Bernhard Alpstaeg

Woher kommt der vermeintliche Sinneswandel?

Philipp Breit, 23. Januar 2023, 18:29 Uhr
Es sind auf einmal vermeintlich neue Töne, welche Bernhard Alpstaeg anschlägt. In Interviews zuletzt zeigte sich der FCL-Aktionär schon beinahe versöhnlich. Er gab Fehler zu und räumte Versäumnisse ein. Ist das ein Kurswechsel im Aktionärsstreit?
Bernhard Alpstaeg mit einem Sinnewandel?
© Luzerner Zeitung/Pius Amrein
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Nein! Meiner Meinung nach ganz bestimmt nicht. Alpstaeg bleibt bei seinem Plan. Er will die Mehrheit zurück und personelle Veränderungen beim FCL durchziehen. Die neuen und in der Öffentlichkeit eher ungewohnt milden Töne sind wohl vielmehr auf eine neue Kommunikationsstrategie zurückzuführen.

Hier entschuldigt sich Bernhard Alpstaeg für seine Äusserungen:

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Sacha Wigdorovits zieht seit einigen Wochen und Monaten die Kommunikationsfäden im «Team Alpstaeg». Der gewiefte und erfahrene Kommunikations- und Medienexperte, so scheint es, hat Alpstaeg vom neuen Weg überzeugt. Bernhard Alpstaeg tritt auf einmal als leicht geläuterter Aktionär auf. Sein polterhaftes Verhalten täte ihm leid, so Alpstaeg. Eine Zusammenarbeit mit dem FCL sei nach wie vor möglich. Natürlich nur unter bestimmten Umständen. Stefan Wolf, Sepp Bieri und Ursula Engelberger-Koller, sie müssen weg. Aber Laurent Prince und selbst Remo Meyer, mit ihnen könne sich Alpstaeg eine weitere Zusammenarbeit vorstellen.

Wasser predigen und Wein trinken

Dass die Worte Alpstaegs wohl eher einem besseren und öffentlicheren Image dienen sollen, zeigt sein weiterhin sturer Plan. Er sieht sich immer noch als Mehrheitsaktionär. Und will dies auch bleiben. Offen für einen Austausch oder gar einen möglichen Verkauf seiner Anteile, da stellt sich Alpstaeg stur. Er scheint Wasser zu predigen, aber Wein zu trinken. Und dennoch scheinen seine Interviews in der Öffentlichkeit eine gewisse Wirkung erzeugt zu haben. Es sind immer mehr Stimmen zu hören, die Alpstaegs Vorgehen zwar nach wie vor nicht goutieren, ihm aber dennoch höriger werden.

Alpstaeg widerspricht sich weiterhin

Was will Bernhard Alpstaeg eigentlich wirklich? Dies scheint nach wie vor unklar zu sein. Klar, er will die Mehrheit zurück und personelle Umstrukturierungen. Und da wäre ja noch seine Vision. Dass diese ein in sich geschlossener Unsinn ist, meiner Meinung nach, habe ich bereits in einem früheren Artikel dargelegt. Alpstaeg spricht davon, den FCL gross zu machen und nach vorne zu bringen. Sagt aber an Sitzungen im Beirat beispielsweise, dass zuerst gespart werden müsse. Was gilt denn nun?

Predigt er Wasser, doch trinkt Wein? Bernhard Alpstaeg während eines Interviews mit der Luzerner Zeitung.

© Luzerner Zeitung/Pius Amrein

Weiter meint Alpstaeg, Mittelmass genüge nicht. Und sagt im direkten Gegenzug, Platz 4 – 6 sei möglich. Sacha Wigdorovits kann die öffentliche Kommunikation vielleicht verbessern – aber die inhaltslosen und verwirrenden Aussagen Alpstaegs bleiben dennoch.

Rollentausch bei Alpstaeg und dem FCL?

Nach dem verheerenden Alpstaeg-Interview im Oktober zog sich dieser aus der Öffentlichkeit zurück und schwieg. Keine Interviews, keine Aussagen, nichts. Der FCL hingegen war unter Zugzwang und ging an die Öffentlichkeit. Inzwischen scheint ein gewisser Rollentausch vorgenommen zu sein. Während nun Alpstaeg spricht, schweigt der FCL. Wohl, weil sich auch die Rolle des «Zugzwangs» geändert hat.

Die Strafanzeige gegen Bernhard Alpstaeg wurde eingereicht. Und, so heisst es, diese sei mehr als fundiert. Alpstaeg sei sich wohl noch nicht bewusst, was dabei auf ihn zukommen werde. Auch wir wissen es nicht, denn die Strafanzeige und deren Inhalt sind der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Der vermeintliche Kurswechsel Alpstaegs scheint in meinen Augen nicht mehr als ein Versuch zu sein, sein Image zu retten. Schlussendlich wird aber wohl nicht das öffentliche Ansehen über den Aktionärsstreit entscheiden, sondern ein Gericht. Und dieses beruft sich auf Zahlen und Fakten. Diese hat der FCL geliefert, bislang geheim in der Strafanzeige. Alpstaeg selbst hat noch keine fundierten Zahlen und Fakten geliefert.

Die Fans stellen sich weiterhin gegen Alpstaeg

Geliefert haben hingegen die Fans und die Aktion «Zäme meh als 52 Prozänt». Oder «meh as 4 Prozänt» je nach Ansicht. Die Anhänger des FC Luzern machen weiterhin klar, eine gemeinsame Zukunft mit Bernhard Alpstaeg sehen sie nicht. Auch «Ehrenpräsident» Walter Stierli verdient ihrer Meinung nach diesen Titel kaum noch. Die publizierten Geschichten aus dem «Adventsblog» durften nicht nur Alpstaeg selbst, sondern auch einigen langjährigen FCL-Wegbegleiter, zu denken gegeben haben. Die veröffentlichten Geschichten und Ereignisse lassen sich zwar nicht einwandfrei mit öffentlichen Quellen nachvollziehen. Zeichnen aber dennoch ein, zumindest fragwürdiges, Bild von einigen FCL-Exponenten.

Die Aktion «Zäme meh als 52 Prozänt» scheute sich auch der direkten Konfrontation mit Bernhard Alpstaeg nicht. Dies zeigte die GV anlässlich des 21. Dezembers. Aber auch die Tatsache, dass sie sich trotz geringen Erfolgsaussichten, mit Bernhard Alpstaeg trafen, um eine mögliche Übernahme der Aktien zu besprechen. Die Fans bleiben dabei, das zeigen unzählige Aktionen rund um FCL-Spiele: Alpstaeg muss weg!

Wie weiter?

Der FC Luzern wird auch wieder in Zugzwang geraten, wie Alpstaeg. Der FCL wird neue Namen und Investoren präsentieren müssen, will man die Alsptaeg-Aktien neu verteilen und Geld für den FCL generieren. Und solange diese nicht genannt sind, bleibt einiges im Unklaren. Sobald Alpstaeg seinerseits die Strafanzeige gelesen und verstanden hat, wird auch er einsehen, dass er unter Zugzwang steht.

Wie das ganze Theater ausgeht, steht weiterhin in den Sternen und ist wohl eine schmale Gratwanderung. Gespannt darf man sein, wer welche Rolle in Zukunft einnehmen wird.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. Januar 2023 16:14
aktualisiert: 23. Januar 2023 18:29