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Weniger Wespen heuer

Warum Wespen als aggressiv gelten und wie wir mit ihnen leben lernen

23. Juli 2021, 14:10 Uhr
Das kühle und feuchte Wetter im Frühling und Sommer hat auch sein Gutes: Dadurch sind weniger Wespen unterwegs. Die Tiere werden vielerorts als aggressiv abgestempelt. Doch es gibt Wege, wie wir gut mit ihnen leben lernen.
Wespen gelten in der Gesellschaft oft als aggressiv.
© Gettyimages

Es ist Sonntagabend, auf dem Grill brutzeln Würste und Gemüespiesse, es ist alles angerichtet für ein gemütliches Znacht auf dem Balkon. Wären da nicht immer diese Wespen. Aggressiv schwirren sie um uns und unser Essen herum. Vorbei ist es mit der Gemütlichkeit. Ab jetzt wird mit Händen gefuchtelt, manchmal auch mit einer alten Zeitung, um die Viecher zu verscheuchen.

Eigentlich. Denn dieses Jahr sind auffällig wenige Wespen unterwegs. «Im Frühling war es relativ lange kalt und nass. Keine idealen Bedingungen für die Wespen. Viele Königinnen sind gestorben», sagt Andrea Oelhafen des Ökoforums Luzern. Und auch wenn die Temperaturen und das Wetter aktuell besser sind: Es wird nun nicht plötzlich doch mehr Wespen geben. Die Königinnen bauen ihr Volk nämlich im Frühling auf.

Wespen sind nicht nur Schönwetter-Flieger

Übrigens: Das Wetter war auch nicht ideal für Bienen, Fliegen und Mücken. Doch besonders die Population der Mücken dürfte schon bald wieder normales Niveau kommen. Das viele Nass und auch das Hochwasser spielt ihnen nämlich zu. In Pfützen und Gewässern können sie ihre Eier legen.

Doch zurück zu den Wespen: Die sind, wohl im Gegensatz zum Glauben in der Bevölkerung, durchaus nützlich. «Sie sind, wie die Bienen, sehr wertvoll für die Bestäubung der Pflanzen. Ausserdem fliegen sie auch bei Regen, was Bienen eher unterlassen. Sie sind zudem natürliche Schädlingsbekämpfer und jagen Mücken und Fliegen.»

Grosse Völker = grosser Hunger

Fuchteln, auch wenn absolut verständlich, ist wenig ratsam im Umgang mit den Tieren. Oelhafen hat schon von diversen Hausmittelchen gehört, die die Wespen fernhalten sollen. Einige schwören auf Räucherstäbchen, andere auf Lavendelsäckchen. «Es ist schwierig, ein Mittel zu nennen, das wirklich hilft. Das Wichtigste ist: Ruhig bleiben.»

Denn nicht alle Wespen sind aggressiv. Kurze Wespenkunde: In der Schweiz verbreitet sind vor allem die Gemeine und die Deutsche Wespe. Und diese Arten erreichen im September ihre Volksstärke. Bei den Gemeinen Wespen kann das Volk bis zu 5'000 Wespen umfassen, bei den Deutschen gar bis zu 8'000. Zum Vergleich: Das Volk der Feldwespe ist gut 20 Tiere gross, jenes der Mittleren Wespe um die 200. Grosse Völker brauchen dementsprechend auch grosse Nahrungsmengen.

Die Gemeine Wespe hat eine typische Zeichnung auf der Stirnplatte, welche sie von der Deutschen Wepse unterscheidet. Charakteristisch ist der breite schwarze Strich, der sich nach unten keulenförmig verdickt. Hier hat die Deutsche Wespe meist drei Punkte, die teilweise zu einem Strich verschmelzen können.
© Gettyimages

Und während die anderen Wespenarten ihre Volksstärke früher erreichen und ihren Futterbedarf somit durch Insekten und Nektar abdecken können, wird das Futter, je länger sich der Sommer hinzieht, knapper. Doch die Tiere brauchen ihr Protein für den Nachwuchs und da kommt eine Bratwurst den Tieren gerade recht. 

Also, was kann man, ausser ruhig bleiben, noch tun gegen aggressive Wespen? Oelhafen rät: «Schon bevor man anfängt zu Grillieren, ein Stück Wurst in eine andere Ecke des Balkons legen. Dann sind die Tiere beschäftigt und interessieren sich nicht mehr für das Essen auf dem Tisch.» Und sollte das auch mit der Gemütlichkeit auf dem Balkon wieder etwas werden.

Gut aufgepasst? Beweise jetzt dein Wissen über Wespen im Quiz:

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. Juli 2021 19:42
aktualisiert: 23. Juli 2021 14:10