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Fussball

Wie neu ist die FCL-Ausrichtung tatsächlich?

Philipp Breit, 12. Februar 2021, 06:28 Uhr
Der FC Luzern richtet sich neu aus. Neuer Präsident und neue Verwaltungsräte. Zudem ist der langjährige Zwist unter den Aktionären gelöst. Nicht beseitigt, aber gelöst. Bleibt die Frage, wie neu ist die FCL-Ausrichtung tatsächlich?
Geht als Sieger aus dem Aktionärsstreit hervor: Bernhard Alpstaeg.
© KEYSTONE/Urs Flueeler

Der Abgang von Philipp Studhalter als Präsident kam gestern überraschend. Dass irgendwann eine Lösung im Aktionärsstreit hermuss, das war klar. Dass dadurch auch gleich das Präsidentenamt und der Verwaltungsrat neu besetzt werden, hat jedoch überrascht. Neu setzt sich Stefan Wolf den Präsidentenhut auf. 50-jährig, ehemaliger FCL-Spieler, Nationalspieler und Cupsieger mit den Luzernern. In Fischbach aufgewachsen und seit Kindheitstagen mit dem FCL verbunden. Viel besser könnte die Wahl nicht sein.

Doch war da nicht schon einmal ein ähnlicher Fall? Marcel Kälin dürfte den einen oder anderen noch ein Begriff sein. Als CEO geholt, als CEO gescheitert. Mit ähnlichen Voraussetzungen wie jetzt Stefan Wolf. Auch Kälin war ehemaliger FCL-Spieler und sollte dem Verein wieder zu grösserer Strahlkraft verhelfen. Stefan Wolf nun sogleich ins selbe Boot wie Marcel Kälin zu setzen ist sicherlich nicht fair. Jeder verdient eine Chance und die gebe ich auch Stefan Wolf sehr gerne. Sein erster Auftritt an der gestrigen Medienkonferenz wirkte äusserst sympathisch, bodenständig und kompetent.

Studhalters Abgang hinterlässt Fragezeichen

Und dennoch bleibt die Frage, warum musste Philipp Studhalter gehen? Zugegeben, zu viel grösserer Strahlkraft hat auch er dem Verein nicht verholfen. Die Bindung zu den Fans war keine seiner grossen Stärken. Und dennoch hat es Philipp Studhalter geschafft, dass beim FCL etwas einkehrte, was man lange nicht kannte: Ruhe! Ab und wann keimten leichte Störfeuer aus dem Verwaltungsrat auf oder die Aktionäre sorgten mal wieder für medialen Ärger. Aber der Verein, der bewegte sich unter Philipp Studhalter insbesondere wirtschaftlich in sehr ruhigen Gewässern. Studhalter hinterlässt einen soliden und gesunden Verein.

Dass Studhalter trotzdem seinen Präsidentenposten räumen musste, ist wohl die Entscheidung von Josef Bieri und Bernhard Alpstaeg. Letztgenannter bleibt mit 52 Prozent Mehrheitsaktionär beim FC Luzern. Und Bieri übernimmt das Aktienpaket von Samih Sawiris, Marco Sieber, Hans Schmid und Markus Bösiger und besitzt neu 48 Prozent. Da auch beim FCL gilt «wer zahlt, befielt», dürften diese beiden die Neuausrichtung des Vereins beschlossen haben.

Stühle rücken im Verwaltungsrat

Ganz abgeschlossen ist diese Neuausrichtung noch nicht. Josef Bieri will seine 48 Prozent der Aktien nicht behalten, sondern einen Teil davon verkaufen. An einen Innerschweizer Investor. Auf keinen Fall einen ausländischen Spekulanten. Dann sind wir mal gespannt, wer mit ins neue Aktionärs-Boot steigt. Im neuen Verwaltungsrats-Boot befinden sich nebst Bieri und Wolf auch noch zwei weitere Steuermänner. Laurent Prince bringt als ehemaliger technischer Direktor beim Schweizer Fussballverband viel Fussball-Wissen mit und zudem auch eine gehörige Portion FCL-Verbundenheit. Mit Bruno Affentranger sitzt neu wohl die grösste Unbekannte im Verwaltungsrat. Bisher trat Affentranger als Kommunikationsberater von Bernhard Alpstaeg in Erscheinung. Jetzt vereint er Marketing und Sales. Warum dies nicht Lukas Troxler macht, bleibt offen. Troxler ist seit zwei Jahren beim FC Luzern und führt genau diese Funktion in der Geschäftsleitung aus. Es macht den Eindruck, dass Bernhard Alpstaeg mit Bruno Affentranger seinen verlängerten Arm im Gremium installiert. Und sich selbst raushält. Zumindest öffentlich. Auch für Prince und Affentranger gilt meiner Meinung nach das Gleiche wie für Wolf: Ich gebe allen Neuen eine Chance!

Der fünfte Sitz im Verwaltungsrat soll zudem mit einer Frau besetzt werden. Persönlich finde ich das super. Sie soll künftig das Amt der Unternehmensführerin bekleiden. Bin gespannt, wer schlussendlich das Rennen macht. Giulia Alpstaeg wäre doch noch eine Option…

Es war an diesem Schmutzigen Donnerstag wie ein verspäteter Urknall, die Meldung des FCL, dass man sich mit einem neuen Präsidenten und einem neuen Verwaltungsrat neu ausrichtet. Bleibt zu hoffen, dass es der Startschuss in eine positive FCL-Zukunft sein wird. Auch wenn der Eindruck bleibt, dass Bernhard Alpstaeg sich zwar von der Front weghält, sich aber dennoch den FCL so baut, wie er ihm gefällt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Februar 2021 05:38
aktualisiert: 12. Februar 2021 06:28