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Pharma

Zur Rose setzt auf Wachstum und nimmt dafür weiter Verluste in Kauf

18. August 2021, 11:02 Uhr
Zur Rose bereitet sich auf die obligatorische Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland ab 2022 vor. Wie angekündigt hat die Versandapotheke dazu im ersten Halbjahr 2021 noch einmal kräftig investiert - und nimmt dafür weiter deutliche Verlust in Kauf.
Zur Rose bereitet sich auf obligatorische Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland vor (Archivbild)
© KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

So ist Zur Rose von Januar bis Juni mit einem Umsatzplus von 23 Prozent auf 998 Millionen Franken zwar deutlich gewachsen. Das Betriebsergebnis (EBITDA) lag aber mit 50 Millionen im Minus und unter dem Strich resultierte gar ein Verlust von 77 Millionen, wie Zur Rose am Mittwoch mitteilte.

Dass die Verluste damit noch höher als von Experten erwartet ausfielen, erscheint angesichts der von Management zuletzt immer wieder betonten Wachstumsopportunitäten aber sekundär. Bis in drei bis fünf Jahren möchte die Gruppe nämlich einen Umsatz von 4 Milliarden Franken erreichen - gegenüber den 1,5 Milliarden im Jahr 2020 wäre das mehr als eine Verdoppelung. Dafür dürfte die Gewinnschwelle nicht allzu schnell erreicht werden.

20 Millionen für Werbung

Haupttreiber des Wachstums soll die flächendeckende Einführung des E-Rezepts in Deutschland sein. Um davon maximal zu profitieren, startete die Gruppe unter der Dachmarke ‹DocMorris› im Februar 2021 in Deutschland eine umfangreiche Werbekampagne und gab dafür bereits 20 Millionen Franken aus.

Seit Juli läuft zudem in der Region Berlin-Brandenburg eine dreimonatige Testphase zum E-Rezept, an der auch DocMorris beteiligt ist. Ausgewählte Ärzte und Apotheken proben dabei mit Patienten den Umgang mit dem E-Rezepts. Ab Oktober soll die deutschlandweite Testphase beginnen, bevor es ab Anfang 2022 verpflichtend wird.

Neues App zum E-Rezept-Start

Gleichzeitig zur Testphase brachte DocMorris eine App auf den Markt, die es Patienten erlaubt, Arztrezepte digital einzulesen und an DocMorris zu übertragen. Zur Rose geht davon aus, dass 90 Prozent der Patienten in Deutschland ihr E-Rezept zunächst als Ausdruck erhalten und genau hier soll die DocMorris-App mittels Scan-Funktion beim Einlesen Abhilfe leisten.

Zudem könnten via App rezeptfreien Medikamente und Gesundheitsprodukte bestellt oder eine Video-Sprechstunde beim Arzt besucht werden. Zur Rose sieht sich im Hinblick auf die Einführung des E-Rezepts denn auch in der Pole-Position. Mit DocMorris als bekannte Marke sei man bei 10,3 Millionen aktiven Kunden auf dem deutschen Markt «hervorragend» aufgestellt, heisst es.

Nicht zuletzt will sich Zur Rose dabei Schritt für Schritt von einer Online-Apotheke zum umfassenden digitalen europäischen Health-Dienstleister wandeln. Das Versprechen lautet: «Gesundheit mit einem Klick an einem Ort», sprich: der Patient erledigt dann vom Arztbesuch bis zur Bestellung des Medikaments alles online.

An der Börse abgestraft

An der Börse fällt die Reaktion auf die Zahlen aber klar negativ aus. Bis um 10.00 Uhr notieren die Titel 7,1 Prozent im Minus auf 340,50 Franken. Analysten sprechen von verfehlten Erwartungen bei den Ergebnissen und erwarten weiterhin einen volatilen Kursverlauf.

Gleichzeitig werden die hohen Investition ins Marketing aber als nötig erachtet und Zur Rose wird gerade im Hinblick auf das E-Rezept in Deutschland die beste Ausgangslage zugesprochen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. August 2021 11:02
aktualisiert: 18. August 2021 11:02