FC Luzern

Viele Kämpfer aber kein General

Philipp Breit, 19. November 2020, 16:10 Uhr
Eine Mannschaft auf der Suche nach dem eigenen Ich.
Jetzt aber! Wirklich. Wenn nicht gegen Vaduz am Samstag, gegen wen will der FCL dann gewinnen? Der Druck auf die Luzerner ist vermeintlich gross. Es geht nach zweiwöchiger Nati-Pause in der Super League wieder weiter. Und die Luzerner müssen liefern.

Noch immer graust es einem, wenn man an das letzte FCL-Spiel zurückdenkt. Vor zwei Wochen im Zürcher Letzigrund lieferte der FCL eine desaströse Leistung ab. Uninspiriert, unmotiviert, unzureichend. FCL-Trainer Fabio Celestini gab nach dieser 0:2-Niederlage unverblümt zu: «Ich muss mich hinterfragen». Jetzt müssen Lösungen her, so Celestini. Die Nati-Pause kam deshalb vielleicht gerade recht. Einerseits konnte das FCZ-Spiel aufgearbeitet werden und zweitens hat die Mannschaft mehr Zeit, sich auf einander einzustellen.

Die Tabelle spricht eine deutliche Sprache. Dieser Satz ist zwar so was von abgedroschen, aber hat halt dennoch nach wie vor ein Fünkchen Wahrheit. Rang 9, 6 Spiele, 2 Punkte. Der Saisonstart ging in die Hose für den FCL. Das mag zwar sein, ist aber dennoch nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass der FCL mit einer völlig neu besetzten Mannschaft in die Saison gestartet ist. Dass die Abstimmung und die Abläufe da noch nicht perfekt zusammenpassen, liegt auf der Hand. Und dennoch: Die ersten Spiele waren teilweise schon richtig gut. Gegen Basel, St. Gallen und auch YB zeigte der FCL eine mehr als ordentliche Leistung.

1 Niederlage vs. 5 gute Spiele

«Wir sind auf dem richtigen Weg». «Wir holen unsere Punkte schon noch». «Wir müssen uns noch finden». «Wir haben Selbstvertrauen». «Wir sind überzeugt von dem, was wir machen». Sätze, welche man immer wieder seitens des FCL hörte. Und denen man auch Glauben schenkte. Bis eben zu jenem FCZ-Spiel. Nun ist die Frage, was wiegt schwerer? Der bislang eigentlich gute Auftritt in 5 Spielen oder der eine schlechte gegen Zürich? Eben. Finde ich auch. Alles war nicht schlecht, was der FCL bislang gezeigt hat und die Form stimmt sicher. Die Niederlage gegen Zürich wurde aufgearbeitet und intern besprochen. Und hoffentlich auch die Lehren daraus gezogen. Mehr aber auch nicht. Nur wegen dieser Niederlage das ganze Konstrukt zu hinterfragen, wäre falsch und wird auch nicht gemacht beim FCL.

Viele Kämpfer aber kein General

Doch was fehlt dem FCL bislang in dieser Saison? Über Qualität verfügt der FCL mehr als genug. Nun kehren mit Pasci Schürpf und Christian Schwegler auch noch zwei Leader zurück in die Mannschaft nach überstandenen Verletzungen. Der FCL präsentiert sich bislang in dieser Saison als eine Mannschaft bestehend aus vielen Kämpfern. Jeder will, jeder ist engagiert, jeder kämpft mit seinen Möglichkeiten. Aber um eine Schlacht zu gewinnen sind nicht Einzelkämpfer nötig, sondern eine gut orchestrierte Armee. Okay, dies mag jetzt etwas martialisch klingen. Aber dem FCL fehlt bislang der General auf dem Feld. Derjenige, welcher im richtigen Moment die entscheidenden Impulse setzt. Welcher die «Kämpfer» im Auge hat, sie leitet und bei Laune hält und im richtigen Moment von der Leine lässt. Doch wer kann diese Rolle des Generals einnehmen? Da gibt es für mich insbesondere einen Namen: Alex Carbonell. Auch wenn er neu ist in der Mannschaft. Das darf für ihn keine Ausrede sein. Mit seiner Qualität und seinen Fähigkeiten ist er prädestiniert für diese Aufgabe. Genau wie auch Louis Schaub. Schaub wie auch Carbonell sind «leise» Leader, wie es Fabio Celestini betont. «Sie sprechen mit dem Fuss», meint er. Und dann sind da noch die «lauten» Leader wie Müller, Schürpf oder Schwegler. Auch sie sind für Fabio Celestini unverzichtbar.

Zurück zum Spiel am Samstag gegen Vaduz. Die Liechtensteiner sind aktuell Tabellenschlusslicht. Punktgleich mit den Luzernern bei einem Spiel weniger. Ein Sieg gegen Vaduz ist aus Luzerner Sicht aus mehreren Gründen schon fast Pflicht. Da wäre die sportliche Situation. Die ersten drei Punkte der Saison sollen her. Sieg Nummer 1 täte gut. Auch für das eigene Selbstvertrauen. Der FCL hat bislang in der Saison vieles richtig gemacht, sich aber zu wenig belohnt. Damit man nicht zu sehr an sich selbst zu zweifeln beginnt, braucht es nun einen Sieg. Einen Sieg fürs Gemüt. Ein Sieg, welcher zeigt, dass man es doch noch kann. Ein Sieg, der bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Luzern gegen Vaduz, Anpfiff ist am Samstag, 21. November, um 18.15 Uhr in der Swissporarena. Das Spiel kann bei uns im Liveticker verfolgt werden und wird live auf Radio Pilatus übertragen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 19. November 2020 16:00
aktualisiert: 19. November 2020 16:10