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Bersets Plan

Umstrittene Impfoffensive – Gesundheitsvorsteherin: «Die Fronten sind gemacht»

3. Oktober 2021, 09:46 Uhr
Keine Gratistests mehr für Ungeimpfte, dafür eine Impfoffensive: Der Bundesrat hat am Freitag seinen Plan für die nächsten Monate vorgestellt. Die Details liegen nun als Massnahmenpaket den Kantonen vor.
Ein nachdenklicher Alain Berset: So will er Impfunwillige überzeugen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/MARCEL BIERI

Ein Blick von «Sonntagsblick» in das BAG-Schreiben, das an die Kantone ging, zeigt detailliert, wie Bersets Impf- und Beratungstruppe ins Land ziehen will. Die «national orchestrierte Impfwoche» soll bereits Anfang November starten, also schon in einem Monat.

Noch über 800'000 Personen müssen geimpft werden

Bei den über 65-Jährigen will der Bundesrat eine Impfquote von 93 Prozent. Dafür müssten «noch 100’000 Personen geimpft werden». Bei den 18- bis 65-Jährigen möchte das BAG eine 80-Prozent-Quote. Rund 775’000 Personen fehlen hier. Derzeit sind knapp 59 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, mehr als 64 Prozent haben eine erste Dosis erhalten.

Bemerkenswert: Die Personalstärke der Beratungstruppe. Rund 1'700 Beraterinnen und Berater ziehen los. Gemeint sind damit aber nicht die «Impffluenzer» aus dem Volk – also jene Bürgerinnen und Bürger, die für einen 50-Franken-Gutschein Freunde und Familie vermitteln sollen (PilatusToday berichtete) – sondern vom Bund angeheuertes Personal. Allein im Kanton Zürich sind es über 300 Berater, im Kanton Bern über 200, im Aargau, der Waadt, in Genf und St. Gallen über 100 Personen.

Ein Berater soll 5'000 Einwohner abdecken, sie informieren, vermitteln und registrieren. Die Truppe rufe an oder gehe sogar persönlich bei den Leuten vorbei, wie im Schreiben steht. Die Kantone müssen die Equipe gleichmässig im ganzen Kantonsgebiet verteilen. 60 Franken pro Stunde hat der Bund pro Berater veranschlagt. Dazu kommen Impfbusse, die je 50’000 Einwohner erreichen sollen: So beispielsweise 30 Busse im Kanton Zürich, 20 in Bern, 13 im Aargau und 10 St.Gallen.

Der Bundesrat schreite nun ein, weil klar geworden sei, dass die Bemühungen der Kantone nicht ausreichen. Die Kantone dürften sich über das Eingreifen des Bundes nicht nur freuen, mutmasst der «Sonntagsblick». Offiziell gäben sich die Kantone zwar diplomatisch. Michael Jordi, Generalsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), sagt: «Wir begrüssen, dass sich der Bundesrat engagiert.» Er bemerkt aber auch: «Die Kantone haben schon viel unternommen.» So ist in Luzern vor Kurzem der erste Impftruck gestartet und ab Montag wird ein Impfschiff in Betrieb genommen.

Noch wollen sich die Kantone nicht zur Impfoffensive des Bundes äussern. Die Vernehmlassung läuft noch bis am kommenden Mittwoch. Wie der «Sonntagsblick» jedoch schreibt, wird hinter vorgehaltener Hand von einer «absurden Verzweiflungsaktion» geredet, der man wenig abgewinnen könne. Kleinere Kantone wie Appenzell Innerrhoden, mit einer Impfquote von weniger als 50 Prozent, sind irritiert. Gesundheitsvorsteherin Monika Rüegg Bless: «Die Fronten sind gemacht. Alle, die sich impfen wollten, sind geimpft. Vielleicht ist es auch das Ende der Fahnenstange.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. Oktober 2021 06:46
aktualisiert: 3. Oktober 2021 09:46