Luzern

Weshalb Kunststudenten künftig für Ausbildungskosten belangt werden könnten

04.02.2022, 21:42 Uhr
· Online seit 04.02.2022, 21:22 Uhr
An Universitäten und Hochschulen gibt es immer mehr Studierende. Deshalb geht die Gleichung im Bildungsland Schweiz nicht mehr auf. Bildungsökonomen schlagen nun Veränderungen vor, die auch im Kanton Luzern geprüft werden sollen.
Anzeige

Grundsätzlich ist die Gleichung einfach: Wer ein Studium absolviert, der wird über diese Zeit indirekt von den übrigen Steuerzahlenden unterstützt. Und ein Studium ist nicht günstig: Pro Student und Jahr kann das über 20'000 Franken kosten. Dieses Geld  erhalten Steuerzahlende später aber wieder indirekt zurück. Nämlich wenn Hochschulabsolventen gut verdienen und durch die Steuerprogression dem Staat mehr Geld abgeben.

Weil es jedoch immer mehr Studierende gibt, geht dieses System nicht mehr auf, wie die Ökonomen Stefan C. Wolter und Conny Wunsch in der NZZ vom 24. Dezember 2021 aufzeigen. Durch längere Erwerbsunterbrüche oder Teilzeitpensen können die Ausbildungskosten nicht mehr vollständig zurückbezahlt werden. «Studentinnen und Studenten mit teils reduziertem Erwerbspensum verschärfen damir nicht nur den Fachkräftemangel. Bildungskosten werden von jenen Personen getragen, die nicht in den Genuss eines Hochschulabschlusses gekommen sind.»

Ein Beispiel: Mehr als die Hälfte der Kulturschaffenden in der Schweiz verdienen rund 40'000 Franken im Jahr. Im Gegensatz dazu verdient eine Angestellte im Durchschnitt doppelt so viel. Wer also etwa ein Kunststudium macht, geht ein finanzielles Risiko ein, dass er selber tragen muss, findet Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern und FDP-Kantonsrat.

Lösungsvorschlag

Die Experten schlagen in der NZZ vor, nachgelagerte Studiengebühren einzuführen, die nur dann zum Tragen kommen, wenn man nicht schon alleine durch sein hohes Erwerbseinkommen die Rückzahlung garantiert. Diese werden in einem Zeitraum von beispielsweise 20 Jahren, in Tranchen zurückbezahlt. Gaudenz Zemp findet diese Gedanken prüfenswert:

Somit soll ein Entscheid über einen Studiengang mit einem höheren Bewusstsein gefällt werden. Ob das gewählte Studium zum Beispiel im Arbeitsmarkt überhaupt nachgefragt werde.

Laut Gaudenz Zemp werde zu oft nur über weiterführende Studiengänge gesprochen, statt über die späteren konkreten Berufe in der Wirtschaft.

Steuergelder entgehen dem Kanton auch, wenn etwa eine Akademikerin einen Job mit gutem Lohn hat, aber nur Teilzeit arbeitet. Bildungsökonome Wolter hat berechnet, dass bereits ein Pensum von unter 70 Prozent reicht, um ein durchschnittliches Studium nicht mehr zurückzahlen zu können.

Warum die Umsetzung so einer Rückzahlung aber wohl eher schwierig ist, siehst du im Video oben.

veröffentlicht: 4. Februar 2022 21:22
aktualisiert: 4. Februar 2022 21:42
Quelle: PilatusToday

Anzeige
Anzeige
redaktion@pilatustoday.ch