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Kleine Gefahr

Zeckenzeit: Das musst du über die fiesen Blutsauger wissen

31. März 2021, 06:33 Uhr
Das Wetter ist mild, die Leute gehen wieder nach draussen und die Zecken beissen zu. Die Blutsauger sind schon seit Februar wieder aktiv. Hier die wichtigsten Informationen zur Zeckenzeit.
Die Zecken beissen wieder zu.
© zVg

Wann ist der Saisonstart der Zecke?

Gewöhnlich halten Zecken von November bis Ende Februar Winterruhe. Allerdings beobachten Experten seit geraumer Zeit, dass sie wegen des Klimawandels und milder Winter ihre Aktivitäten ausweiten. Grundsätzlich lieben die Blutsauger ein feuchtwarmes Milieu. Fällt das Frühjahr zu trocken aus, stört dies die Entwicklung der Tiere. Dieses Jahr war der Saisonstart der Zecken bereits Mitte Februar, wie Werner Tischhauser, Zeckenforscher bei der ZHAW und Vizepräsident der Liga für Zeckenkranke Schweiz, weiss. Die häufigste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock.

Werner Tischhauser, Zeckenexperte ZHAW und Entwickler der Präventions-App «Zecke»; Vizepräsident der Liga für Zeckenkranke Schweiz.

© zVg

Was bringen Zecken eigentlich?

«Aus der Perspektive der Menschen, hat man immer das Gefühl, dass die Tiere einen Sinn oder Nutzen haben müssen», so Tischhauser. Im Fall der Zecken also, dass sie eine Nahrungsquelle für andere Tiere sind. Das ist aber nicht so. Zecken seien aus menschlicher Sicht Parasiten, die Krankheiten übertragen. «Deshalb sind sie für uns einfach lästig und gesundheitsschädlich bis bösartig. Es gibt keinen Teil an der Zecke, den man schönreden kann.»

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

Zecken können unter anderem den Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Letztes Jahr gab es gemäss Tischhauser in der Schweiz 457 Krankheitsfälle.

Am häufigsten durch Zecken übertragen wird jedoch die von Bakterien verursachte sogenannte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Letztes Jahr wurden in der Schweiz 15'500 akute Fälle von Borreliose diagnostiziert. Treten binnen vier Wochen nach einem Zeckenbiss grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder Rötungen auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Gibt es eine Schutzimpfung?

Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung. Idealer Zeitpunkt für die Impfung ist gemäss BAG der Winter, doch kann das ganze Jahr über geimpft werden. Ein zeitlich begrenzter Schutz besteht schon nach zwei Injektionen. Diese ersten beiden Impfungen werden in der Regel im Abstand von einem Monat verabreicht. Die dritte Impfung, die einen Langzeitschutz von mindestens 10 Jahren gewährt, erfolgt je nach Impfstoff 5 bis 12 Monate nach der zweiten Dosis.

Kann ich mich gleichzeitig gegen Corona und Zecken impfen lassen?

Claudia Meier-Uffer, Präsidentin Apothekerverband St.Gallen-Appenzell und Geschäftsführerin der Apotheke in Gossau sagt: «Ein gesunder Mensch kann beide Impfungen parallel machen.» Sie empfiehlt, dass sich junge Menschen jetzt gegen Zecken impfen lassen, da sie derzeit noch auf die Corona-Impfung warten müssen.

Letztes Jahr wurde ein Rekordjahr an FSME-Erkrankungen (457) erreicht. Ist es möglich, dass es dieses Jahr wieder ein Rekordjahr gibt?

«Es muss nicht sein, dass es wieder ein Rekordjahr gibt», so Tischhauser. Weil wegen Corona mehr Leute Ferien in der Schweiz machen, finden häufiger Zeckenkontakte statt. Ausserdem geht Tischhauser stark davon aus, dass sich viele Menschen in Naherholungsgebieten aufhalten werden. «Das hat alles einen Einfluss.»

Wie schütze ich mich vor Zeckenbissen?

«Man darf sich nicht erwischen lassen», sagt Tischhauser. Wenn möglich sollen Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Wald, auf Feld und Wiese lange Hosen tragen, die Hosen sogar in die Socken stopfen, Zeckenspray benutzen, «ganz wichtig ist, dass man sich am Abend nach einer Unternehmung am ganzen Körper kontrolliert.» Auch die Zeckenimpfung beugt vor Krankheiten vor.

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Quelle: zVg

Gegen Borreliose kann man sich nicht impfen. «Deshalb ist es wichtig, dass man die Zecke sofort aus der Haut zieht, wenn man eine entdeckt. So wird die Zufuhr vom Erreger in den Körper unterbrochen.» Dabei sei es egal, ob der Kopf der Zecke in der Haut stecken bleibt. «Das kann man auch noch behandeln, wenn man zu Hause ist oder zum Arzt geht.» Wichtig sei: Keine Zeit zu verlieren.

Ist die Zentralschweiz ein Zecken-Hotspot?

Die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin gilt als FSME-Risikogebiet. Rund 0,5 bis 5 Prozent der Zecken in Naturherden tragen das FSME-Virus in sich. Bei der Mehrheit der von einer FSME-infizierten Zecke gestochenen Personen verläuft die Infektion unbemerkt, nur eine Minderheit erkrankt.

(sda/red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. März 2021 19:59
aktualisiert: 31. März 2021 06:33