Marius Müller

Gross, laut und selbstbewusst – typisch Deutscher eben

Philipp Breit, 31. Oktober 2020, 11:06 Uhr
FCL-Goalie Marius Müller
Nummer 1, Fanliebling, Teamleader und seit kurzem Papa: Tausendsassa Marius Müller könnte man auch sagen. Der FCL-Torhüter zeigt sich aber unbeeindruckt. Zumindest scheint er nicht überfordert mit all diesen Rollen.

Er ist gross, laut, nicht auf die Schnauze gefallen und versprüht Ehrgeiz und Selbstvertrauen. Typisch Deutscher eben. Sag nicht ich, sondern Marius Müller selber. Und lacht dabei. Ja trotz punktemässig ausbaufähigem Saisonstart ist dem Neu-Papa die gute Laune nicht abhandengekommen. Seit Marius Müller im letzten Sommer zum FCL kam, ging es eigentlich fast immer nur bergauf. «Wer hatte mich letzten Sommer schon auf dem Zettel?», fragt Marius Müller. Ich sicher nicht, da bin ich ehrlich. «Klar kam mir dies entgegen, ich konnte frei aufspielen und hatte eigentlich keinen Druck». Kein Druck ist gut, immerhin kam er zum FC Luzern. Da wo nach drei sieglosen Spielen der Baum brennt, oder aber nach drei Siegen schon der Schweizerhof für die Meisterfeier gebucht wird.

Es kann schnell gehen in der Innerschweiz. Schnell ging es auch bei Marius Müller. Und zwar leistungsmässig bergauf. Was Marius Müller in seiner ersten Super League Saison gezeigt hat, grenzte manchmal schon an das Unfassbare. Unvergessen beispielsweise das Spiel der Luzerner in Neuenburg, als Müller ein neuer Paradenrekord aufstellte.

«Wenn du wüsstest, wie mies ich mich damals vor dem Spiel gefühlt habe», so Marius Müller. Scheint unvorstellbar. 1,5 Jahre ist Marius Müller nun beim FCL. «Eigentlich ist es bereits meine dritte Saison», sagt er mit einem Schmunzeln. «Erst die Vorrunde, dann die Rückrunde mit einem neuen Trainer. Corona-bedingt der Unterbruch, dann wieder Neustart. Kurz Pause und jetzt ging es schon wieder los. Er gibt zu, dass die vergangenen Monate auch für ihn nicht einfach waren. Insbesondere die letzten paar Wochen. Im September wurden er und seine Frau zum ersten Mal Eltern. «Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen und auch meine Frau wo es nur geht zu unterstützen.» Auch wenn dies abends bedeutet Schoppen geben und selber dann um 21.00 Uhr hundemüde ins Bett fallen.

Quarterback Marius Müller

Marius Müller hat sich verändert im Vergleich zum letzten Sommer. Für mich zumindest. Nicht nur, weil er Papa ist, sondern auch auf dem Platz. In seiner ersten Saison strahlte er eine Unbekümmertheit aus. Er schien unantastbar und komplett selbstbewusst. Dieses Bild hat zuletzt etwas gebröckelt. Marius Müller hadert mehr, scheint schneller angefressen zu sein. Er wirkt nicht mehr ganz so unbekümmert und sorglos. Täusche ich mich? «Es hat sicher mit der allgemeinen Situation zu tun. Von mir wird deutlich mehr verlangt. Früher musste ich zwei Dinge machen: Bälle halten und weite Pässe auf Pasci schlagen.»

Von dieser Art von Fussball hat sich der FCL unter Fabio Celestini definitiv verabschiedet. «Ich bin quasi wie ein Quarterback. Ich muss schauen, welche Spielzüge wir beginnen. Ich bin der Auslöser und Taktgeber.» Es ist eine Rolle, welche zu Marius Müller passt. Aber eine, in welche er noch reinwachsen muss. Wie die gesamte Mannschaft. Noch passt nicht alles. Ausser die Einstellung und das Selbstvertrauen. «Die Mannschaft spürt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir zweifeln nicht. Wir brauchen Zeit, aber es kommt richtig gut.»

Von Poulsen und Werner zu Schürpf und Sorgic

Zuletzt schwärmte bereits FCL-Trainer Fabio Celestini von der Mannschaft (wir berichteten). Und nun schlägt auch Müller hohe Töne an: «Nach diesem grossen Umbruch, dem wohl grössten der vergangenen Jahre, passt noch nicht alles. Aber die Mannschaft ist definitiv dreimal besser als letztes Jahr.» Von welchen Mitspielern hält er besonders grosse Stücke? «Varol Tasar! Der Junge ist wirklich stark und zielstrebig. Schnell, technisch gut und unangenehm. Der hat richtig Qualität.» Aber auch Louis Schaub zählt Müller auf. Und Alex Carbonell. «Der Junge braucht einfach noch eine gewisse Zeit, bis er sich komplett eingewöhnt hat. Aber er ist physisch stark und hat die Technik. Was der im Training raushaut, ist unglaublich. Da spürt man, dass der von einem grossen Club kommt, wo im Training richtig Fussball gespielt wird». Barcelona ist dieser Club. La Masia, die berühmte Ausbildungsstätte der Katalanen durfte Carbonell durchlaufen.

Champions League mit dem FCL?

Auch Müller kommt von einem grossen Club. RB Leipzig. Früher spielte er gemeinsam mit Yussuf Poulsen oder Timo Werner. Heute fliegen seine langen Bälle auf Pasci Schürpf und Dejan Sorgic. Denkt er manchmal mit Wehmut an die alten Zeiten zurück? «Es war schon schön. Du hast halt jeden Tag auf einem brutalen Niveau trainiert. Das hat dich immer besser gemacht». Besser wurde Müller dann aber auch beim FCL. Seine Entwicklung? Gross! Sein Potenzial? Noch nicht ausgeschöpft! «Irgendwann wäre es sicherlich mal geil, die Hymne der Champions League zu hören. Aber dann will ich auch spielen und nicht nur auf der Bank sitzen». Müllers Wunsch von einem Wechsel in eine Topliga ist kein Geheimnis.

Noch läuft sein Vertrag beim FCL bis im Sommer 2022. «Ich will jetzt einfach eine gute Saison spielen. Also nicht nur ich, wir alle. Wir haben als Mannschaft viel vor und können viel erreichen». Und dann? Abflug? Für Champions League muss er ja nicht zwingend nach Deutschland oder England. Würde es vielleicht auch bei YB oder Basel klappen? «Oder beim FCL!», interveniert Müller sofort. «Ja klar, warum nicht?». Da ist es wieder, dieses Selbstvertrauen. Dieser Ehrgeiz. Genau das, was Müller auszeichnet. Das, was ihn innert kürzester Zeit zum Fanliebling, zum Team-Leader und zur unumstrittenen Nummer 1 gemacht hat. Könnte von mir aus gerne so bleiben. Auch länger als 2022 … träumen ist ja erlaubt.

Anfang Jahr im Trainingslager in Spanien hat Marius Müller gemeinsam mit Simon Enzler in unserer Tagebuch-Folge das Radio Pilatus Gewinnspiel «5gwönt» gespielt. Da es Müller so gefallen hat, habe ich dies heute mit ihm wiederholt… ob erfolgreich oder nicht, schau selber!

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Quelle: Pilatus Today

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 31. Oktober 2020 10:43
aktualisiert: 31. Oktober 2020 11:06