Bossard Arena

EVZ droht Eis wegzuschmelzen – Fans drohen höhere Ticketpreise

Marina Lampert, 2. November 2022, 11:23 Uhr
Die aktuelle Stromkrise ist für die Betreiber der Bossard Arena in Zug eine Herausforderung. Die Prognosen sehen düster aus. Darunter leiden könnte auch der EVZ und seine Fans.

Quelle: Tele 1

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Das Eis in der Bossard Arena ist ein ordentlicher Stromfresser. Jedes Jahr werden für die Kühlanlagen rund 2,5 Millionen kWh Energie aufgewendet, was etwa dem benötigten Strom für 500 Einfamilienhäuser entspricht. Vergangenes Jahr waren die Energiekosten noch um einiges niedriger. Aktuell gehen sie aber nur in eine Richtung: drastisch nach oben.

5-fache Erhöhung der Energiekosten zu erwarten

«Die Energiekrise ist für uns vor allem eine Preiskrise», sagt der Verwaltungsratspräsident der Kunsteisbahn Zug AG, Hans-Rudolf Wild. Er ist mit seinem Unternehmen für den Betrieb der Bossard Arena zuständig. Doch der Vertrag der Kunsteisbahn Zug AG läuft Ende Jahr aus.

«Wenn ich die aktuellen Stromkosten mit den neuen Stromkosten, welche im Moment gehandelt werden, vergleiche, komme ich rein vom Strompreis her auf das zehnfache», sagt Wild. Dies heisse aber nicht, dass die Kunsteisbahn zehn Mal so viel zahlen muss. Denn es kommen noch Netzgebühren und Abgaben hinzu.

Prognostiziert wird daher eine fünffache Erhöhung der Strompreise, wie verschiedene Medien berichten. So könnten die Kosten von aktuell 500'000 Franken jährlich auf bis zu 2,5 Millionen Franken steigen. Das wäre laut Wild wegen der aktuellen Einnahmesituation nicht tragbar. «Die Liquidität ist im Moment gut und wir kommen sicher bis Ende Saison durch, auch wenn wir ab dem 1. Januar 2023 einen höheren Strompreis zahlen müssen.» Danach sehe es aber düster aus.

Kann in der Bossard Arena bald kein Eishockey mehr gespielt werden?

© KEYSTONE/Urs Flueeler

«Es kann sein, dass die Kunsteisbahn Zug AG geschlossen wird, weil man sie nicht finanzieren kann in diesem Modell.» Wild betont jedoch, dass dies nicht gleichbedeutend mit der Schliessung des Eisstadions und den Nebenanlagen ist. «Der EVZ mit seiner Organisation ist ein Standortfaktor für Zug» und laut Hans-Rudolf Wild auch nicht wegzudenken.

Gibt es bald keinen EVZ mehr?

Dass die Bossard Arena geschlossen wird und der EVZ ohne Stadion dasteht, ist also unrealistisch. Zwangsweise müsse für das Stadion aber nach einer neuen Trägerschaft gesucht werden, betont Hans-Rudolf Wild. Eine Möglichkeit wäre demnach, dass die Stadt Zug den Betrieb der Bossard Arena künftig selbst in die Hand nimmt.

Der EVZ hat schon früh begonnen, Sparmassnahmen auszuarbeiten, um sich auf das kommende Jahr vorzubereiten. Das genaue Ausmass der Kosten kennt Patrick Lengwiler aber noch nicht. Daher kann er auch nicht abschätzen, ob die geplanten Massnahmen ausreichen.

Aus diesem Grund warten die Zuger vorerst ab und versuchen Kosten zu sparen, wo sie nur können. Das Problem entschärfen könnte der EVZ mit einer allfälligen Erhöhung der Ticket- und Gastronomiepreise. So könnte ein Teil der Kosten auf die Konsumenten und Zuschauer abgewälzt werden. Dies sei aber noch nicht beschlossen, so Lengwiler.

Eis nicht mehr so kalt

Das Eisfeld für den allgemeinen Eislauf im Aussenbereich der Bossard Arena ist bisher noch nicht in Betrieb. Durch die höhere Aussentemperatur verbraucht dieses deutlich mehr Strom als die Innenanlagen, welche vom EVZ benutzt werden.

Patrick Lengwiler schliesst nicht aus, dass wegen der Stromkrise die Ticketpreise erhöht werden müssen.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

Im Stadion wird das Eis tagsüber oder für Trainings nicht stark gekühlt und überschreitet die Normaltemperatur von -6 Grad um etwa 1 Grad. Aber: «Es ist ein Eisfeld. Es muss halt gekühlt werden», betont EVZ-CEO Patrick Lengwiler.

Weil mit der Abwärme der Kühlanlagen Wohnungen rund um die Bossard Arena geheizt werden, könnte es für die umliegenden Anwohner zum Problem werden, wenn die Kühlanlage ausser Betrieb genommen werden, um Strom zu sparen.

Verhandlungen sind am Laufen

Genaue Lösungen kann der EVZ erst ausarbeiten, wenn die Höhe der neuen Energiekosten in den laufenden Verhandlungen beschlossen wurden. In diesen ist der EVZ als Mieter der Bossard Arena nicht integriert.

Patrick Lengwiler bleibt aber weiterhin optimistisch. «Freude haben wir nicht, aber wir warten, was auf uns zukommt.» Die Verlängerung der Verträge wird in den kommenden Wochen von der Betreiberin des Stadions, der Kunsteisbahn Zug AG, ausgearbeitet und schlussendlich dem EVZ mitgeteilt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 5. Oktober 2022 18:45
aktualisiert: 2. November 2022 11:23