Einschätzung zum Luzerner Schmierentheater

Muss Sportchef Meyer gehen, wird der FCL zum Selbstbedienungsladen

Andreas Ineichen, Freelancer, 3. Oktober 2022, 13:10 Uhr
Der Vulkan im FC Luzern ist ausgebrochen. Seit Tagen raucht er vor Zorn und speit nun sogar Feuer. Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg desavouiert den mandatierten VR-Präsidenten Stefan Wolf öffentlich und fordert die Entlassung von Sportchef Remo Meyer. Aber wer profitiert wirklich vom aktuellen FCL-Schmierentheater?
Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg sorgt beim FCL für turbulente Zeiten. (Archivbild)
© KEYSTONE/URS FLUEELER
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Bernhard Alpstaeg war keiner der 14‘870 Zuschauer, die am Sonntag die bittere 1:2-Niederlage der Luzerner gegen die Young Boys auf der Allmend erlebten. Vielleicht hat er sich die Häme der FCL-Anhänger nicht antun wollen. Mit Spruchbändern gegen seine Person musste er rechnen, nachdem er vor gut zwei Wochen aus dem Hintergrund eine Kampagne gegen Sportchef Remo Meyer anzettelte.

Und am Tag des Heimspiels gegen YB mit markigen Worten an die Adresse von Stefan Wolf und Remo Meyer im «Sonntagsblick» aus der Deckung kam. Seinen wichtigsten Angestellten auf operativer Ebene wirft Bernhard Alpstaeg fehlenden Arbeitseinsatz vor.

Dabei fielen die öffentlichen Kundgebungen der FCL-Fans im Stadion ziemlich moderat aus. «Alpstaeg: De Muulchorb esch Der besser gstande», stand auf einem während des Spiels gezeigten Spruchband. Ein anderes machte den aktuellen FCL-Machern Mut: «Meyer, Wolf & Co.: Mehr stönd hender Öich». Begleitet wurde diese Aufmunterung durch warmen Applaus der Stehplatzfans.

Welches Interesse verfolgt Bernhard Alpstaeg?

Bernhard Alpstaeg eignet sich wegen kurioser Auftritte in der Vergangenheit des Klubs bestens als Zielscheibe für alles, was beim FC Luzern schief läuft. Er, der am Mittwoch 77 Jahre alt werden wird, ist ein Patron von altem Schrot und Korn. Er hat sich ein imposantes Millionen-Vermögen angehäuft in einer Branche, in der kompromisslos gekämpft wird. Als Chef eines im Baubereich beheimateten Unternehmens mit über 4000 Angestellten erwartet er, dass seine Befehle ohne Widerrede ausgeführt werden.

Warum soll das beim FCL anders sein? Wer als Mehrheitsaktionär die Zeche zahlt, befiehlt. Das ist seine Sicht auf den Lauf der Dinge. Erst recht vor dem Hintergrund, dass er schon einige Male als Wohltäter für den finanziell in Not geratenen Klub generös eingesprungen ist.

Das führt zur Frage: Was ist das Interesse von Bernhard Alpstaeg, mit FCL-Präsident Stefan Wolf und Sportchef Remo Meyer zwei Angestellte auf die Strasse zu stellen und deren Nachfolger zu alimentieren? Schliesslich läuft der Mehrheitsaktionär erst noch Gefahr, für die Konsequenzen seiner Anstrengungen finanziell gerade stehen zu müssen. Als Erklärung für sein Verhalten scheint ein aufgeblähtes Ego eines erfolgreichen Unternehmers zu kurz zu greifen.

Liess sich Alpstaeg für die Interessen anderer einspannen?

An dieser Stelle wird es Zeit, offen darzulegen, dass PilatusToday mit verschiedenen Persönlichkeiten im und rund um den FC Luzern Gespräche geführt hat. Aus existenziellen Gründen der Betroffenen oder wegen Geschäftsbeziehungen zum Klub ist es unserem Portal unmöglich, einzelne Quellen im derzeit toxischen Umfeld des FCL zu zitieren. Aber die Geschichte ist zu spannend, um sie nicht zu erzählen.

Bernhard Alpstaeg ist ein Machtmensch, der es sich gewohnt ist, die Zügel fest in seinen Händen zu halten. In seiner Arbeitswelt macht ihm niemand etwas vor. Aber mit den Gängen und Läufen im Schweizer Fussball-Business ist er nach eigener Aussage nicht vertraut.

Mit seiner Machtposition im FC Luzern wird der Haudegen, der Mehrheitsaktionär der FCL Holding (52 Prozent), der Stadion AG (60 Prozent) und der Stadion Gastro AG (100 Prozent) ist, deshalb zum leichten Opfer für mit allen Wassern gewaschene Einflüsterer. Es scheint ihnen geglückt zu sein, sich im Gehör von Bernhard Alpstaeg einzunisten und ihn für die eigenen Interessen vor den Karren zu spannen.

Eine Spielerberater-Legende, die Medien und der FCL

Denn wem nützt das aktuelle FCL-Schmierentheater wirklich?

Seit ein paar Jahren bewegt sich Giacomo Petralito im Umfeld von Bernhard Alpstaeg. Sie verbindet geschäftliche Interessen im Immobilienbereich. Petralito ist eine nationale Legende unter den Spielerberatern, wenn auch eine mit zweifelhaftem Ruf. Aber er kennt das Fussball-Business in- und auswendig und weiss zudem genau, wie man Medienschaffende für seine Zwecke nutzt.

Petralitos Problem ist seit Jahren, dass er mit FCL-Sportchef Remo Meyer keine Transfers und damit auch kein Geld machen kann. Das Gleiche trifft auch auf Sedat Duraki, einen weiteren dubiosen Spielervermittler, zu. Dieser warf Meyer unlängst öffentlich unlautere Machenschaften mit Agron Krasniqi vor, nachdem der Transfer von Innenverteidiger Adrian Bajrami zum FCL in diesem Sommer gescheitert war.

Agron Krasniqi, auch er ein Spielervermittler, löste die Kampagne gegen Remo Meyer überhaupt erst aus. Wenn auch ungewollt. Er erregte den Zorn von Bernhard Alpstaeg, nachdem sich Luzerns Neo-Nationalspieler Ardon Jashari von ihm in den Vertragsverlängerungen mit dem FCL vertreten liess.

Alpstaeg hat dies als Affront empfunden. Er hatte der Familie Jashari jahrelang finanziell unter die Arme gegriffen. Die Retourkutsche bestand darin, dass der Mehrheitsaktionär die FCL-Führung dazu zwang, Krasniqi ein Hausverbot für die Swissporarena auszusprechen. Dass es contre coeur umgesetzt worden ist, zeigt sich darin, dass es von der Stadion AG und der Swissporarena events AG ausgesprochen worden ist. Nicht aber von der für die sportlichen Belange zuständigen FC Luzern-Innerschweiz AG.

Was nicht im Sinne Alpstaegs sein kann

Die üble Stimmungsmache gegen FCL-Sportchef Remo Meyer wird erst recht als solche erkennbar, dass keine Gründe genannt werden für seine angeblich unzureichende Arbeit. Die Realität ist: Bereits im Winter und erst recht auf die laufende Saison hin sind Meyer ein paar gute Transfers geglückt. Hätte er im Zuge der Neustrukturierung der FCL-Führung im Februar 2021 gehen oder für die sportlich miserable Vorrunde 2021/22 mit dem Jobverlust büssen müssen, hätte es kaum Einwände geben können.

Es läuft alles darauf hinaus, dass das Schmierentheater gegen Remo Meyer mit Bernhard Alpstaeg als Gallionsfigur vor allem darum lanciert wurde, damit sich Spielerberater, die bislang einen schweren Stand hatten, wieder auf der Allmend finanziell bedienen können. Denn es ist Remo Meyer eigen, keinem Spieleragenten und erst recht keinem Medienschaffenden über den Weg zu trauen. Mehr Unabhängigkeit zum Wohle des eigenen Arbeitgebers geht nicht.

Vielleicht zu seinem eigenen Glück kann Bernhard Alpstaeg als Mehrheitsaktionär die Personalpolitik auf operativer Ebene nicht bestimmen. Das ist schon seit Jahren statuarisch so verankert. Wie die Geschäftsleitung personell bestückt wird, liegt in der Verantwortung des FCL-Verwaltungsrates.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Sollte Remo Meyer tatsächlich gefeuert werden, wird die sportliche Abteilung des FC Luzern wieder zu einem Selbstbedienungsladen. Es wäre ein Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten.

Das kann kaum im Interesse und Sinne von FCL-Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg sein.

Andreas Ineichen, Freelancer
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. Oktober 2022 15:47
aktualisiert: 3. Oktober 2022 15:47