«Heute historisch»

Als ein Schweizer den FC Barcelona gründete

Sven Brun, 29. November 2020, 21:52 Uhr
Hans «Joan» Gamper – ein Schweizer Pionier, welcher am 29.11.1899 den grossen FC Barcelona gründete. Die Liebe für «seinen» Club war so gross, dass er sich folglich sogar das Leben nahm.

26 Mal spanischer Meister, 30 Mal Cupsieger und 5 Mal Landesmeister (heute Champions League). Der FC Barcelona ist zweifelsfrei einer der grössten Fussballvereine auf dieser Erdkugel. Spieler wie Lionel Messi, Johan Cruyff oder Ronaldinho spielten schon für die «Blaugrana». Was viele aber nicht wissen: Gegründet wurde der katalanische Verein von einem Schweizer.

Winterthur

Hans Gamper kam am 22. November 1877 in Winterthur zur Welt. Er war ein sehr sportbegeisterter Junge, gewann Leichtathletik-Rennen und spielte neben Fussball auch Rugby, Tennis und Golf.

1894 trat er dem FC Excelsior Zürich bei. Zwei Jahre später gründete er den FC Zürich und wurde erster Captain der Vereinsgeschichte. Für den Zürcher Stadtclub spielte Gamper bis 1897. Seine nächste Station war der Rugbyverein FC Lyon in Frankreich.

Katalonien

1897 zog Gamper zu seinem Onkel in die katalanische Hauptstadt. Er lernte schnell Spanisch und Katalanisch und nannte sich neu Joan. In Barcelona wirkte er zuerst als tüchtiger Geschäftsmann, wirtschaftete mit Zucker und Kaffee und arbeitete als Sportkolumnist. Ausserdem gründete er die Zeitung «Los Deportes» mit.

FC Barcelona

Etwa ein Jahr nach seiner Ankunft in Spanien hatte er die Idee, einen Fussballverein zu gründen. In seiner Zeitung «Los Deportes» schaltete er ein Inserat auf und suchte nach weiteren Interessenten. Bis anhin durften in keinem katalanischen Verein Ausländer mitspielen. Dies sollte sich nun ändern.

So wurde der FC Barcelona 1899 von Gamper und 35 weiteren Mitgliedern gegründet. Joan Gamper wurde erster Captain des FC Barcelona und schoss in seinen vier Jahren als Spieler 120 Tore in 51 Spielen.

Präsidentschaft

Dass seine Zeit bei «Barca» bereits nach vier Jahren vorbei war, liegt an der spanischen Verfassung. Diese gewährt nämlich nur noch Katholiken das Fussballspielen in einem spanischen Verein.

1908, nach der Heirat mit einer streng katholischen Schweizerin, kehrte er als Präsident zum FC Barcelona zurück. In seinen fünf Amtszeiten als Präsident konnte er mehrfach das finanzielle Aus des Clubs verhindern. Ausserdem war Gamper der Initiant für das erste eigene Stadion.

Tod

Gamper galt als grosser Unterstützer des «Katalanismus». Jedoch brachte ihm dies immer wieder Probleme mit der Regierung ein. Als 1925, während der letzten Amtszeit von Gamper, 14'000 Barcelona-Zuschauer die spanische Nationalhymne ausbuhten, wurde Gamper gezwungen, das Amt abzugeben und für drei Monate das Land zu verlassen. Ihm wurde jeglicher Kontakt zum FC Barcelona verboten.

Joan Gamper sah sein Lebenswerk als zerstört an. Er kämpfte in Folge mit starken Depressionen. Als er dann 1929 noch sein komplettes Vermögen aufgrund der Wirtschaftskrise verlor, wollte er nicht mehr weiterleben. Am 20. Juli 1930 erschoss er sich in seinem Haus in Barcelona.

Vermächtnis

Bei seiner Beerdigung gab es einen regelrechten Menschenauflauf. Tausende kamen und nahmen Abschied auf dem Friedhof «Cementiri de Montjuïc» in Barcelona.

Gamper gilt noch heute als die Gründer-Ikone beim FC Barcelona. Jährlich wird in Barcelona zu seinen Ehren um die «Joan-Gamper-Trophäe» gespielt. Ausserdem ist der Trainingsplatz der Junioren des FC Barcelona nach Joan Gamper benannt (Ciutat Esportiva Joan Gamper).

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. November 2020 06:52
aktualisiert: 29. November 2020 21:52