Andy Schmid

Der Luzerner Handball-Superstar ist zurück

Philipp Breit, 21. Juli 2022, 20:20 Uhr
Der beste Schweizer Handballer der Geschichte ist zurück: Andy Schmid ist mit dem HC Kriens-Luzern in die Saisonvorbereitung gestartet. Mit bald 39 Jahren will der Luzerner einen Kreis schliessen, gibt aber zu – emotional abgeschlossen hat er mit seinem Ex-Club noch nicht.
Andy Schmid im ersten Mannschaftstraining mit dem HC Kriens Luzern.
© KEYSTONE/Urs Flueeler

Zwölf Jahre lang waren die Rhein-Neckar Löwen die sportliche Heimat von Andy Schmid. In der deutschen Bundesliga wurde Schmid zu einem der weltbesten Handballer. Mehrfach ausgezeichnet als MVP, Europapokalsieger und zweifacher Deutscher Meister mit den Löwen. Sein Palmarès ist eindrücklich. Der Luzerner hätte seine Karriere durchwegs beenden können, wollte er aber nicht. «Manchmal frage ich mich aber schon auch, warum ich noch Handball spiele. Gerade in der Vorbereitung», sagt Andy Schmid nach dem Training in der Krienser Chrauerhalle lachend. «Das Spiel macht mir aber nach wie vor grossen Spass. Zudem fühle ich mich fit und gesund, auch wenn ich sicherlich nicht mehr so gut bin wie vor fünf Jahren.»

Ein Andy Schmid in der Blütezeit seiner Karriere wäre wohl auch kaum in die Zentralschweiz zum HCK gekommen. Das hat nichts mit den Krienser zu tun. Andy Schmid spielt schlichtweg auf einem international dermassen guten Niveau, dass er sich seine Clubs wohl hätte aussuchen können. Doch er blieb in Deutschland bei «seinen» Rhein-Neckar Löwen. Und auch wenn er nun Blauweiss trägt, ganz abgeschlossen hat er das Löwen-Kapitel noch nicht. «Emotional bin ich ehrlichweise noch nicht ganz durch», so Schmid. «Wenn ich Bilder aus der Vorbereitung der Löwen sehe, dann zieht es schon irgendwie in der Magengegend. Das war für mich die vergangenen zwölf Jahre Gewohnheit und das braucht nun schon ein bisschen Zeit.»

Stans/Luzern – Zürich – Dänemark – Deutschland

So ganz «zu Hause» ist Schmid aber noch nicht. «Ich fühle mich noch etwas wie ein Tourist», schmunzelt er. «Es ist ein neuer Club, neue Kollegen, eine neue Halle, neue Garderoben. Da muss ich mich erst noch eingewöhnen. Zudem hat auch die Schule für meine Söhne noch nicht angefangen. Wir leben uns also noch etwas ein». Die Familie war dann auch einer der Gründe, warum Andy Schmid weiterhin aktiv Handball spielt. «Ich möchte so lange wie möglich Handball spielen, wie es meine Söhne mitbekommen. Zudem schliesst sich für mich hier ein Kreis». Bis 2004 spielte Schmid bei der SG Stans/Luzern, wechselte anschliessend zu den Grasshoppers Zürich und später zu Amicitia Zürich. Mit den Zürchern wurde er zweimal Schweizermeister. Ehe es Schmid dann via Dänemark nach Deutschland verschlug.

Mit einem Spieler wie Andy Schmid in den eigenen Reihen ist klar: Die Ansprüche werden sicherlich nicht kleiner in der Zentralschweiz. «Ich habe einen riesen Anspruch an mich selber. Aber wir müssen wirklich demütig bleiben. Ich war noch nie jemand, der in einem Club gespielt hat, in welchem wir grosskotzig von Zielen gesprochen haben. Wir spielen immer noch ein Mannschaftssport, da müssen einige Rädchen ineinandergreifen. Aber natürlich wollen wir in der Tabelle so weit oben wie möglich angreifen.»

Schmid: Nur einer von zahlreichen Verstärkungen

Dass der HC Kriens-Luzern seine Ansprüche nach oben ausrichtet, unterstreichen auch die weiteren Verpflichtungen. Mit Fabian Böhm stösst ein weiterer Handballstar aus der Bundesliga zum HCK. Der Ex-Captain der TSV Hannover-Burgdorf ist seines Zeichens deutscher Nationalspieler und bringt gemeinsam mit Andy Schmid eine gehörige Portion Erfahrung mit. Und mit Dimitrij Küttel holten die Blauweissen einen Schweizer Nati-Spieler von den Kadetten Schaffhausen.

Als Mitspieler von Andy Schmid gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt fünf Prozent weniger, denn man weiss, man hat Andy im Team. Oder aber man gibt extra fünf Prozent mehr, weil man sich nicht abhängen lassen will. «Mir wäre die zweite Variante definitiv lieber», sagt Andy Schmid und lacht. «Dann kann ich selbst fünf Prozent weniger geben». Doch wie man Andy Schmid kennt, wird dies wohl kaum der Fall sein.

Der «verlorene Handballsohn» ist also zurück in der Zentralschweiz und mit ihm auch die Titelhoffnungen beim HC Kriens-Luzern.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Juli 2022 18:17
aktualisiert: 21. Juli 2022 20:20
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