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FCL-Führungskrise erreicht neue Eskalationsstufe – Termin für GV bekannt

Juristische Unterstützung

FCL-Führungskrise erreicht neue Eskalationsstufe – Termin für GV bekannt

14.10.2022, 06:16 Uhr
· Online seit 13.10.2022, 05:54 Uhr
Aus dem Lager von Bernhard Alpstaeg wird verbreitet, der FCL-Mehrheitsaktionär sei wild entschlossen, in dem von ihm finanziell unterstützten Laden auf der Allmend aufzuräumen. Um sein Ziel möglichst barrierefrei zu erreichen, hat er einen Anwalt eingeschaltet. Aber auch FCL-Präsident Stefan Wolf und Sportchef Remo Meyer haben sich rechtlich beraten lassen. Nun ist klar, wann es zum Showdown der beiden Parteien kommt.
Andreas Ineichen, Freelancer
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Ist ein Konflikt zwischen zwei Parteien eskaliert, tanzen die Anwälte auf den Tischen. Sie lassen sich fürstlich dafür entlöhnen, um die Interessen der Streithähne wahrzunehmen. Darauf hinaus läuft auch die aktuelle Entwicklung beim FC Luzern, seit Bernhard Alpstaeg Anfang Oktober Stefan Wolf und Remo Meyer in aller Öffentlichkeit vorgeführt hat.

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass es die FCL-Führung, wie sie heute personell aufgestellt ist, in absehbarer Zukunft nicht mehr geben wird. Das Verhältnis zwischen Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg (52 Prozent) und dem Lager um Minderheitsaktionär und Verwaltungsrat Josef Bieri (48 Prozent), der sich mittels öffentlicher Stellungnahme schützend vor Stefan Wolf, Remo Meyer und alle weiteren FCL-Mitarbeiter gestellt hat, ist zerrüttet.

Dem Vernehmen nach hat Alpstaeg seinen Zorn verschiedene FCL-Protagonisten spüren lassen und sie auf heftige Art und Weise in den Senkel gestellt. Zu diesen zählen Bieri, Wolf und weitere. Das macht es unmöglich, gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Um sich vor weiteren – vor allem öffentlichen – Erniedrigungen zu verwahren, haben Wolf und Meyer Rücksprache mit Anwälten gehalten, um sich über den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte zu informieren.

Termin für Holding-GV steht fest

Das wird Bernhard Alpstaeg nicht davon abhalten, solange am FCL-Stamm zu rütteln und schütteln, bis die ihm unliebsam gewordenen Klubvertreter vom Baum runtergefallen sind. Der 77-jährige Unternehmer hat ein Imperium mit über 4000 Angestellten aufgebaut. Er ist es sich gewohnt, jede Bühne, die er betritt, als Sieger zu verlassen. So, wie er das schon im fünf Jahre dauernden Machtkampf im FCL-Aktionariat gegen die ihm feindlich gesinnten «Sieberianer» (Marco Sieber, Samih Sawiris und Hans Schmid) demonstriert hat.

Am Dienstag sind nach Angaben des Klubs die Einladungen für die am 3. November anberaumte Generalversammlung der FCL Innerschweiz AG verschickt worden. Diese Gesellschaft verantwortet den sportlichen Bereich des Super-Ligisten. Sie wird von den Verwaltungsräten Stefan Wolf als Präsident, Josef Bieri als Vizepräsident, Laurent Prince, Ursula Engelberger-Koller und den jüngst in Ausstand getretenen Bruno Affentranger geführt.

Ebenfalls am 3. November soll die ausserordentliche Generalversammlung der FCL Holding AG über die Bühne gehen. Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, stehe auf Antrag Alpstaegs die Abwahl des gesamten Verwaltungsrats auf der Traktandenliste. Ausserdem auch die Wahl des neuen Verwaltungsrats, die nur noch aus Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg bestehen soll.

Ob er noch weitere Kompetenzen besitzt, lässt er derzeit rechtlich abklären, wie von gut informierten Quellen zu vernehmen ist. Das Führungskonstrukt des FCL ist so kompliziert konzipiert, dass nicht alle, die in höherer Funktion für den Klub tätig sind, den Durchblick haben.

Alpstaeg muss mit heftigen Reaktionen rechnen

Weil der FC Luzern aber allen gehört, die den Klub im Herzen tragen, wird Bernhard Alpstaeg bei einer Umgestaltung des Verwaltungsrates mit schmerzhaften Reaktionen inner- und ausserhalb des Klubs rechnen müssen. Denn mit dem jüngsten FCL-Schmierentheater hat er eine Mehrheit an FCL-Mitarbeitenden, Sponsoren, Gönner und Fans vor den Kopf gestossen und zur Einsicht gebracht, dass es mit ihm an der Spitze des Klubs nicht weitergehen kann.

Einer künftigen Führung unter der Kontrolle Alpstaegs droht ein Exodus an fähigen Mitarbeitenden und damit der Verlust von Knowhow. Zudem könnten sich Sponsoren, Gönner und Fans definitiv vom Klub abwenden. Das bekämen die Aktionäre Bernhard Alpstaeg und Josef Bieri im eigenen Portemonnaie zu spüren.

Beging Bruno Affentranger Loyalitätsbruch?

Wie facettenreich der Machtkampf ist, zeigt sich am Beispiel von Bruno Affentranger. Dieser hat seit Februar 2021 als mandatierter Stellvertreter von Bernhard Alpstaeg im FCL-Verwaltungsrat Einsitz genommen. Aber nun lässt Bruno Affentranger das Mandat vorübergehend ruhen.

Auf Anfrage sagt er: «Ich stehe in einem Interessenskonflikt, weil ich nicht dem Unternehmen FCL und Bernhard Alpstaeg gleichzeitig dienen kann.» Dass er als Verwaltungsrat in den Ausstand treten kann, sei legitim. «Bei grundsätzlichen Konflikten geht das», versichert er.

Wird Bruno Affentranger seine Arbeit im VR wieder aufnehmen, sobald sich der Pulverdampf des aktuellen Knalls im FCL verzogen hat? Er lasse sich das offen, entgegnet er. Aber vielleicht wird er auch zurücktreten – falls das in Tat und Wahrheit nicht bereits geschehen sein sollte. Denn die entscheidende Frage ist, wie Bernhard Alpstaeg das Vorgehen Affentrangers bewertet. Lässt er sich den Loyalitätsbruch gefallen? Oder hat sich Affentranger im Auftrag von Alpstaeg zurückgezogen, um einen Bruch mit dem aktuellen VR zu vollziehen?

Bernhard Alpstaeg entscheidet, welche Köpfe den FCL in Zukunft führen und repräsentieren werden. Und die verschiedenen Anspruchsgruppen, ob sie unter der neuen Leitung noch mitmachen wollen.

veröffentlicht: 13. Oktober 2022 05:54
aktualisiert: 14. Oktober 2022 06:16
Quelle: PilatusToday

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