Anzeige
Video aufgetaucht

Verwirrung um möglichen Hackerangriff auf Ruag Space

19. Mai 2021, 22:13 Uhr
Ein Video von Hackern zeigt, dass sie in das Netzwerk von Ruag Space eindringen konnten. Die Ruag bestreitet den Hacker-Angriff, behält sich aber dennoch eine Strafanzeige vor.
Die Ruag Space wurde vermeintliches Opfer eines Hackerangriffs. (Archivbild)
© KEYSTONE/URS FLUEELER

Sie scrollen durch einen Posteingang, öffnen E-Mails und greifen auf Ordner-Verzeichnisse mit den Namen «ExoMars_Rover», «Astranis» oder «Cislunar» zu. Das Video, welches der «Rundschau» zugespielt wurde, wurde zwar an den meisten Stellen unscharf gemacht, so dass keine heiklen Daten sichtbar sind. Trotzdem: Die Brisanz ist gross.

Bereits 2016 wurde die Ruag Opfer eines Cyberangriffs, worauf das Unternehmen in einen nationalen und internationalen Teil aufgesplittet wurde. Auch wenn der Bundesrat sowie die Ruag festhalten, dass die technische Entflechtung inzwischen abgeschlossen sei, stimmt dies gemäss Recherchen der «Rundschau» nicht.

Zu den Vorwürfen des Hackerangriffs sagt Ruag International – zu der Ruag Space gehört: Man habe keine Kenntnisse über einen Angriff. Und das vorliegende Bildmaterial sei kein schlüssiger Beweis. Auch die Ruag MRO Schweiz sagte, sie seien nicht betroffen. Die Verbindungen zwischen Ruag International und Ruag Schweiz seien mehrheitlich gekappt.

Vorwurf: Kein Überblick über Daten

Anders sehen dies die IT-Spezialisten, die in der «Rundschau» vor den Gefahren warnen: «Es gibt Hunderte von unbeaufsichtigten Servern.» Und weiter: «Zudem führen aus dem Ruag-Netz Hunderte unbekannte Verbindungen in fremde Netzwerke.» Der Vorwurf der Spezialisten: Die Ruag habe keinen Überblick über ihre Daten.

Dies bestätigt ein vertraulicher Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle vom Februar 2021, welcher der «Rundschau» vorliegt. Darin wird von fehlender Übersicht der Backups und Archive geschrieben, die ein hohes Risiko darstellen würden.

Einer, der die neusten Berichte besorgt zur Kenntnis nimmt, ist der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli: «Ich bin zutiefst betroffen, wie einfach es offenbar möglich ist, in dieses Netzwerk reinzukommen.» Dies dürfe man sich nicht erlauben. Der Grüne Nationalrat Balthasar Glättli fordert sogar einen PUK, um die Vorwürfe aufzuklären.

(hch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. Mai 2021 22:11
aktualisiert: 19. Mai 2021 22:13