Schweizer Meister

«Dürfen nicht nur Spieler einkaufen, sondern müssen auch junge Spieler ausbilden»

2. Mai 2022, 23:22 Uhr
Der EV Zug hat mit der Wende vom 0:3 zum 4:3 in der Playoff-Finalserie historisches geschafft. Fünf Protagonisten des Erfolgs erzählen.
Hans-Peter Strebel stemmt den Siegerpokal in die Höhe.
© Keystone / Urs Flüeler

Leonardo Genoni

Der 34-jährige Torhüter ist zuerst zu nennen. Genoni bestritt zum siebten Mal eine Finalserie und gewann zum siebten Mal den Titel. Auf die Frage, was er zu dieser unglaublichen Bilanz sage, antwortet er schlicht und einfach: «Wenn der Pokal dasteht, musst du ihn nehmen.» Genauso cool ist er auf dem Eis und das strahlt er auf seine Vorderleute aus.

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Quelle: PilatusToday / Bildmaterial SRF

«Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit, bringt so viel Ruhe in die Garderobe», zollt ihm Gregory Hofmann Respekt. «Ich kann von ihm noch viel lernen.» Bei den Niederlagen in den ersten drei Spielen war Genoni zwar gut, aber nicht überragend. Als die Mannschaft dann das Messer am Hals hatte, liess er noch drei Gegentore zu - die Abwehrquote betrug sagenhafte 97,32 Prozent. Im sechsten Spiel (2:0), als der ZSC die beste Leistung im Final zeigte, feierte er einen Shutout. Ein zweites Mal würden sie eine solche Partie wie am Freitag nicht gewinnen, sagt Genoni. «Auch der ZSC spielte einen super Final. Hätte er triumphiert, hätten wir nichts sagen können. Man muss das Glück nehmen, wenn es daliegt.»

Der Schlüssel für den Umschwung war für ihn, dass «wir weiter und weiter und weiter gemacht haben. Viele hätten aufgeben. Wir dagegen zweifelten überhaupt nicht und standen zusammen.» Ist der Titel wegen der Aufholjagd noch spezieller? «Nein, das glaube ich nicht. Wenn man den Pokal in den Händen hat, ist es egal, was vorher war.»

Dario Simion

Der 27-jährige Stürmer kann von den Feldspielern als Sinnbild für die Wende bezeichnet werden. Simion erzielte in den letzten vier Partien sechs der 13 Tore der Zuger, beim 3:1 im Showdown war er an allen drei Treffern beteiligt, das 1:1 und 3:1 schoss er selber. In den ersten drei Finalspielen war ihm bloss ein Assist gelungen.

«Manchmal geht der Puck einfach nicht rein, dann gilt es, nicht zu viel zu überlegen und weiterzuspielen», sagt Simion zu seinem Lauf und fährt fort: «Was wir erreicht haben, ist einfach unglaublich. Nach der dritten Niederlage sagten wir zu uns: ‹Wenn es eine Mannschaft gibt, die das noch kehren kann, dann sind wir das.› Wir kämpften immer und jeder hat seine Rolle akzeptiert.»

Reto Suri

Zwar hielt sich der Einfluss des 33-Jährigen in Grenzen, dennoch ist auch Suri zu erwähnen. Der WM-Silbermedaillengewinner von 2013 holte in seiner 15. Saison in der höchsten Schweizer Liga erstmals den Meistertitel. Seine ersten beiden Playoff-Finals hatte er verloren - 2010 mit Genève-Servette und 2019 mit Zug. Als die Zentralschweizer im vergangenen Jahr die 23 Jahre dauernde Durststrecke beendeten, trug er das Dress des HC Lugano.

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Quelle: PilatusToday

Suri fiel in der fünften Finalpartie mit einer schweren Knieverletzung aus. Das schweisste die Mannschaft noch mehr zusammen, sie wollte auch für ihn siegen. Nachdem Captain Jan Kovar den Pokal erhalten hatte, übergab er ihn an Suri, das sagt vieles aus. «Ich werde den Jungs das Leben lang dankbar sein für diese Wertschätzung, es ist schlichtweg unbeschreiblich», sagt Suri. «Der Wille, die Kampfkraft, der Charakter dieser Truppe ist sensationell. Wir schrieben Schweizer Eishockey-Geschichte. Ich ziehe den Hut.»

Dan Tangnes

Nicht fehlen darf natürlich der Trainer, wobei noch einige andere aufgezählt werden könnten. Der 43-jährige Norweger war ein unbeschriebenes Blatt, als er 2018 zu den Zugern wechselte. Zuvor in Schweden tätig, dort zuletzt bei Linköping, hatte er noch nie eine Playoff-Serie gewonnen. Nach der Finalniederlage gegen Bern 2019 in seiner ersten Saison beim EVZ versprach er, den Meistertitel nach Zug zu holen. Nun führte er das Team gar zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Der Zuger Trainer Dan Tangnes mit dem zweiten Pokal in Folge.
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Tangnes ist äusserst eloquent und versteht es ausgezeichnet, auf die Spieler einzugehen. «Wir spielen ein System, das es uns erlaubt, unser Potenzial am besten umzusetzen», sagt Hofmann. Ein viel besseres Kompliment gibt es für einen Trainer nicht. Hofmann weiter: «Er ist immer positiv. Es ist schön, für einen solchen Coach zu spielen.»

Hans-Peter Strebel

Der Präsident des EV Zug, Hans-Peter Strebel, durfte den Meisterpokal bereits zum zweiten Mal in die Luft stemmen. «Und der ist noch schwer», sagt er und lacht. «Da muss man noch aufpassen, dass man auf dem Eis nicht ausrutscht!» Meister werden und Meister bleiben sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

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Er hat sein eigenes Rezept für den Erfolg des EVZ. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, sagt HP Strebel. Neben dem Training und der Unterstützung im OYM brauche es auch viel Nachwuchsförderung. «Wir dürfen nicht nur Spieler einkaufen, sondern müssen auch selber junge Spieler ausbilden, bis zu dem Punkt, wo sie dann in der ersten Mannschaft mitspielen können.» Wenn man die Mannschaft heute betrachte, dann sind rund die Hälfte der Mannschaft Leute, die man selbst ausgebildet habe.

Das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 hat zum Meistertitel des EVZ eine Spezialsendung produziert. Wir schauen nochmals zurück und tauchen ein in die Emotionen von letzter Nacht.

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Quelle: Tele 1

(sda/red)

Quelle: sda/red
veröffentlicht: 2. Mai 2022 19:19
aktualisiert: 2. Mai 2022 23:22
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