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Prämenstruelles Syndrom

Wenn «die Tage» den Alltag unerträglich machen

Chantal Herger, 15. Mai 2021, 16:45 Uhr
Menstruationsbeschwerden kennt wohl jede Frau. Bei einigen sind die Beschwerden so stark, dass sie sich in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen. Solche Frauen leiden unter dem prämenstruellen Syndrom, kurz PMS. Wir haben bei einer Frauenärztin nachgefragt, was das genau ist und wie man die Symptome lindern kann.
Fünf bis zehn Prozent der Frauen leiden an PMS.
© Getty Images

Bauchschmerzen, Stimmungsschwankungen, Spannungsgefühl in den Brüsten und Kopfschmerzen – mit diesen Beschwerden müssen sich viele Frauen monatlich abfinden, wenn sie ihre Regelblutung haben. Wenn die Menstruationsbeschwerden so ausgeprägt sind, dass sie den Alltag der Frauen einschränken, redet man vom prämenstruellen Syndrom (PMS). Ob die Beschwerden als «normale» Menstruationsbeschwerden oder als PMS wahrgenommen werden, ist dabei sehr individuell.

Fünf bis zehn Prozent der Frauen nehmen diese Symptome als Belastung wahr. «Der Umgang damit ist aber sehr unterschiedlich», weiss Alexandra Kohl Schwartz, die leitende Ärztin des Kinderwunsch- und Hormonzentrums der Frauenklink des Luzerner Kantonsspitals.

Belastend für ihre Patientinnen sind vor allem psychische Symptome, sagt Kohl Schwartz: «Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit oder eine erhöhte Aggressivität – darunter leiden die Frauen sehr.» Und nicht nur sie, die depressiven oder auch aggressiven Stimmungen können sich auch auf das Umfeld auswirken. «Viele berichten davon, dass sie während dieser Zeit nicht mehr sich selbst sind», sagt die Frauenärztin. Deshalb würden viele in solchen Situationen Unterstützung in Form einer Behandlung in Anspruch nehmen.

Mögliche Behandlungsmethoden bei PMS

«Wichtig ist, dass die Frauen sich zuerst selbst wahrnehmen und ihre Zyklen protokollieren,» so Kohl Schwartz. Dann könne man analysieren, in welchen Bereichen man etwas verbessern und optimieren kann. Genügend und regelmässiger Schlaf, reduzierter Stress und gesunde Ernährung sind drei wichtige Aspekte, die die Frauenärztin erwähnt. Dies kann durch Nahrungsergänzung wie beispielsweise Vitamin B6 und Magnesium unterstützt werden.

Der Fokus wird auf die natürliche Behandlung gelegt und erfolgt stufenweise. Zuerst wird der Mineralgehalt auf ein optimales Niveau gehoben. Bei milderen Verläufen setzt die Frauenärztin zudem häufig die Pflanze Mönchspfeffer ein, der eine heilende Wirkung nachgesagt wird. Wenn dies nicht oder zu wenig nützt, kann eine hormonelle Therapie verschrieben werden, die die hormonellen Schwankungen reduziert. Der letzte Schritt wäre dann, künstliche Wechseljahre zu produzieren, damit der Zyklus verschwindet. 

Bewusstsein für PMS gestiegen

Eine erfreuliche Entwicklung ist laut der Frauenärztin, dass das Bewusstsein für das prämenstruelle Syndrom zugenommen hat: «Die Patientinnen sind oft sehr gut informiert und haben klare Vorstellungen von der Behandlung.» Man rede mehr darüber und sei sensibilisierter. Auch nehmen Frauen die unerträglichen Schmerzen nicht mehr einfach so hin, sondern holen sich vermehrt Hilfe bei der Frauenärztin.

Kohl Schwartz räumt im Gespräch auch mit Vorurteilen auf. Der abwertende Satz «Sie hat ihre Tage» werde oftmals verwendet, um die verringerte Leistungsfähigkeit der Frau zu beschreiben. Dies beruhe aber auf keiner wissenschaftlichen Grundlage, so die Frauenärztin. Sie berichtet von einer Studie von Prof. Brigitte Leeners, die mit ihrem Team zwei nachfolgende Zyklen bei Frauen untersucht und festgestellt hat, dass währenddessen keine kognitiven Leistungseinbussen zu verzeichnen sind.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Mai 2021 16:46
aktualisiert: 15. Mai 2021 16:45