Christian Schwegler

«Ich habe jetzt die Sehne eines Toten»

Philipp Breit, 21. August 2020, 16:54 Uhr
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Quelle: PilatusToday

FCL-Captain Christian Schwegler ist leidgeprüft. Einige Verletzungen musste er in seiner Karriere schon hinnehmen. Stets kämpfte er sich zurück. Doch so einfach scheint es dieses Mal nicht zu sein. Da könnte ausgerechnet die Sehne eines Toten helfen.

06. Juni 2020, Testspiel zwischen dem FC Luzern und Schaffhausen. Es läuft die 38. Minute. Unglücklich fällt FCL-Goalie Marius Müller nach einem Schubser eines Schaffhausers auf das Bein von Christian Schwegler. «Im ersten Moment dachte ich, dass das Band gerissen sei. Doch irgendwie ging es dann noch und ich biss mich durch bis in die Pause». Doch am Tag danach brachte dann ein MRI die Gewissheit: Innenbandriss.

Die Sehne eines Verstorbenen hilft

«Wir haben uns dann entschieden, dass wir die Verletzung nicht konservativ behandeln wollen, da dies schon früher nicht erfolgreich war», so Schwegler. Eine Operation war somit unumgänglich. Schon damals war klar, dass die Verletzung für Schwegler eine mehrmonatige Pause bedeuten wird. Der Plan der Chirurgen war das Innenband von Schwegler operativ zu verstärken. Sein eigenes Innenband war jedoch bereits zu stark lädiert, so dass die Ärzte Alternativen suchen mussten. «Die Ärzte haben sich dann für einen etwas grösseren Schnitt entschieden», sagt Schwegler mit einem Schmunzeln.

«Dann wurde mir eine Spendersehne eingesetzt, die unten am Knochen mit zwei Schrauben fixiert wurde und oben mit einer Platte am Knochen befestigt wird». Die Spendersehne stammt von einem verstorbenen Amerikaner, mehr weiss auch Christian Schwegler nicht. Ob er nicht lieber die eines Brasilianers gehabt hätte? Schwegler lacht lauthals. «Hauptsache, die eines Linksfusses». Trotzt allem hat der FCL-Captain seinen Humor nicht verloren.

Die Verheilung läuft nicht ganz nach Schweglers Wunsch. Es sei noch etwas harzig. Er könne zwar bereits wieder einige Übungen machen, doch noch nicht ganz so wie gewünscht. Den Kopf lässt Schwegler aber nicht hängen. Im Gegenteil: «Ich bin eine Person, die gerne trainiert. Klar am liebsten mit Ball, aber Hauptsache ich kann irgendetwas machen.»

Am Montag soll ein weiterer Untersuch beim Arzt zeigen, wie der Heilungsprozess genau aussieht. Dann heisst es Schritt für Schritt vorwärts, jedoch mit der notwendigen Vorsicht. «Als junger Spieler wollte ich einfach möglichst schnell wieder auf dem Platz stehen», so Schwegler.

«Heute weiss ich, dass es Zeit braucht. Ich kann nicht einfach ein paar Wochen überspringen in der Reha-Phase. Deshalb ist es wichtig, dass ich ruhig bleibe, mich auf den Moment konzentriere, das Beste daraus mache und dann stehe ich irgendwann wieder auf dem Rasen. Aber herbeizaubern kann ich nichts». Sicherlich hilft Christian Schwegler dabei seine eigene lange Verletzungshistorie.

Einen Zeitplan, wann er wieder zurück sein will, hat er nicht. Abwarten, auf den Körper hören und dann ergibt es sich von alleine. Die leise Hoffnung ist da, dass der FCL-Captain zum Start in die Rückrunde wieder voll mit an Bord ist.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. August 2020 16:54
aktualisiert: 21. August 2020 16:54