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Geschichte eines Virus

Vor 40 Jahren sprach man zum ersten Mal über Aids

5. Juni 2021, 11:15 Uhr
Der 5. Juni 1981 steht für den Start einer Pandemie, die bis heute weltweit über 32 Millionen Menschenleben gefordert hat. Es war aber auch der Beginn einer Enttabuisierung. Den heutigen Jahrestag nimmt die Aids-Hilfe Schweiz zum Anlass, auf die Fortschritte seit dem Bekanntwerden der Krankheit aufmerksam zu machen.

Sie waren grausam, die Bilder, die in den 80ern um die Welt gingen. Ausgemergelte Menschen, wie Verhungernde, nur noch Haut und Knochen und Augen, die ausdruckslos ins Leere starren. Wartend auf den sicheren Tod. Doch die Menschen starben nicht an Hunger, sondern an einem Virus, das bis Anfang der Achtziger Jahre keinen Namen hatte.

Ein Rätsel für die Medizin

Es war am 5. Juni 1981, als das US-amerikanische Gesundheitsamt CDC in seinem wöchentlichen Bulletin eine ungewöhnliche Beobachtung veröffentlichte: In den letzten neun Monaten war bei fünf jungen, schwulen Männern in Los Angeles eine seltene Form der Lungenentzündung aufgetreten – normalerweise ein Symptom schwerer Immunschwäche. Die Medizin, so schreibt die Aids-Hilfe Schweiz in ihrer Mitteilung, stand vor einem Rätsel: Wie kommen junge, gesunde Männer zu einem derart geschwächten Immunsystem? Die beiden französischen Virologen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier – die später mit dem Nobel-Preis ausgezeichnet wurden – präsentierten 1983 die Lösung: Ein bis dahin unbekanntes Virus verursachte die Immunschwäche. Es wurde HIV genannt, humanes Immunschwäche-Virus. Bis eine wirksame Medikamenten-Kombination gegen HIV gefunden wurde, sollten noch einmal 15 Jahre vergehen.

Künstler*innen setzen Öffentlichkeit unter Druck

Eine frühe Parole gegen das Virus hiess «Schweigen tötet, Silence=Death». Erst waren es nur Minderheiten, die erkrankten und starben. Um die Gleichgültigkeit der schweigenden Mehrheit zu brechen, setzten sich Künstler*innen für Betroffene ein. Das machte Mut und setzte Medizin, Politik und Gesellschaft unter Druck. «Rund um die Welt brachte der Kampf gegen HIV unterschiedlichste Menschen zusammen», schreibt die Aids-Hilfe Schweiz. Die Solidarität sorgte dafür, das Aids-Kranke oder Verstorbene im Gedächtnis blieben und das Bewusstsein für das Virus sowie die Empathie für die Betroffenen wuchs.

Dank Charles Clerc sprach plötzlich die ganze Schweiz über Sex

Die Schweiz sei eine andere gewesen, so die Aids-Hilfe Schweiz, nachdem «Tagesschau»-Sprecher Charles Clerc 1987 den Mut hatte, bei SRF zur besten Sendezeit über den Gebrauch eines Kondoms zu reden: 

Plötzlich wurde in jedem Haushalt diskutiert, worüber man sonst vornehm schwieg: Über Sexualität und Schutzmöglichkeiten. «Von dieser Aufrüttelung profitiert die Schweiz bis heute», so die Aids-Hilfe Schweiz. 

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Juni 2021 11:18
aktualisiert: 5. Juni 2021 11:15