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Uni Zürich

Wissenschaftler zweifelt an Wirksamkeit von Echinaforce

15. September 2020, 08:04 Uhr
Die Forschungsergebnisse aus Spiez sorgten gestern für Euphorie: Gibt es ein Schweizer Wundermittel gegen Corona? Nun äussert ein Forscher der Uni Zürich jedoch Kritik an den Ergebnissen der Studie. Es brauche erst klinische Tests, um die Wirksamkeit der Echinacea zu beweisen.
Laut dem Forscher ist die Wirksamkeit des roten Sonnenhuts zweifelhaft.
© pixabay

Praktisch als Wundermittel im Kampf gegen Corona wurde das Naturheilmittel Echinaforce gestern gefeiert. Grund: Ein renommiertes Labor in Spiez hat die Wirksamkeit von Echinacea bei Coronaviren festgestellt. Bei Versuchen im Reagenzglas tötete der Wirkstoff der Pflanze die Viren ab. In der Folge war der Run auf Echinaforce in der Apotheke gestern riesig. Doch hilft das Mittel wirklich gegen Corona?

Der Tagesanzeiger hat mit Huldrych Günthard vom Unispital Zürich gesprochen. Er und seine Frau gehörten zu den Ersten, die den Kampf gegen das damals neue Coronavirus aufnahmen. Günthard relativiert die Forschungsergebnisse aus Spiez. So seien schon viele andere wirksame Substanzen im Labor getestet worden, die sich klinisch dann aber nicht als wirksam erwiesen hätten.

Wirkt es im Rachen gleich wie im Reagenzglas?

So etwa das Anti-HIV-Medikament Kaletra, das aus einer Kombination von Lopinavir und Ritonavir besteht. Dieses Präparat hatte aber nur im Reagenzglas eine antivirale Wirkung gegen Sars-CoV-2 gezeigt. «Deshalb bedeutet auch diese aktuelle Studie erst mal gar nichts. Denn wir wissen derzeit nicht, ob es auf der Schleimhaut der Nase und des Rachens genauso gut wirkt wie in der Zellkultur. Deshalb braucht es unbedingt zuerst klinische Studien am Menschen mit genügend Leuten, um von einem Durchbruch sprechen zu können», so Günthard zum Tagesanzeiger.

Auch bemängelt er, dass Echinacea nicht mit anderen, im Reagenzglas bereits antiviral wirksamen Substanzen  verglichen wurden. «Das finde ich sehr schade. Denn ähnlich wie das bereits erwähnte HIV-Mittel Kaletra hat auch das Malariamedikament Hydroxychloroquin im Labor gute Ergebnisse gezeigt, ist aber mittlerweile aufgrund fehlender Wirksamkeit im Menschen für die Therapie wieder aus dem Rennen.» Auch wäre es laut Günthard sinnvoll gewesen, Echinaforce beispielsweise mit dem klinisch bei kranken Corona-Patienten eingesetzten Remdesivir zu vergleichen. «Das hätte ich jetzt gerne gesehen.»

Günthard sieht in den Forschungsergebnissen aus Spiez denn au keine Sensation: «Denn es brauchte noch weitere Studien im Labor und später dann am Menschen. Das wäre das normale Vorgehen.»

(red)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. September 2020 08:04
aktualisiert: 15. September 2020 08:04