Fabio Celestini

«Schlimmer wäre es, wenn ich gar keine Idee hätte»

Philipp Breit, 12. April 2021, 17:50 Uhr
«Schlimmer wäre es, wenn ich gar keine Idee hätte», so Celestini über seinen Offensiv-Fussball
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Cup-Time! Der FC Luzern spielt am Dienstagabend im Viertelfinal gegen Lugano. Ein Sieg bedeutet den Einzug ins Halbfinal. Ein Sieg würde aber auch einen Motivationsschub für die Meisterschaft bedeuten.

Im Gegensatz zum Gegner aus dem Tessin ist es den Luzernern in der Meisterschaft zuletzt nicht nach Wunsch gelaufen. Während Lugano auf Platz 2 liegt, heisst der Fokus für den FCL seit der Niederlage gegen Basel am vergangenen Samstag simpel: Nicht Absteigen! «Wir haben unseren letzten Joker verspielt, um nach vorne zu schauen in der Tabelle», gab auch Fabio Celestini nach dem Spiel zu. Damit mag er Recht haben. Und dennoch, noch immer sind 8 Runden zu spielen und reichlich Punkte zu holen. Damit dies gelingt, würde doch ein Motivationsschub im Cup guttun.

Doch damit dies gelingt muss der FCL insbesondere seine Abwehr dringend stabilisieren. Gegen Basel liefen die Luzerner teilweise wie aufgeschreckte Hühner durch den eigenen Sechzehner. Und dies nicht zum ersten Mal in dieser Saison. «Wir müssen auch klarsehen, woher wir kommen», so Celestini. «Als ich Anfang 2020 übernommen habe, haben wir nach 18 Spielen 27 Tore kassiert. Die Abwehr war schon damals eine wunde Stelle.» Dies solle aber nicht als Ausrede gelten. «Wir müssen immer weiterarbeiten und auch ich als Trainer muss Lösungen suchen.» Fabio Celestini stellt sich klar vor seine Mannschaft und nimmt sich selber auch in die Pflicht. Alles andere wäre auch nicht fair. Obwohl Celestini sicherlich nichts dafür kann für die teilweise haarsträubenden Fehler in der Abwehr.

Die Frage aber stellt sich, ist der offensive Spielstil von Celestini wirklich der richtige Ansatz für die Luzerner? Passt seine Idee zum FCL? «Wenn man meine Idee kritisiert, dann ist das korrekt. Aber zumindest habe ich eine Idee.» Schlimmer wäre es, Celestini hätte keine Idee. «Würden die Spieler machen, was sie wollen, würde jeder fragen, was ist das für eine Spielidee? Wo ist der Trainer?» Der Trainer ist da, die Mannschaft durchaus auch. Die Mannschaft hat unter Celestini zweifelsohne einen Schritt nach vorne gemacht. Was fehlt ist die Balance. «Wir müssen das Gleichgewicht noch etwas finden zwischen Offensive und Defensive», gibt Celestini zu.

Der FCL hat punktemässig sicherlich nicht die Ausbeute eingefahren, die er eigentlich könnte in der Liga. Vorne viele Tore, hinten aber leider auch. Doch trotz der vielen Gegentreffern, eines kann sich die Mannschaft nicht abstreiten lassen: Mentalität! «Wir holen gegen Basel ein 1:3 auf, drehen gegen St. Gallen ein 0:2 in ein 4:2. Die Mannschaft lebt!», betont Celestini. Damit hat er Recht. Über fehlende Moral oder Mentalität darf man sich keinesfalls beklagen. Jetzt müsste sich der FCL bloss noch für seinen Aufwand belohnen.

Ist das FCL-Spiel zu berechenbar?

Mit seinem Ansatz des offensiven Fussballs scheint der FCL aber berechenbarer geworden zu sein. Die Gegner können den FCL ziemlich gut lesen. «Das mag korrekt sein, ja», gibt auch Celestini zu. «Aber wir haben dennoch 50 Tore geschossen. So einfach scheint es dann doch nicht zu sein gegen uns, auch wenn die Gegner wissen, worauf sie sich einstellen müssen.»

Worauf sich der FCL morgen im Cup-Viertelfinal einstellen muss, ist auch ziemlich absehbar. «Lugano steht sehr tief, sie haben kein Problem 95 Minuten einfach hin und her zu schieben, sie brauchen den Ball nicht», analysiert Celestini. «Doch wenn sie den Ball haben, dann schalten sie schnell um. Sie haben einige Spieler mit viel Erfahrung und Routine.»

Erfolg braucht manchmal Geduld

Im Viertelfinal gegen Lugano zählen keine Ausreden. Diese hört man beim FCL sowieso beinahe nie: «Wir haben die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Noch 3 Spiele sind es bis zu einem möglichen Titel und diese Chance wollen wir nutzen.» Und da ist sie wieder, die offensive Art von Fabio Celestini. Nicht nur auf dem Feld will er nach vorne spielen, auch in seiner Zielsetzung denkt er voraus. «Wir haben hier die Möglichkeit etwas aufzubauen – gemeinsam. Aber Erfolg braucht auch Geduld. Dieser geschieht nicht innerhalb von 8 oder 10 Monaten». Da der FCL Anfang Jahr den Vertrag mit Celestini bis 2023 verlängert hat kriegt er diese Zeit auch. Zumindest vorläufig. Aber klar ist auch, ein Sieg gegen Lugano im Cup-Viertelfinal würde gut tun für die gebeutelte FCL-Seele. Um dann am Samstag gegen St. Gallen in der Super League wieder mit breiter Brust aufzutreten und mit einem Sieg an den Ostschweizer vorbeizuziehen.

Anpfiff zum Cup-Viertelfinal ist am Dienstag 13. April um 17.00 Uhr im Stadion Cornaredo in Lugano. Das Spiel kann live verfolgt werden auf Radio Pilatus oder in unserem Liveticker.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. April 2021 18:06
aktualisiert: 12. April 2021 17:50