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Impfungen

Weniger Impfungen bei Kindern im Corona-Jahr verzeichnet

13. September 2021, 10:13 Uhr
Die Basis-Mehrfach-Impfungen sowie die Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln bei Kindern haben im Jahr 2020 abgenommen. Das geht aus einem Bericht der Krankenversicherung Helsana hervor.
Ein 2-jähriges Mädchen wird gegen Masern geimpft: Die Corona-Pandemie schlug sich auf die Impfrate von Kindern nieder.
© KEYSTONE/AP/RUDI BLAHA

Die verabreichten Basisimpfungen bei Kleinkindern nahmen während der Corona-Pandemie insbesondere während der ersten Welle ab. Eine volle Kompensation des Rückgangs konnte bis Ende Jahr nicht beobachtet werden. Es sei nicht klar, ob diese Impfungen nun komplett wegfielen oder ob sie 2021 nachgeholt würden, schreiben die Autorinnen und Autoren des Helsana-Berichts.

Die Basis-Mehrfach-Impfungen mit mindestens fünf Wirkstoffen wurden über das ganze Jahr 2020 seltener verabreicht. So resultierte ein Rückgang von mehr als sieben Prozent, was einem Minus von 17'000 Impfungen entspricht. Der Anteil der Kinder mit einer solchen Impfung verminderte sich von 76,2 Prozent im Jahr 2019 auf 71,1 Prozent im Jahr 2020.

Tiefe MMR-Impfraten

Besonders die Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung (MMR) wies deutlich tiefere Raten im Vergleich zum Vorjahr auf, sowohl während der ersten Welle (minus 13 Prozent) als auch in den Sommermonaten (minus zwanzig Prozent). Während der zweiten Wette wurde ein Plus von knapp 10 Prozent an «Aufholimpfungen» verzeichnet. Der Anteil der Kinder mit einer MMR-Impfung verminderte sich damit von 52,7 Prozent im Jahr 2019 auf 46,3 Prozent.

«Das Ziel einer ausreichend hohen Durchimpfungsrate zum Beispiel für Masern von 95 Prozent liegt damit noch mehr in weiter Ferne», liess sich Julia Dratva von der Zücher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Bericht zitieren. Der Rückgang der Impfungen sei aus Schweizer Public Health-Sicht problematisch.

Kosten blieben stabil

Die Leistungskosten für Grund-Versicherte veränderten sich während dem Pandemie-Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr kaum, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. Gründe hierfür waren verschobene Eingriffe, eine weniger intensive Behandlung von Jüngeren sowie die Zurückhaltung von Patientinnen und Patienten.

Die auf die Schweizer Bevölkerung hochgerechneten Gesamtkosten der Grundversicherung beliefen sich im Jahr 2020 auf 35,8 Milliarden Franken und damit rund 0,5 Milliarden Franken weniger als Vorjahr. Das entspreche in etwa jenem Anteil der Kosten des Jahres, der durch noch nicht eingereichte Rechnungen zum Zeitpunkt der Analyse fehlte.

Wahleingriffe kompensiert

Bei den Wahlbehandlungen am Beispiel von Knie- und Hüftprothesen sowie Krebsscreenings wurde aufgrund des Behandlungsverbots ein markanter Rückgang während der ersten Welle verzeichnet. Die abgesagten Eingriffe und Untersuchungen seien aber in den darauffolgenden Monaten weitestgehend nachgeholt worden.

Auch seien deutlich weniger Herzinfarkte und kardiale Notfälle in den Spitälern im Jahr 2020 untersucht worden. Es bestehe ein gewisses Risiko für negative Langzeitfolgen, hiess es im Bericht.

Mehr Telefon-Konsultationen

Generell seien in der ambulanten Psychiatrie und Psychologie etwa dieselben Leistungen erbracht worden wie im Vorjahr. Allerdings zeigte sich, dass Konsultationen vor Ort abnahmen, die telefonischen Konsultationen aber einen markanten Zuwachs erfuhren.

Kinder und Jugendliche sowie Personen im unmittelbaren Pensionsalter nahmen häufiger Leistungen in Anspruch. Die strukturellen Defizite im Angebot der Kinder- und Jugendpsychiatrie hätten sich durch die Pandemie-Situation akzentuiert, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Die Ergebnisse basieren auf Daten von rund 1,4 Millionen Grund-Versicherten der Helsana-Gruppe aus den Jahren 2018 bis 2020. Die Zahlen wurden auf die gesamte schweizerische Bevölkerung hochgerechnet.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. September 2021 10:13
aktualisiert: 13. September 2021 10:13