Niederlage mit Ansage

Der Hoffnungsträger der FCL-Fans steht vor dem K.o.

Andreas Ineichen, 18. Oktober 2022, 19:52 Uhr
Josef Bieri ist die Galionsfigur vieler, die den FC Luzern im Herzen tragen und Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg ins Land wünschen, wo der Pfeffer wächst. Nun hat der FCL-Minderheitsaktionär in der Öffentlichkeit zur Gegenattacke geblasen. Aber ein Wirkungstreffer war das nicht. Eine Einschätzung.
Alpstaeg gegen Bieri: Wer gewinnt den Machtkampf?
© Keystone/Getty Images
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Seine Vermögensbildung hat Josef Bieri längst abgeschlossen. Eine erfolgreiche Berufskarriere im Finanzbereich ermöglichte dem Surseer seinerzeit den Einstieg als Aktionär im FC Luzern. Dennoch ist er ein Mann des Volkes geblieben. Der «Sepp», wie er von Kollegen gerufen wird, ist sich bewusst, dass eine Institution wie der FCL nie einem Kreis vermögender Einzelpersonen gehören kann. Sondern allen Zentralschweizer, die mit dem Klub mitfiebern, feiern und leiden.

Getreu diesem Prinzip hat Josef Bieri viel Geld, Zeit und Arbeit in den FC Luzern gesteckt. Er lebt, liebt, führt, verkörpert und atmet den Klub. Seit es ihm Anfang 2021 gelungen ist, den jahrelang unbarmherzig geführten Machtkampf zwischen Bernhard Alpstaeg und den «Sieberianern», der Gruppe mit Marco Sieber, Samih Sawiris und Hans Schmid, beizulegen, ist er zu einer Art Kultfigur der FCL-Fans aufgestiegen.

Mitaktionär Josef Bieri wirft Bernhard Alpstaeg Wortbruch vor.

© FC Luzern

Doch gut anderthalb Jahre nach der Installation «seiner» neuen FCL-Führung steht Verwaltungsrat Josef Bieri vor den Trümmern seiner Arbeit im FCL. Nun bekommt er auf eine bittere Art und Weise zu spüren, was ein vorwitziger Chronist zum Zeitpunkt einer vermeintlich neuen Zeitrechnung beim Super Ligisten festgehalten hat: Ab sofort darf Josef Bieri tun und lassen, was ihm Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg sagt.

Die Vorwürfe von Bieri

Bernhard Alpstaeg hat sich in diesem November zum Ziel gesetzt, die nach dem Gusto Bieris zusammengesetzte FCL-Führung auf strategischer und operativer Ebene ganz oder zum Teil auszutauschen. Und sie durch eigene Stellvertreter zu ersetzen. Das wird den Beginn einer «Alpikratie» im FCL markieren.

In seiner ausweglosen Situation hat Josef Bieri in der Luzerner Zeitung zum Gegenschlag ausgeholt, um der öffentlichen Empörung gegen Bernhard Alpstaeg weitere Nahrung zu geben. Er beschuldigte den ihm unliebsam gewordenen Mehrheitsaktionär, seinen finanziellen Verpflichtungen, die sein Aktienanteil von 52 Prozent mit sich bringt, über Jahre nicht nachgekommen zu sein.

Und er trat auch auf persönlicher Ebene gegen Alpstaeg nach: Bieri warf seinem Gegenspieler im Zusammenhang mit der Aufhebung des Aktionärsbindungsvertrages Wortbruch vor und folgerte, dass dessen Wort nichts wert sei.

Ausdruck von Ohnmacht und Hilflosigkeit

Es sind happige Vorwürfe, die Bieri zielgenau adressiert. Aber sie sind letztlich nichts weiter als Ausdruck seiner Verzweiflung, Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Bieri erlag dem Trugschluss, den 77-jährigen Haudegen auf Dauer kontrollieren und für sich gewinnen zu können. Aber ein erfolgreicher Unternehmer wie Bernhard Alpstaeg, der sich zu einem schwerreichen Mann in der mit harten Bandagen geführten Baubranche emporgearbeitet hat, nimmt keine Befehle entgegen. Vielmehr sagt er, wo es langgeht.

Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg will die Führungsetage des FC Luzern neu formieren.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

Das hat er im Aktionariat des FC Luzern seit gut zehn Jahren erfolgreich praktiziert. Im Wissen darum, dass es an Bernhard Alpstaeg kein Vorbeikommen gibt, haben all die anderen Aktionäre letztlich schlucken müssen, was der Mehrheitsaktionär verlangte. Und die Initiierung einer juristischen Bewertung von Alpstaegs Verhalten bis heute gescheut. Bieri inklusive.

Bieri sitzt im Gefängnis FCL

Josef Bieri hängt im Kampf mit dem Platzhirsch Bernhard Alpstaeg wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen. Ihm und «seiner» FCL-Führung steht der K.o. bevor. Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung. Hoffnung auf ein Wunder.

Doch Wunder geschehen vorab im Buch der Bücher und viel weniger in der Realität. Denn nach Bieris Angaben seien über 20 Personen bereit, in den FC Luzern zu investieren. Aber bloss unter der Bedingung, dass sich Bernhard Alpstaeg zurückzieht. Das tönt nicht danach, als ob es Bieri mit einem Konsortium in den nächsten Tagen und Wochen gelingen könnte, Alpstaeg ein verlockendes Angebot für dessen Aktienpaket zu unterbreiten.

Aber es ist seine einzige Chance, seiner künftigen Nebenrolle im FCL-Aktionariat entweichen zu können. Nur mit unumstösslichen Dokumenten, die in dieser undurchsichtigen Geschichte zu Fakten werden, und der Zusage von neuen Gesichtern als FCL-Investoren kann Bieri den öffentlichen Druck auf Alpstaeg erhöhen. Jetzt muss der FCL-Hoffnungsträger Nägel mit Köpfen machen. Und das in wenigen Tagen.

In der Aussenwirkung deutet stattdessen vieles darauf hin, als ob sein Einflussbereich im Klub vom Dezember dieses Jahres an dramatisch schrumpfen wird. Dannzumal wird die aktuelle FCL-Führung, die auf strategischer und sportlicher Ebene nicht über alle Zweifel erhaben war, Geschichte sein.

Und Josef Bieri bleibt nur, gute Miene zu dem seiner Ansicht nach bösen Alpstaeg-Spiel zu machen. Und im Notfall auch die finanziellen Löcher entsprechend seines Aktienanteils von 48 Prozent zu stopfen. Josef Bieri wird kaum aus dem Gefängnis FCL ausbrechen können, solange Alpstaeg das Sagen hat.

Andreas Ineichen
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. Oktober 2022 18:03
aktualisiert: 18. Oktober 2022 19:52