Louis Schaub

Von grossen Erwartungen und leisen Hoffnungen

Philipp Breit, 24. April 2021, 16:17 Uhr
Louis Schaub ist mit 8 Toren und 9 Assists bislang einer der Überflieger beim FCL.
© KEYSTONE/Ti-Press/ Francesca Agosta
Er ist aktuell einer der besten Fussballer in der Super League. Deswegen abheben wird Louis Schaub aber definitiv nicht. Zu bodenständig, zu ruhig und zu erfahren ist der Österreicher. Mit 26 Jahren klopft er an, an die besten Fussballerjahre. Doch verbringt er diese auch beim FCL?

Louis Schaub ist eigentlich zu Gut für den FC Luzern. Zu Gut für die Super League. 8 Tore und 9 Assist stehen bei ihm schon zu Buche. Mehr Torbeteiligungen hat beim FCL in dieser Saison niemand gesammelt. Ligaweit ist er der beste Assistgeber. Doch warum kam es überhaupt so weit, dass Schaub beim FCL gelandet ist? Grossgeworden ist er bei Rapid Wien. Von da ging es zu Köln, zum HSV und dann zu Luzern. «Ich habe sehr viel erreicht. Vieles, worauf ich stolz bin. Doch sportlich lief es bei mir sicherlich auch nicht immer optimal», gibt Schaub zu.

In der zweiten Bundesliga spielte Schaub oft eine wichtige Rolle. Kam auch da zu Toren und Assists. Doch nach dem Aufstieg in die erste Bundesliga tat er sich dann schwer. «Wir spielten oftmals nicht mehr so offensiv. Waren als Aufsteiger halt eher mit der Defensive beschäftigt». Das heisst nicht, dass Schaub nicht auf «Defensive» kann. Natürlich hüpft sein Fussballer-Herz mehr, wenn er offensiv zaubern kann. Wenn er sich einbringen, das Spiel gestalten kann. Doch genau diese Spielfreude kam ihm in Deutschland etwas abhanden. «Der Wechsel nach Luzern kam sicherlich auch daher, dass ich wieder Spass am Fussball haben wollte. Diesen Spass wiederfinden wollte».

Von einem verpatzten oder gescheiterten Abenteuer «Bundesliga» will er nichts wissen. «Gescheitert ist ein sehr hartes Wort. Natürlich lief am Schluss nicht alles wie erhofft. Doch gescheitert bin ich keineswegs», so Schaub. Mit 26 Jahren hat Louis Schaub bereits viel erlebt in seinem noch jungen Leben. Früh mit 8 Jahren musste er den Tod seines Vaters hinnehmen. Er starb bei einem Autounfall. Den Aufstieg seines Sohnes zum Fussballprofi hat er leider nicht mehr miterlebt. Wie «klein» Louis bei Admira in Österreich in die Fussballwelt einstieg und sich bis zum österreichischen Nationalspieler entwickelt hat. «Für dein Land zu spielen, das erfüllt dich mit Stolz. Es ist unglaublich zu den 23 besten Spieler des Landes zu gehören». In der österreichischen Nationalmannschaft spielt Louis Schaub mit Top-Spielern wie David Alaba oder auch Marcel Sabitzer. «Es macht Spass mit solchen Jungs. Ich versuche immer von allen etwas zu lernen.»

Schürpf & Sorgic statt Messi & Mbappé

Wenn im Sommer die Europameisterschaft beginnt hofft Louis Schaub natürlich auch Teil des österreichischen Kaders zu sein. Hierzu aufdrängen will er sich mit guten Leistungen im Dress des FCL. Die Erwartungshaltungen an ihn sind gross in der Zentralschweiz. Auch wenn er im vergangenen September als eher unbekannter nach Luzern kam, so sah man schnell, über welch aussergewöhnlichen Qualitäten Louis Schaub verfügt. Nun muss er sich beweisen. Reüssiert er in Luzern nicht, wird es allenfalls schwierig noch einmal den Sprung in eine der Top-5-Ligen zu schaffen. Doch von Druck will Louis Schaub nichts wissen. «Ich wusste nie so recht was mit dem besten Fussballeralter gemeint ist, doch jetzt komme ich genau in dieses», schmunzelt er. Mit 26 Jahren hat er nun tatsächlich seine «goldenen Jahre» vor sich.

Doch will er diese wirklich in Luzern verbringen? «Der Traum der Champions League lebt, auch in mir. Bis zu meinem letzten Spiel hoffe ich, irgendwann in der Champions League spielen zu können», so Schaub. Doch aktuell heisst seine Gegenwart nicht Ronaldo, Messi oder Mbappé sondern Schürpf, Müller und Sorgic. «Wenn ich mir nicht hätte vorstellen können länger zu bleiben als bis im Sommer, dann hätte man gar keine Kaufoption in den Vertrag einbauen müssen», so Schaub. «Die Möglichkeit besteht, dass ich bleibe über den Sommer hinaus. Aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Sie wird fallen, das ist klar. Und ich hoffe, dass sie in absehbarer Zeit fällt, denn ich bin ein Mensch, der gerne eine gewisse Planungssicherheit hat.». Die braucht er auch für seine Familie. Mittlerweilen ist Louis Schaub selbst Papa eines kleinen Jungen.

In Luzern fühlt sich Schaub wohl, das spürt man. Auch, weil ihm nichts Falsches versprochen wurde. Damals bei den Verhandlungen. «Die Gespräche mit Remo waren wirklich gut», so Schaub. «Ehrlicherweise muss ich zugegeben, dass ich vor meiner Zeit hier nicht viele Spiele des FCL gesehen habe. Doch die Gespräche haben gepasst. Remo hat mir auch gesagt, dass in der Liga YB dominiert und zwischen dem Rest eigentlich alles offen ist». Nun ja, dies ist nun wahrlich so. Es ist dann der eine Satz, der leise Hoffnungen weckt, dass Louis Schaub noch länger in der Schweizer Liga für Furore sorgt. «Auch wenn ich jetzt in das beste Fussballeralter komme, vielleicht ist es für mich und meine Entwicklung aber auch gut noch ein Jahr länger hierzubleiben». Zu hoffen wäre es. Jetzt wo die Restaurants ja zumindest ihre Terrassen wieder öffnen durften, kann Remo Meyer Louis Schaub bei den Verhandlungen ja zum Essen einladen und ihn mit einer feinen Lozärner Chügelipastete überzeugen zu bleiben. «Sorry, aber kulinarisch kommt ihr nicht an uns ran», sagt Schaub und lacht. «Österreichisches Essen, da geht nix drüber». Okay ... gegen Schnitzel und Knödel kann man verlieren. Hauptsache den sportlichen Hunger können wir ihm in Luzern stillen.

Liga halten, Cup gewinnen und dann ab an die EM

Louis Schaub ist kein Mann der grossen und lauten Worte. Auf und auch neben dem Platz nicht. «Ich war schon immer eher etwas ruhig, auch privat. Gerne lese ich viel oder verbringe natürlich Zeit mit meiner Familie». Lauter muss Schaub auch gar nicht werden, denn wenn er etwas sagt, dann hat dies durchaus Wirkung. Und zudem überzeugt er lieber mit Taten als mit Worten. Und dennoch, eine klare Meinung hat er zum Fussballtheater rund um eine mögliche neue europäische Super League. «Ich war geschockt und traurig», so Schaub. Auch wenn Kommerz im Fussball längst Einzug gehalten hat, so sei die Basis, seien die Fans etwas vom Wichtigsten. «Leider habe ich bislang nur beinahe leere Stadien erlebt. Aber wir durften ja auch schon die eine oder andere Fanaktion neben dem Fussballplatz erleben», schmunzelt er. «Und da hatte ich echt Hühnerhaut. Ich würde mich riesig freuen, bald wieder vor Fans zu spielen und diese live zu erleben».

Wie es nun weitergeht ist klar. «Zuerst möchten wir sobald als möglich die Liga halten. Ein Pokal gewinnen liegt ja auch noch drin. Dann fahre ich hoffentlich zur EM und erst dann habe ich zwei Wochen ohne Fussball, bevor die neue Saison wieder los geht». Klingt nach einem guten Plan, den Louis Schaub hat. Wobei ich persönlich würde an diesem eine klitzekleine Anpassung vornehmen: Liga sichern, Chöbu holen, Vertrag mit Luzern verlängern, ab an die EM und dann in die Ferien. Träumen ist ja bekanntlich erlaubt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. April 2021 16:14
aktualisiert: 24. April 2021 16:17