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Experten erklären

Wie gefährlich sind Kickboards für Kinder?

16. Juni 2021, 17:15 Uhr
In der Zentralschweiz haben sich innerhalb von zwei Tagen gleich zwei schwere Kickboard-Unfälle mit Kindern ereignet. Wir haben mit Experten über die Gefahren des oft unterschätzten Gefährts gesprochen – auch auf dem Schulweg.
Kickboards sind auf dem Schulweg nicht für alle Kinder geeignet.
© Getty

In Emmenbrücke ist am Montag ein 7-jähriges Mädchen mit dem Kickboard in einen Bus gefahren. Am Dienstag wurde in Rothenthurm eine ebenfalls 7-Jährige von einem Lieferwagen erfasst, als sie mit dem Kickboard über den Zebrastreifen fahren wollte. Die beiden Kinder wurden schwer verletzt und mussten ins Spital gebracht werden.

«Solche Unfälle passieren leider immer wieder», sagt Ruth Beer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU. Dies zeigt auch ein Blick in die Unfallstatistik. Gemäss dieser verunfallen im Schnitt jedes Jahr 70 Kinder mit einem Kickboard oder Trottinett im Strassenverkehr. Die meisten Unfälle enden glücklicherweise glimpflich. Dennoch gibt es auch immer wieder Schwerverletzte (siehe Box).

Gründe sind vielfältig

«Kickboards sind ein Dauerbrenner und sehr beliebt bei den Kindern», sagt Pascal Regli, der beim Fachverband Fussverkehr Schweiz für das Ressort Schulweg zuständig ist. «Das Kickboard macht Spass und die Kinder wollen die Geschwindigkeit erleben.»

Doch genau das sei eine Gefahr. Je schneller die Kinder mit dem Kickboard unterwegs sind, desto kürzer sei die Reaktionszeit. Zudem müssten Kinder mit Bremsen, Lenken und Gleichgewicht halten mehrere Tätigkeiten gleichzeitig beherrschen.

Hinzu komme, dass Kinder Gefahren oft nicht richtig wahrnehmen, ergänzt Ruth Beer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung. «Das Kind ist auf dem Kickboard meistens voll im Flow und vergisst, dass es neben oder auf einer Strasse fährt.» Aber auch von den Autofahrern gehe eine Gefahr aus. Sie könnten die Kinder auf dem Kickboard übersehen.

Beliebtes Gefährt für den Schulweg

Die beiden eingangs erwähnten Unfälle in Emmenbrücke und Rothenthurm haben sich am Abend nach 18 Uhr ereignet, also nicht auf dem Schulweg. Dennoch fällt auf, dass es immer wieder Kinder gibt, die den Schulweg mit dem Kickboard absolvieren. Dies ist nicht in jedem Fall sinnvoll, sagen die Experten.

«Fachleute empfehlen, Kickboards nicht vor der 4. Klasse zu benutzen», sagt Schulweg-Experte Pascal Regli. Weil nicht alle Kinder gleich begabt sind im Umgang mit Kickboards, verzichtet die BFU auf eine Altersempfehlung. Viel wichtiger ist laut Ruth Beer, dass die Eltern das Können ihrer Kinder richtig einschätzen. Denn der Schulweg liegt in der Verantwortung der Eltern und nicht der Schule.

Das sichere Fahren soll gelernt sein

Damit Kinder möglichst sicher auf dem Kickboard unterwegs sind, brauchen sie Übung. «Der Schulweg und das Trottoir sind nicht die optimalsten Orte, um das Kickboardfahren zu lernen», stellt Pascal Regli von Fussverkehr Schweiz klar.

Besser sei es, wenn sie rund ums Haus in einer verkehrsfreien Zone die ersten «Gehversuche» machen. «Als nächstes können Kinder dann ihre Eltern mit dem Kickboard auf dem Weg zum Einkaufen begleiten.»

Ebenfalls wichtig ist die richtige Ausrüstung. Dazu gehören laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung unter anderem ein Helm und Schoner. Eine Helmpflicht fürs Kickboard würde laut den beiden Experten aber übers Ziel hinausschiessen. Auch wäre es in der Schweiz kaum mehrheitsfähig.

Bei allen Gefahren: Das Kickboard hat nicht nur Nachteile. Wer mit dem Kickboard unterwegs ist spart nicht nur Zeit, sondern fördert auch die Koordination und das Gleichgewichtsgefühl. Und dies sei wichtig für die Kinder, so die Experten.

(scd)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. Juni 2021 18:28
aktualisiert: 16. Juni 2021 17:15