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Fabio Celestini

Mit dem Glücksfaktor und ohne Zweifel zum Erfolg

Philipp Breit, 14. Juli 2021, 09:52 Uhr
Vertrauen. Blindes Vertrauen. In sich selbst, in seine Mitspieler, in den gemeinsamen Plan. Und niemals zweifeln. Niemals. Das Erfolgsrezept von Fabio Celestini hört sich einfach an. Ganz so simpel ist es dann aber doch nicht. Auch wenn es am Schluss nur um eines geht: Erfolg!
Fabio Celestini richtet seinen Blick auf eine sportlich erfolgreiche Saison mit dem FCL.
© KEYSTONE/URS FLUEELER

Doch ist Erfolg wirklich immer nur ein Sieg? Ist man nur erfolgreich, wenn man 3:0, 4:2 oder 2:1 gewinnt? Am Ende, mit Blick auf die Tabelle, auf jeden Fall. Resultattechnisch. Und dennoch: Erfolg ist mehr als nur gute Resultate. «Wir müssen uns entwickeln, gemeinsam vorwärts gehen. Besser werden», so Celestini. Es sei einfach, am Ende eines Spiels bei Abpfiff zu sagen, ob es eine gute oder eine schlechte Leistung gewesen sei. Aber das Grosse und Ganze zähle bei ihm ebenso. «Ich sehe die Spieler jeden Tag, spreche jeden Tag mit ihnen. Die Journalisten und Zuschauer sehen am Wochenende das Spiel, ich aber sehe die ganze Woche». Wenn am Wochenende die Leistung nicht stimmt, kann es mehrere Gründe haben. War die Taktik falsch, war der Gegner schlichtweg besser, hat die Mannschaft an den Plan geglaubt, waren die Spieler nicht richtig eingestellt?

Eine schlechte Einstellung gewinnt niemals

Fussball ist und bleibt ein Spiel mit zwei Toren und einem Ball. Dies wird sich so schnell wohl kaum ändern. Auch gehören 22 Spieler dazu. Oder anders gesagt, 22 Menschen. Und sie sind die Variablen im Spiel. Es sind sie, die das Spiel beeinflussen und prägen. «Es gibt Dinge, die kann ich nicht ändern und die ich nicht beeinflussen kann. Die Umstände, das Wetter, die Regeln. Darüber muss ich mich nicht ärgern und keine Energie verlieren.» Wichtig sei der Fokus auf das, was man beeinflussen könne, so Celestini weiter. «Mit der Taktik und der Technik kann ich mir zum Gegner ein Plus geben. Einen Vorteil verschaffen. Aber das ist nicht entscheidend für den Erfolg. Ich kann schlecht spielen, das schlechtere Team sein und trotzdem gewinnen. Wichtig ist WIE meine Mannschaft spielt, mit welcher Einstellung geht sie auf den Platz. Dieser Faktor ist entscheidend. Taktik und Technik geben ein Plus, Einstellung multipliziert aber alles mit mal 4». Sprich: Mit schlechter Taktik und Technik kannst du gewinnen, mit einer schlechten Einstellung niemals.

Fabio Celestini spricht von «ganar, ganar, ganar». Das Wort steht im Spanisch für gewinnen. Siegeswillen. Diesen unbändigen Erfolgshunger haben. Den Glauben an sich selbst nie verlieren. «Wenn man in ein Spiel geht, in ein Duell, dann ist es wichtig, dass man immer an den eigenen Plan glaubt. Wenn man nicht glaubt, hat man verloren. Wenn man zögert ebenso.» Man könne Parallelen ziehen zu einem Krieg. Wobei ein Krieg ein zu hartes Wort sei, meint Celestini. Es ist vielmehr eine Schlacht, oder eben ein Duell. Heisst es Angriff, dann wird angegriffen. Mit einer hundertprozentigen Überzeugung an den eigenen Plan. «Man kann nicht sagen, es regnet, wir greifen jetzt nicht an. Oder jemand zögert, weil vielleicht der Glaube fehlt.» Dann habe man bereits verloren. «Wir haben einen Plan und diesen verfolgen wir. Wir greifen immer mit einer Idee an und falls wir verlieren sollten, dann muss der Gegner unsere Idee, unseren Plan zerstören».

Der Glücksfaktor von Carl von Clausewitz

«Vom Kriege» ist ein Buch von Carl von Clausewitz. Er war ein preussischer Generalmajor und Militärwissenschaftler. Auch von ihm liess sich Fabio Celestini inspirieren. Doch nicht etwa in Kriegsführung, Militärmanövern oder Kampftaktik. «Es ist der Glücksfaktor», so Celestini. Man kann Glück haben oder nicht. Man kann Glück aber auch erzwingen. Man kann für sein eigenes Glück kämpfen. «Ganz wichtig ist, keine sinnlose Energie zu verlieren. Es gibt so viele Aspekte, die ich nicht beeinflussen kann: Das Wetter, die Zuschauer, der Schiedsrichter usw.», betont Celestini. «Wichtig ist aber, dass ich genau das akzeptiere. Dass ich weiss, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Ich muss mich auf das fokussieren, was ich beeinflussen kann. Ich musste dies zuerst lernen. Als junger Trainer wollte ich immer alles komplett im Griff haben. Aber zu akzeptieren, dass man eben nicht immer alles im Griff hat, ist ganz wichtig».

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im gemeinsamen

«Die Richtung stimmt» hörte man Fabio Celestini des Öftern sagen in der vergangenen Saison. Auch dann, als die Resultate nicht wie gewünscht waren. Am Ende hat er und die Mannschaft alle Zweiflern und Nörgeler eines Besseren belehrt. Die Richtung hat eben doch gestimmt. Und damit ist nicht nur der Cupsieg gemeint.

Die Mannschaft hat sich weiterentwickelt. Ist mental, physisch und psychisch einen Schritt weiter als noch vor einem Jahr. «Das ist jeden Tag Arbeit. Jeden Tag rede ich mit meinen Spielern und gemeinsam arbeiten wir am Plan.» Wobei gemeinsam hier das Schlüsselwort sei. «Ich komme nicht und sage, so spielen wir. Wir schauen gemeinsam. Ich gebe gewisse Leitplanken vor, aber innerhalb dieser können sich die Spieler frei bewegen. Sie brauchen Spielraum auf dem Feld um eigene Entscheidungen zu treffen, um kreativ zu sein.» Auch dies sei etwas, was er aus seinen bisherigen Trainerstationen gelernt habe. «Ich weiss nicht, was auf dem Platz passiert. Ich kenne zwar den Plan. Aber was macht Müller oder Vasic vor dem Abstoss? Ich weiss es nicht. Ich weiss es erst, wenn er den Ball spielt. Ich muss mich immer auf meine Spieler verlassen. Ich brauche die Qualität von meinen Spielern».

Und dann sagt Celestini etwas ganz Entscheidendes: «Wenn ich Spass habe am Spielfeldrand, dann, weil mir die Mannschaft diesen Spass vermittelt hat, weil sie ein gutes Spiel gemacht hat. Wenn ich aber keinen Spass haben sollte, egal ob Sieg oder Niederlage, dann fehlt etwas für die Zukunft!»

Glücklicherweise heisst die Zukunft von Fabio Celestini weiterhin FC Luzern. Der Trainer scheint seinen Spass mit der Mannschaft zu haben. Bleibt zu hoffen, dass dieser Spass bald möglichst viele Fans live im Stadion geniessen können.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Juli 2021 09:43
aktualisiert: 14. Juli 2021 09:52