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Fussball

Steht die FCL-Saison unter keinem guten Stern?

Philipp Breit, 18. September 2020, 16:10 Uhr
Es muss eine ganz schwierige Saison für den FC Luzern geben. Zumindest, wenn man einem nicht ganz ernst gemeinten «Omen» glaubt. Denn je besser die Testspiele, umso schlechter die FCL-Saison. Oder umgekehrt.
Fabio Celestini steht vor seiner ersten Saison als FCL-Trainer.

6:1 gegen Wohlen, 1:1 gegen GC und 2:0 gegen den FC Zürich. Keine einzige Niederlage in einem Vorbereitungsspiel. Für den FCL lief die Vorbereitung ganz nach Wunsch, zumindest resultatmässig. Erinnern wir uns an die Vorbereitung auf den Re-Start. Kein einziges Spiel konnte der FCL gewinnen. Verlor teilweise sang- und klanglos beispielsweise 0:3 gegen Vaduz. Und dann? Ja, dann zeigte der FCL dann halt eben doch, dass er parat sein kann, wenn es darauf ankommt. Zum Wiederbeginn der Saison wurde der FC Basel regelrecht dominiert und die Luzerner sackten verdient die drei Punkte ein.

Doch was bedeutet dies nun für die am Samstag beginnende Saison? Nicht viel! Der FCL hat am vergangenen Wochenende mit dem 1:0-Sieg im Cup gegen Thun bereits gezeigt, dass er den guten Lauf aus der Vorbereitung mitnehmen kann. Wobei man festhalten muss, dass die Leistung gegen den Absteiger über weite Strecken nicht gerade prickelnd war. Aber am Ende siegte der FCL und nur dies zählt.

Celestini möchte noch sechs neue Spieler

Ein Blick auf das Matchblatt gegen Thun zeigt aber die aktuell wohl grösste Problematik beim FC Luzern. Der Kader ist sehr dünn. Auf der Bank sassen nebst Dave Zibung und Otar Kakabadze junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Klar, es ist löblich, dass der FCL so viele eigene Spieler nachziehen kann. Und es ist auch schön für die Spieler, dass sie Erfahrungen auf diesem Niveau sammeln dürfen. Auch wenn der eine oder andere von ihnen ohne Weiteres über viel Potenzial verfügt, von einem Stammplatz in der 1. Mannschaft sind sie noch sehr weit entfernt. Macht auch nichts. Sie haben noch Zeit. Zeit, welche aber der FCL selber wohl nicht hat. Mit Tsiy Ndenge, Christian Schwegler, Marco Burch, Marco Bürki und Salah Aziz Binous fehlen einige Spieler verletzungsbedingt. Auch wenn die Rückkehr von Bürki und Ndenge absehbar ist. Und dennoch, der Kader ist zu dünn besetzt. Es fehlen schlagkräftige Varianten auf der Bank.

Die Forderung oder vielmehr die Äusserung eines Wunsches von Fabio Celestini überraschte vergangene Woche deshalb nicht. «Ich möchte noch sechs Spieler: zwei Verteidiger, zwei in der Mitte und zwei vorne», war die klare Aussage. Ob Sportchef Remo Meyer ihm diesen Wunsch erfüllen wird? Wohl kaum! Fakt ist aber ganz klar, der FCL muss noch etwas machen. Und wird dies wohl auch. Wenn in der Rückrunde 22 Runden plus Cup zu absolvieren sind und es über beinahe vier Monate englische Wochen geben wird, dann ist dieser Kader schlichtweg nicht dafür gemacht. Dies hat absolut nichts mit der individuellen Klasse der Spieler zu tun. Aber unter einer solchen Belastung kann niemand durchspielen. Okay, ausser vielleicht Tausendsassa Marius Müller.

Die Devise wird aber klar sein: lieber Qualität als Quantität. Remo Meyer muss nicht sechs neue Spieler holen, welche bloss Ergänzungsspieler sind. Über Ergänzungsspieler verfügt der FCL aus den eigenen Reihen mehr als genug. Der FCL braucht zwei bis drei Spieler, welche auf Anhieb eine Verstärkung sind. Spieler, welche ohne Weiteres von Anfang an spielen können. Spieler, welche eine echte Alternative sind, wenn sie auf der Bank sitzen. Eben, Qualität.

Zusätzliche Kreativität hat sich der FCL diese Woche bereits geholt. Mit Louis Schaub vom 1. FC Köln wurde ein Mittelfeldspieler geholt, welcher dem FCL-Spiel noch mehr Wind in die Offensive bringen soll. Auch wenn der österreichische Nationalspieler beim 1. FC Köln meist nur in der zweiten Mannschaft ran durfte, zeigte er durchaus seine Qualitäten, in dem er dort zahlreiche Tore vorbereitete.

Qualität hat der FCL aber auch sonst bereits, das ist unbestritten. Immerhin ist der FCL die viertbeste Mannschaft der abgelaufenen Rückrunde. Einen Rang hinter Thun. Ja genau, Thun! Die Thuner, welche trotz Rang 3 in der Rückrundentabelle schlussendlich abgestiegen sind. Es sollte für alle Mannschaften, nicht nur den FCL, eine Warnung sein. Eine gute Halbsaison muss noch nichts bedeuten.

Wie häufig werden wir die FCL-Spieler wohl diese Saison jubeln sehen?

Doch was ist denn nun drin für den FCL in der neuen Saison?

Es ist liegt viel drin beim FCL diese Saison: Wenn die Mannschaft den unter Fabio Celestini eingeschlagenen Weg weitergeht. Allenfalls mit neuen Spielern neue Reize und Impulse setzen kann. Mit derselben Spielfreude wie zu Beginn der Rückrunde auftrumpft. Den Hunger hoch und die Ausreden tief hält, dann hat St. Gallen letzte Saison gezeigt, was möglich ist. Und was die St. Galler können, kann der FCL auch.

Ach ja, einen ganz wichtigen Unterschied zur vergangenen Rückrunde gibt es. Wenn ab dem 1. Oktober wieder mehr als 1'000 Zuschauer ins Stadion dürfen, erhält der FCL seinen wohl stärksten «Neuzugang»: Die eigenen Fans!

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. September 2020 08:22
aktualisiert: 18. September 2020 16:10