.»

Wird Belgien das neue Island?

Manchmal würden auch die Trikots von Aussenseiter-Teams zum Renner, man erinnere sich an den Island-Hype an der EM 2016. Dieses Jahr könnten laut Barnetta die belgischen Trikots sehr gefragt sein, denn Belgien gehört zu den Top-Favoriten. Am schönsten findet Barnetta aber den schwarzen Dress der deutschen Nationalmannschaft. «Das ist lustig, denn eigentlich bin ich gar kein Fan der Mannschaft. Das neue Auswärtstrikot gehört aber zu meinen absoluten Lieblingen. Es ist wunderschön und stylisch – und kommt dementsprechend auch gut an.»

So sieht das deutsche Auswärtstrikot aus.

© Adidas

«Schaue das Spiel mit der Familie»

Anziehen wird Alessandro Barnetta aber weiterhin nur das rote Nati-Trikot. Auch wenn sein Bruder nicht mehr dabei ist, freut sich der dreifache Vater auf das erste Spiel der Schweiz gegen Wales. «Ich schaue es zu Hause mit meiner Familie. Oder – wenn richtig viel los ist – vielleicht auch hinter der Druckermaschine», sagt der Geschäftsmann und lacht.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Juni 2021 05:42
aktualisiert: 4. Juni 2021 08:49