Reto Kläy zu NHL-Deal

«Es kann nicht sein, dass am Ende nur der Spieler profitiert»

29. April 2020, 22:01 Uhr
Wir haben Reto Kläy, Sportchef des EV Zug, zu seiner Meinung über das neue Transferabkommens gefragt. (Archivbild)
© Keystone
Die Schweizer Eishockey-Ligen und die National Hockey League gehen ein Transferabkommen ein. Dieses regelt Spielerwechsel per sofort. Die NHL hat am Dienstagabend dieses Abkommen bestätigt. Beim EV Zug freut man sich über die klareren Regeln.

Es ist wohl das Ziel eines jeden Eishockeyspielers – die beste Eishockeyliga der Welt – die nordamerikanische National Hockey League (NHL). Auch immer mehr Schweizer Talente und gestandene Spieler der höchsten Liga wagen den Schritt nach Übersee.

Keine Ausstiegsklauseln mehr nötig

Mit dem neuen Transferabkommen zwischen der NHL und den Schweizer Eishockey-Ligen (National League und Swiss League) kommt es diesbezüglich nun zu einem Umbruch. Denn: Will ein NHL-Team künftig einen Spieler aus der Schweiz, dann können sie diesen einfacher verpflichten als bis anhin. Ausstiegsklauseln aus einem laufenden Vertrag? Braucht es keine mehr!

Finanziell lukrativ

Lukrativ ist der Deal für die Schweizer Mannschaften vor allem finanziell: Die NHL entschädigt die Klubs mit 260'000 Dollar pro Spieler. Auch für jedes gedraftete Schweizer Jungtalent gibt es neu bis zu 40'000 Dollar (bei einem Erstrunden-Draft).

Ausländerlizenz als Entschädigung

Damit nun aber Schweizer Vereine nicht kurz vor Saisonbeginn jeweils ihre besten Spieler einfach so verlieren, sollen die Klubs pro «verlorenen» Spieler eine zusätzliche Ausländerlizenz lösen dürfen. Ein Punkt der jedoch höchst umstritten ist und an der nächsten Ligaversammlung im Juni diskutiert werden soll. Wir haben Reto Kläy, Sportchef des EV Zug, zu seiner Meinung über das neue Transferabkommens gefragt.

Was halten Sie als Sportchef von diesem Abkommen?

Grundsätzlich ist das Abkommen sicher gut. Es regelt gewisse Dinge klarer, vorher waren diese teils sehr individuelle Geschichten. Das Ziel vieler Spieler ist es ja in die NHL zu kommen, was auch für uns als Verein legitim ist. Es war aber jeweils schwierig für uns zu planen. Dies ist nun klar geregelt, es herrschen klare Verhältnisse. Und der Klub kriegt schlussendlich auch noch etwas als Entschädigung für die Ausbildung.

Finanzielle Entschädigung, dafür können Spieler den Verein einfacher verlassen – unter dem Strich ein Mehrwert für den Verein?

Dies ist noch schwierig zu sagen. Definitiv ist es ein Mehrwert, denn in der Vergangenheit erhielt man als Verein bei einem Abgang keine Entschädigung. Jetzt ist es von der Situation abhängig: Ist es ein junger Spieler, den man ausgebildet hat, kriegt man Geld für eben diese Ausbildung zurück. Auf der anderen Seite gibt es die Situation eines Führungsspielers im Verein, der schon eine wichtige Rolle einnimmt. Da hat man dann ein gewichtiges Loch in der Mannschaft, sollte dieser den Verein im Juli verlassen. Was diesen Fall betrifft sind wir bereits unter den Klubs am Schauen, wie man so einen Fall kompensieren könnte.

Sie sprechen die zusätzliche Ausländerlizenz an, die ein Verein bei einem NHL-Abgang erhalten soll.

Verlässt ein Top-Schweizer Spieler eine Mannschaft kurz vor Saisonbeginn, dann hat dies natürlich schon Konsequenzen. Ich denke gerade auf der Torhüter-Position, wenn da die Nummer Eins plötzlich weg ist, kann man auf dem Schweizer Markt schlecht reagieren, weil dann die meisten Schweizer Torhüter schon unter Vertrag sein werden. Sollte das dann möglich sein, den Abgang mit einem Ausländer zu kompensieren, dann hätte man einen grösseren Markt zur Verfügung. Und dies macht die Situation ein wenig einfacher.

Hätten dann die grösseren Schweizer Klubs nicht einen Wettbewerbsvorteil, da diese mehr Talente hervorbringen können?

Nein, das sehe ich nicht so! Klar kann man die Situation von verschiedenen Seiten anschauen. Klar schafften es einzelne Mannschaften in der Vergangenheit mehr Spieler in die NHL zu bringen. Ich glaube aber auch, dass es für alle Klubs vor allem eine Chance ist, junge Spieler spielen zu lassen. Und je mehr diese man einsetzt, desto grösser ist die Chance, dass einer den Schritt nach Nordamerika schafft. Und wenn man deshalb dann eine Abfindung erhält, ist das sicher positiv. Ich glaube es ist sicher legitim, hat man dieses Abkommen jetzt unterschrieben – auch wenn noch nicht ganz alle Sachen klar geregelt sind. Es gibt noch viele Sachen die wir Mannschaften mit der Liga selbst definieren können.

Bereitet Ihnen die Situation, dass Spieler trotz laufendem Vertrag einfach den Verein verlassen können, keine Sorgen?

Ich würde eher sagen, das Abkommen öffnet einfach das Geschäft. Klar können immer verschiedene Szenarien eintreten. Es kann durchaus sein, dass man einen Spieler gerne in den eigenen Reihen hat und diesen auch behalten möchte – er dann aber plötzlich weg ist. Ich glaube es ist legitim, dass die Spieler auch Ambitionen haben und gerne in der besten Liga der Welt spielen möchten. Und das finden wir als EVZ-Organisation auch gut. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Business-Seite, eine gewisse Planbarkeit, die auch wir haben müssen. Diese muss schlussendlich gegeben sein. Es kann nicht sein, dass am Ende nur der Spieler profitiert. Aber die Gefahr, einen Kernspieler an die NHL zu verlieren, ist sicher da.

Was ändert das Abkommen an der Arbeit eines Sportchefs?

Das kann man jetzt noch nicht genau sagen, da viele Dinge jetzt erst noch zwischen der Liga und den Vereinen geregelt werden. Im Grundsatz habe ich das Gefühl, wird das Abkommen in gewisser Weise den Markt öffnen – was sich dann in unterschiedlichen Transferaktivitäten zeigen wird. Wie das dann genau aussehen wird, kommt jetzt noch auf einige Entscheide der Liga drauf an. Im Grundsatz ist der Entscheid spannend und es ergeben sich daraus sicher neue Möglichkeiten. Was vorher individuell bei Spielerverträgen geregelt wurde, ist nun klar geregelt. Und das ist gut so.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. April 2020 20:43
aktualisiert: 29. April 2020 22:01