Kaum Sponsoren

«Es geht ein Leuchtturm verloren»: Volley Luzern verschwindet aus der NLA

· Online seit 08.03.2024, 06:31 Uhr
Nach acht Saisons in der Nationalliga A ist Schluss. Volley Luzern zieht sich zum Ende der laufenden Spielzeit freiwillig aus der höchsten Schweizer Spielklasse zurück. Damit verschwindet Spitzenvolleyball einmal mehr aus der Zentralschweiz.
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«Der Entscheid ist uns sehr schwergefallen», gibt Jörg Gautschi zu. «Ich werde die Situation wohl erst nach Saisonschluss richtig verdauen können.» Aus den Worten des Sportchefs von Volley Luzern ist deutlich zu hören, dass ihn der Rückzug aus der NLA schmerzt. Nicht zuletzt, weil Volley Luzern für Gautschi eine «Herzensangelegenheit» ist, wie er sagt.

Doch wie konnte es so weit kommen, dass sich der Supercup-Sieger von 2020 und aktuelle Playoff-Halbfinalist freiwillig aus der höchsten Volleyball-Liga der Schweiz zurückzieht? «Weil wir über die Jahre erkennen mussten, dass NLA-Volleyball in Luzern nachhaltig nicht finanzierbar ist.» Es geht also – wenig überraschend – ums Geld. Und dieses ist in einer Randsportarte wie Volleyball ein Problem.

Sponsoren zu finden ist schwierig

Volley Luzern kämpft schon länger ums Überleben. 2021 konnte das NLA-Team ein ähnliches Szenario wie jetzt nur mit einer Crowdfunding-Aktion verhindern. Eine solche Hauruckübung zu wiederholen kam für die Verantwortlichen nicht infrage. Nicht zuletzt, weil «wir den potenziellen Sponsorenmarkt bis zum geht nicht mehr abgegrast haben», wie Gautschi ausführt.

Rein theoretisch hätte der Verein auch kommende Saison nochmals in der Nationalliga A spielen können. Die notwendigen 200'000 Franken hätte man wohl auftreiben können. Doch weil die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen, haben sich die Verantwortlichen schweren Herzens für einen freiwilligen Abstieg entschieden.

Kleines Budget und wenig attraktiv für Neuzuzüge

«Wir haben jetzt schon das kleinste Budget der Liga. Und unsere Spitzenspieler, die jetzt zwei Jahre lang klar unter ihrem Marktwert bei uns angestellt waren, kann man nicht ewig zu diesem Preis halten, ohne ihnen bessere Perspektiven aufzuzeigen», erklärt der Sportchef.

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Weiter habe man aufgrund der halbprofessionellen Strukturen keine neuen Spieler anlocken können. Diese hätten in Luzern nicht voll auf Volleyball setzen können und hätten noch in einem 50-Prozent-Pensum arbeiten müssen. «Da überboten uns unsere Mitbewerber.»

Liga bot Hilfe an

Damit der Rückzug aus der NLA doch noch abgewendet werden kann, hat sich sogar der nationale Verband Swiss Volley eingeschaltet und seine Hilfe angeboten – vergebens. «Wir sind ja vor Ort und haben bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die uns zur Verfügung standen», sagt Jörg Gautschi dazu.

Um ein weiteres Jahr eine kompetitive Mannschaft zu stellen, hätte Volley Luzern das Budget laut seinem Sportchef um mindestens die Hälfte erhöhen müssen. Um über mehrere Jahre erfolgreich an der Spitze mitspielen zu können, wäre gar eine Verdreifachung des Budgets nötig gewesen, sprich 600'000 Franken.

Nachwuchsförderung nicht in Gefahr

Ein Team in der höchsten Liga ist nicht nur für den Verein und die Spieler der 1. Mannschaft attraktiv, sondern auch für die Nachwuchsspieler. Es bietet ihnen spannende Zukunftsperspektiven. Schneidet man sich mit dem Entscheid, künftig nicht mehr in der NLA zu spielen, diesbezüglich nicht ins eigene Fleisch?

«Das ist in der Tat negativ», gesteht Jörg Gautschi ein. Er versichert jedoch, dass der Entscheid auf die Nachwuchsabteilung keine direkten Auswirkungen haben wird. Die beiden Abteilungen sind getrennt geführt und finanziert.

Wie weiter?

In welcher Liga das Fanionteam von Volley Luzern künftig spielen wird, ist aktuell noch offen. Dies wird erst kommende Woche entschieden. Möglich wären sowohl die Nationalliga B als auch die 1. Liga. «Wir werden natürlich auch die Nachwuchsabteilung in diesen Entscheid miteinbeziehen.»

Jörg Gautschi ist aber zuversichtlich, dass der Abschied aus der NLA nicht für immer sein muss. «Vielleicht lockt die neue Pilatus-Arena in ein paar Jahren neue Grossinvestoren an, die bereit sind, eine neue NLA-Mannschaft aufzubauen.»

veröffentlicht: 8. März 2024 06:31
aktualisiert: 8. März 2024 06:31
Quelle: PilatusToday

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